Erstaunlich, wie einfach man sich die Welt stricken kann, selbst wenn man einen Professorentitel aufweist. Die Verlautbarung eines «Experten» zur Halbierungsinitiative ist so einseitig wie falsch.
Frage: Warum hat die Kritik zugenommen? Was macht die SRG falsch?
Antwort: Es geht gar nicht so sehr darum, was die SRG macht, sondern dass das Umfeld für den Service public härter geworden ist. Zum einen stehen populistische Parteien in ganz Europa den öffentlich-rechtlichen Medien grundsätzlich kritisch gegenüber, weil deren ausgewogene Berichterstattung ihrer Sicht auf die Dinge widerspricht oder weil die Öffentlich-Rechtlichen den Auftrag haben, die Vielfalt in der Gesellschaft darzustellen.
Das ist ein Auszug aus einem Interview auf Watson.ch mit einem Herrn namens Manuel Puppis, seines Zeichens «ordentlicher Professor für Medienpolitik, Medienregulierung und Journalismus an der Universität Freiburg». Hätte ich nicht schon zu Coronazeiten jede Art von automatischer Hochachtung vor akademischen Titeln verloren, wäre es spätestens jetzt so weit.
Thema des Interviews ist eine Befragung zur sogenannten Halbierungsinitiative, über die wir voraussichtlich 2026 abstimmen werden. Sie will die SRG-Zwangsgebühren pro Haushalt auf CHF 200 reduzieren und für Unternehmen ganz abschaffen. Max Meier würde also weniger bezahlen und seine Schreinerei gar nichts mehr. Was Sinn macht, weil die Schreinerei überraschend selten SRF geschaut hat.
Stand heute würde gemäss der erwähnten Umfrage die Initiative abgelehnt. Manuel Puppis darf nun bei Watson, dem Medium der Wahl für alle nicht ganz so hellen Kerzen auf den Torten, seine Expertise abgeben, warum die Stimmungslage derzeit so aussieht. Und, siehe oben: Auf die Frage, was die SRG beziehungsweise ihre Kanäle falsch machen, fällt ihm beim besten Willen rein gar nichts. Vermutlich wollte er auch erst gar nicht darüber nachdenken. Stattdessen breitet er das Narrativ des um sich greifenden Populismus (womit er natürlich Rechtspopulismus meint) aus und behauptet, deren Angehörige hätten etwas gegen eine «ausgewogene Berichterstattung».
Ich gehe schwer davon aus, dass ich in den Augen des Medienwissenschaftlers einer dieser Rechtspopulisten bin. Und ich habe nichts gegen Ausgewogenheit in der medialen Berichterstattung, ganz im Gegenteil. Nur liefern die SRG-Kanäle das schon längst nicht mehr. Ihre Botschaften sind so reduziert wie einseitig: Böser Trump, böser Putin, böse AfD, böser Klimawandel, böse Biologie mit ihren nur zwei Geschlechtern, böse Leugner und Verharmloser bei allen möglichen Themen. Das geht am Morgen so los, zieht sich bis zum Abend und startet am nächsten Morgen von Neuem.
Was der Herr Professor hier tut, ist recht durchschaubar. Er behauptet einfach mal, die SRG sei ausgewogen und zudem bemüht, die «Vielfalt in der Gesellschaft darzustellen». Entsprechend ist jeder Kritiker ein Gegner dieser Qualitäten.
Nur: Wenn die Grundannahme falsch ist, scheitert jede Gleichung, die auf ihr aufbaut.
Aber gut, geschenkt, der Mann lebt ohnehin in einem Paralleluniversum. So beklagt er sich beispielsweise: «Wir leben in Zeiten, in denen Falschinformationen kursieren, in denen Akteure wie Russland gezielt versuchen, unsere demokratischen Prozesse zu stören.»
Selbst wenn dem so sein sollte im Fall von Russland: Es stört mich weit weniger, wenn eine fremde Macht versucht, mich aufgrund falscher Informationen zu beeinflussen, als wenn das meine eigene Regierung macht, die ich mit Steuern finanziere – und unsere eigenen Medien, an die wir Zwangsgebühren abliefern. Genau das aber geschieht unablässig. Wir bezahlen selbst dafür, uns vom Verbund aus Politik und Medien täglich anlügen zu lassen. Von der hochgeschriebenen Gefahr eines Virus über die angebliche Rettung durch eine Impfung bis zur drohenden Strommangellage aufgrund einer völlig verfehlten Energiepolitik, die auf frei erfundenen Horrorszenarien rund ums Klima basiert.
Ah ja, und unsere «demokratischen Prozesse stören», das haben wir auch ohne fremde Hilfe selbst ganz gut drauf. Stichwort Notrecht und Arbeitsverweigerung des Parlaments in der Coronazeit.
Wobei Manuel Puppis ja sogar weiss, wie man sich davor schützen kann, Opfer von Fake News zu werden. «Eine robuste Demokratie braucht gut informierte Bürgerinnen und Bürger», gibt er zu Protokoll. Das spricht aus seiner Sicht für die SRG und gegen eine Reduktion der Gebühren. Keine Sekunde denkt der Medienwissenschaftler darüber nach, ob wir wirklich «gut informiert» werden bei SRF und Co. Ich habe zwar keinen Professorentitel, aber dafür jahrelang eine tägliche Medienkolumne geschrieben und war deshalb verdammt dazu, unter anderem auch die SRG-Kanäle zu monitoren. Wäre ich etwas schwächer gebaut, wäre ich nun porentief hirngewaschen – aber garantiert nicht gut informiert.
Aber geben wir dem Mann doch noch das Schlusswort:
«Das eigentliche Ziel der Halbierungsinitiative ist die Schwächung unabhängiger Medien.»
Schlagworte kann er, der gute Professor. Unabhängige Medien? Wie gut die funktionieren, haben wir während Corona gesehen, als die grossen Verlage zum unappetitlichen Einheitsbrei wurden, wie ein Muni am Ring von der Politik und deren handverlesenen «Wissenschaftlern» herumgeführt. Wirklich unabhängig waren die zahllosen Kleinmedien und Privatblogger, die damals entstanden und zu jedem Zeitpunkt der Geschichte näher an der Wahrheit waren als die «Traditionsmedien». Diese mögen technisch gesehen noch so «unabhängig» sein, sie haben bestens bewiesen, dass sie auf dieses Geschenk pfeifen und sich lieber zu Vasallen der Mächtigen machen.
Apropos pfeifen: Das Interview bei Watson kann man in der Pfeife rauchen. Den Professor gleich auch.