Heute komme ich mal ganz egoistisch

Zunächst einmal besten Dank an alle, die diesen Blog bereits unterstützen. Und an alle anderen: Wäre das auch eine Möglichkeit?

Ich bitte nicht gern um Almosen. Aber Tatsache ist: Seit November 2022 füttert mich dieser Blog durch. Damals habe ich mich entschieden, vollends freischaffend zu sein. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die Gründe dafür muss ich nicht weiter ausführen. Im Wesentlichen geht es darum, weiter die Wahrheit aussprechen zu dürfen. Ohne Hemmungen.

Und ja, es gibt noch vieles auszusprechen. Wobei ich nicht weiss, was ich noch nicht gesagt habe. Die unsäglichen Massnahmen während der Coronazeit? Die absurde Impfkampagne? Die blanken Lügen, die uns staatlich verordnet verkauft wurden?

Das alles thematisiere ich hier gern, Dank Eurer Hilfe. Ja, es kostet Geld, das zu tun. Jede Minute, die ich dafür aufwende, fliesst nicht in die Zeit derer, die Euch anlügen.

In diesem Sinn: Danke an alle, die etwas zur Wahrheitssuche beitragen. Denn nur darum geht es: Um die Suche nach der Wahrheit. Ich habe nie behauptet, dass ich sie besitze. Mein einziges Versprechen lautet: Ich suche danach. In eurem Interesse.

Wer das unterstützen will: Hier geht es lang.

Meine Leser haben das Wort

Auf den Beitrag «Wir leben in einer Welt, in der…» habe ich mehrere Rückmeldungen erhalten mit Vorschlägen zur Ergänzung der Liste. Herzlichen Dank dafür. Ich publiziere hier gern eine Auswahl.

Zum Originalbeitrag geht es hier.

Und hier folgen einige Vorschläge meiner Leser – herzlichen Dank. Bitte beachten: Es handelt sich nicht um meine Ausführungen, und ich habe darauf verzichtet, zu zensieren.

Wir leben in einer Welt…

  • wo Regierungsmitglieder aufgrund ihrer Quote und nicht aufgrund ihrer Qualifikation gewählt werden
  • wo in Buchhaltungen Verluste «Aufwandüberschuss» genannt werden
  • wo Gesundheit bewiesen werden muss
  • in der vor knapp drei Jahren jedes Leben gezählt wurde und sich nun keiner darum kümmert, weshalb es eine nicht ganz unbeträchtliche Übersterblichkeit gibt
  • in der man die Verfassung mit Füssen getreten und nicht die Grösse hat, diesen Fehlverhalten einzugestehen oder gar sich dafür zu entschuldigen
  • in der Millionen an Steuergelder eingesetzt werden für einen Stoff, der bei Weitem nicht das bringt, was er versprochen hat und man es schon von Anfang an gesehen hat
  • in der man aus jedem Impfschaden ein «Long-Covid» macht und Menschen sogar noch auffordert, dies so zu deklarieren, weil sie dann Unterstützung bekommen, denn «Long-Covid» ist schliesslich mittlerweile eine anerkannte Erkrankung
  • in der man stets vor Spätfolgen der C-Erkrankung warnt, ohne dass es harte Daten und Zahlen gibt
  • in der man Impfopern keine Plattform gibt, diese sogar als Impfgegner bezeichnet
  • in der es einfach ist, mittels billigem Framing Menschen zu diskreditieren
  • in der keine Daten erhoben werden, nachdem man ein völlig neuartiges Medikament auf den Markt gebracht hat
  • in der man Waffen in ein Land liefert, dessen Präsident Millionen auf einem ausländischen Konto bunkert
  • in der man die schöne deutsche Sprache mit Gendern verhunzt
  • in der man pubertären LBQTG-Gören, die mit ihrem Leben noch nichts anzufangen wissen, eine grosse Plattform gibt
  • in der man geschlechtsumwandelnde OP‘s schon Kindern anbietet
  • in der wir alle neue Kühlschränke kaufen sollen, um Energie zu sparen, aber dann auf Elektroautos umsteigen.
  • in der Volk und Geschlecht nur soziale Konstrukte sind, Beschimpfungen wie Rechtsextremist oder Sexist aber nicht.
  • in der es mehr Universitätslehrstühle für Gender Studies gibt als für Kinderheilkunde
  • in der der Staat – Verbrauchssteuern mit einberechnet –  mehr als die Hälfte des erwirtschafteten Einkommens einkassiert und umverteilt
  • in der die Geldmenge und der Zinssatz zentralbanklich gesteuert werden und man immer noch auf den Kapitalismus schimpft
  • in der die Polizei sich von Allochthonen ohne Gegenwehr beschimpfen und bespucken lassen muss, aber gegenüber Autochthonen fröhlich den Knüppel schwingen darf
  • in der kein einziger Minister nach Ausbildung und Berufserfahrung für sein Amt qualifiziert zu sein scheint.
  • in der eine einzelne Person, welche am HB St.Gallen für etwa 5 Sekunden die Maske auszieht, von der Transportpolizei für 24 Stunden weggewiesen und angezeigt wird und schliesslich eine Busse von 450 Fr. von der Staatsanwaltschaft erhält. Zudem drohen die Transportpolizisten dem Maskenverweigerer mit Handschellen. Gleichzeitig steht nebenan eine Gruppe von ca. 7 Personen ohne Maske sich gegenseitig auf den Füssen herum, aber die Transportpolizei nimmt diese in Schutz weil sie am Rauchen sind, „diese dürfen die Masken abziehen, dass ist kein Problem. Am Ostersonntag 2021 erhalten 650 Personen, welche die Stadt St.Gallen besuchen, eine 30- tägige Wegweisung für das ganze Stadtgebiet, mit dem Hinweis, es sei ja im Radio davor gewarnt worden, mann hätte damit rechnen müssen. Es hören ja offenbar alle Menschen rund um die Uhr Radio.

Wir leben in einer Welt, in der…

Zart besaitete Gemüter sollten nicht weiterlesen. Hier folgt eine kleine Bestandesaufnahme des Ist-Zustandes. Nüchtern, nicht bewertet. Einfach nur eine Liste. Die allerdings Angst machen kann.

Wir leben in einer Welt, in der…

  • … man Kindern einredet, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und sie mit jeder Garantie bisher falsch angesprochen wurden und entsprechende Hormone die Lösung sind.
  • … man mehr Schlagzeilen erhält als ein Nobelpreisträger, wenn man Tomatensuppe auf ein Kunstwerk schüttet.
  • … man es sich verbittet, Menschen nach Äusserlichkeiten oder gar nach ihrer Rasse zu beurteilen, aber gleichzeitig Regeln aufstellt, welche Rasse welche Frisur tragen darf.
  • … man jede Kritik gegen etwas, das man selbst gut findet, mit einem Vergleich zum Faschismus beantwortet.
  • … Zeitungen bereitwillig die These verbreiten, dass eine Impfung die Spermienqualität fördert, aber gleichzeitig offensichtliche Schäden derselben Impfung verschweigen.
  • … ein schwedischer Teenager mit psychischen Problemen und einer dominanten und überehrgeizigen Mutter die politische Agenda der halben Welt definiert.
  • … Kulturveranstalter ihr Programm nicht nach dem Können der Darsteller gestalten, sondern nach deren politischen Gesinnung.

    Mehr davon? Das gibt es. Dank Ihrer Unterstützung.
  • … Regierungsmitglieder straflos und frei von Konsequenzen tun und sagen können, was sie wollen, weil sie dafür gesorgt haben, dass ihnen die Medien hörig sind.
  • … Richter ein Auge zudrücken bei Leuten, die Strassen blockieren und Rettungsdienste an ihrer Arbeit hindern, weil sie das ja für das Richtige tun.
  • … Wissenschaftler nicht nach ihrer Qualifikation bewertet werden, sondern nach ihrer Bereitschaft, die gerade gewünschte Botschaft zu vertreten.
  • … ein Schokoladenhersteller boykottiert werden darf aufgrund seiner religiösen Haltung, aber jeder Vergleich zu identischen Vorgängen vor 90 Jahren verboten ist.
  • … ein wirres Buch, das kein Mensch versteht und das nicht mal besonders gut geschrieben ist, reihenweise Preise abräumt, weil es eine Hymne an LGBTQ+ ist.
  • … die persönliche Angst eines Verlegers vor einem Virus dafür sorgt, dass eine Politik der Spaltung, Ausgrenzung und Diskriminierung mehrheitsfähig wird.
  • … es als Akt der Solidarität gilt, alte Menschen einsam und allein sterben zu lassen.
  • … es als Akt der Solidarität gilt, sich das Vorrecht zu spritzen, in die Ferien zu fliegen.
  • … es als Akt der Solidarität gilt, seinen Nachbarn bei der Polizei zu denunzieren.
  • … es Sinn macht, am «Black Friday» dicht gedrängt einzukaufen, man aber als Gefahr gilt, wenn man sich ohne entsprechenden «Ausweis» allein in einem Museum oder einer Bibliothek aufhält.

Und ja: Diese Liste könnte endlos weitergeführt werden. Anregungen? Gerne per E-Mail.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

Die Top 3 aus meinem Blog. Zum Nachlesen. Zum Nachdenken.

Seit Herbst 2020 betreibe ich diesen Blog. Welche Beiträge wurden am meisten gelesen? Zwei der Top-3-Texte stammen aus grauer Vorzeit. Wer zum Jahresende eintauchen will in die Vergangenheit: Bitte sehr.

Mit Abstand am meisten Klicks, aber auch direktes Echo gefunden hat meine persönliche Reportage über einen Besuch am St.Galler Jahrmarkt mit meinen Kindern. War das weinerlich? Vielleicht. Denn, so befanden einige Leute, die mir danach geschrieben haben: Ich hätte mich ja auch einfach impfen oder testen lassen können, um den Tag mit meinen Töchtern geniessen zu können. Klar, das wäre möglich gewesen. Nur dreht sich der ganze Beitrag exakt um den Punkt, warum ich das eben nicht getan habe.

Ihr Beitrag, damit auch Ende 2023 wieder ein «Best of» erscheint: Vielen Dank.

Dass der folgende Text so grossen Anklang gefunden hat, erstaunt mich nach Durchsicht der Statistik selbst. Es ging ja nur um Beton – und das klingt mässig spannend. Aber offensichtlich hat die Symbolik dahinter doch mehr ausgelöst.

Und schliesslich ein Beitrag, der sich um die Festlaune einiger Leute nach dem Ende der Coronamassnahmen dreht. War Ihnen damals auch zum Feiern zumute? Mir nicht direkt. Und ich versuche, das zu begründen.

Danke für Ihre Treue als Leser. Und danke, dass Sie mir mit Ihrem freiwilligen Beitrag diese Arbeit ermöglichen.

Der kürzeste Roman der Geschichte

Man braucht nicht immer 800 Seiten, um eine Story zu erzählen. Manchmal reichen wenige Sätze. Zweieinhalb Jahre Corona in 99 Wörtern.

Er hatte oft darüber nachgedacht, aufzugeben. Dem Unvermeidlichen seinen Lauf zu lassen. Den Widerstand an den Nagel zu hängen. Es schien aussichtslos, verpuffte Energie. Windmühlen und ein lahmes Pferd und eine stumpfe Lanze.

Aber dann fiel ihm stets ein, wie alte Leute alleine gestorben waren. Zurückgelassen in einem kahlen, nüchternen, kalten Zimmer. Ihre Welt war ein Fenster. Und gelegentlich konnten sie aus diesem einen Blick erhaschen auf die Menschen, die sie liebten. Ein kurzes Winken, dann die Rückkehr in die Einsamkeit. Sterben, ohne noch einmal die Hand derer zu halten, die sie im Leben begleitet hatten.

Grund genug, weiterzumachen.

sm

Die Köchin und das Karma

Die amerikanische Autorin Julie Powell ist im Alter von 49 Jahren an einem Herzstillstand verstorben. Ein Jahr zuvor schrieb sie auf Twitter, Covid-19 töte «die richtigen Leute». Das ist nicht der Moment für Schadenfreude. Das ist der Moment, verdammt nachdenklich zu werden.

Ich weiss nicht, wie man gerade drauf sein muss, um so etwas zu schreiben. Auch wenn ich selbst ein Freund deutlicher Worte bin. Ich kann mich aber nicht erinnern, jemandem den Tod gewünscht zu haben. Die Koch-Autorin Julie Powell tat genau das vor einem Jahr:

Auf gut Deutsch: Julie Powell war der Ansicht, Covid-19 bringe einige der richtigen Leute um. Impf- und Maskengegner würden derzeit gerade in Heerscharen sterben. Sie schien sich darüber zu freuen.

Man muss das sinken lassen. Danach kann man Fragen stellen. Zunächst lag die Dame natürlich ganz sachlich falsch mit der Behauptung, das Virus raffe unzählige Ungeimpfte hin oder Leute, die keine Maske tragen. Und natürlich drängt sich die Frage auf, woher diese Verbitterung kam. Powells Mann war selbst zwei Mal an Corona erkrankt, sie einmal. Die Frau scheint in Angst gelebt zu haben, und sie hat diese nicht Richtung Virus kanalisiert, sondern gegenüber den Leuten, die nicht aufhören wollten, zu leben. Das beobachtet man oft.

Nun ist Julie Powell gestorben. Ihr Herz blieb stehen. Mit 49. Es ist nichts über Vorerkrankungen bekannt, sie schien zu keiner Risikogruppe zu gehören. Im Verlauf des Oktobers beschrieb sie, dass sie sich krank fühlte. Am 8. Oktober konstatierte sie auf Twitter, dass es ihr schlecht gehe, «ich denke, es ist einfach die Grippe». In ihrem letzten Tweet beschrieb sie, dass sie mit einer dunklen Verfärbung auf ihrer Zunge aufgewacht sei.

Was ist passiert mit Julie Powell? Wikipedia, diese längst nicht mehr unabhängige, ideologisch ungefärbte Enzyklopädie, schreibt:

Julie Powell lebte zuletzt mit ihrem Mann Eric im New Yorker Stadtbezirk Queens. Sie starb im Oktober 2022 im Alter von 49 Jahren an Herzstillstand. Sie hatte Corona und tweetete am Tag vor ihrem Tod über eine unübliche Verfärbung ihrer Zunge.

Womit Wikipedia subtil deponiert hat, dass die Frau Opfer des Virus wurde. Ohne es zu sagen. Geschickt.

Danke für Ihre Unterstützung meiner Arbeit.

Ich bin gerne sarkastisch, aber selten schadenfreudig. Ich wünsche nicht mal meinem ärgsten Feind eine Krankheit oder den Tod. Ich prügle mich nur mit Worten. Egal, wie unmenschlich Julie Powells Tweet vom Oktober 2021 war: Sie sollte noch leben. Auf Twitter sehen das viele anders. Sie sprechen vom Karma, das zugeschlagen hat. Damit macht man nichts anderes als die Verstorbene selbst vor einem Jahr. Darauf will ich mich nicht einlassen.

Aber posthum muss man feststellen, dass da etwas grandios schief lief. Wurde die Autorin wirklich Opfer von Covid-19, im besten Alter, gesund und mehrfach geimpft, dann kann man festhalten: Sie hat wie so viele andere an ein Märchen geglaubt. Daran, sicher zu sein – im Unterschied zu den Skeptikern, die laut ihr gerade in Massen starben. Sie lag falsch, weil sie sich auf das verliess, was von Behörden gesagt und von Medien weitergetragen und verstärkt wurde. Sie hat nicht nur vollzogen, was ihr «empfohlen» wurde, sie machte sich selbst zur Botschafterin.

Natürlich gibt es die andere These. Die, dass sie letztlich Opfer der Impfung wurde. Meine Leser wissen, dass ich Nebenwirkungen und Schäden durch die Impfung schon mehrfach thematisiert habe. Vor allem den Umstand, dass diese Folgen totgeschwiegen werden. Was ich aber nie getan habe und nie tun werde: Plötzliche, unerklärliche Todesfälle einfach mal der Impfung zuschreiben. Das ist genauso unwissenschaftlich und unberechtigt wie der Versuch, möglichst viele Tote auf Covid-19 zurückzuführen.

Aber vielleicht ist diese Zurückhaltung eine Spur zu edel. Wikipedia erlaubt es sich ja auch, einfach mal Corona als mögliche oder gar wahrscheinliche Todesursache ins Spiel zu bringen bei seinen Lesern. Und die Umstände, der plötzliche Herztod, sprechen rein gar nicht für das Virus. Während im Zusammenhang mit der Impfung viele Herzprobleme aufgetaucht sind.

Ein tödlicher Effekt der Impfung ist ein Tabu. Es wird daher nie eine Obduktion von offizieller Seite gegeben, die das bestätigt. Im Zweifelsfall, das wissen wir seit zweieinhalb Jahren, war es sowieso immer Corona. Nur so lässt sich der Abbau von Grundrechten als Schutz vor einem Virus und die Werbung für die Impfung aufrecht erhalten.

Der Tod trifft nie «die Richtigen». Er ist keine Jury, kein Richter. Er ist lediglich der natürliche Abschluss des Lebens. Auch die 49-jährige Julie Powell war nicht «die Richtige», um zu sterben, selbst wenn sie selbst ein bisschen Gott gespielt und das anderen gewünscht hat. Aber ihr Tod führt vor Augen, was in dieser Zeit mit Menschen gemacht wurde. Die offizielle Politik und Kommunikation hat sie Panik versetzt, aufgehetzt, dazu getrieben, ihre schlechtesten Seiten zu zeigen.

Grundlos.

Unabhängiger Journalismus. Ohne Staatshilfe. Und ohne Einflüsterer.

«B wie Bund»: Ein Müsterchen aus dem Corona-ABC

26 kurze realsatirische Satiren von A bis Z: Das bietet mein letztes Buch «Das Corona-ABC». Hier für meine Blog-Leser ein Kapitel daraus als Vorgeschmack.

Bestellen kann man das Buch direkt im Shop des Verlags Qultur.

B wie Bund

Der «Bund»: Das ist ein ziemlich abstrakter Begriff. 26 Kantone haben sich darauf geeinigt, sich zu einem Bund zusammenzuschliessen, um übergeordnete Fragen zu klären. Dazu braucht es natürlich eine Bundesverwaltung, die das Ganze brav administriert und einen Bundesrat, der entscheidet. Wobei «natürlich» ein grosses Wort ist, inzwischen wünschen sich viele in diesem Land, es wäre nie so weit gekommen.

Dieser Bund hat also eine gewisse Macht. Entsprechend wäre es auch wünschenswert, er wäre kompetent genug, um diese Macht sinnvoll einzusetzen. Dem einen oder anderen dürften diesbezüglich nach zwei Coronajahren einige Zweifel gekommen sein. Dafür gibt es viele gute Beispiele. Der Einfachheit halber und um den Rahmen dieses kleinen Machwerks hier nicht zu sprengen, picke ich eines davon heraus. Es geht um die Intensivstationen. Denn die waren, jedenfalls nach dem verbreiteten Narrativ, stets in höchster Gefahr. Und zwar aufgrund der Ungeimpften, die es offenbar auf Teufel komm raus darauf angelegt hatten, an einem Beatmungsgerät zu enden, rund um die Uhr betreut von einer Vielzahl von Fachkräften. Was natürlich, ich erzähle es brav unseren Bundesbehörden nach, das Gesundheitssystem an den Anschlag bringt.

Wer eine solche Geschichte auftischt, kann sie im Idealfall belegen. Glücklicherweise – für den Bund – war es während Corona allerdings nie nötig, etwas zu beweisen. Es reichte, etwas zu behaupten, und die fetten Schlagzeilen der Zeitungen machten dann daraus so etwas wie eine gefühlte Wahrheit, jedenfalls für eine Mehrheit ihrer Leser.

Wir konnten es immer wieder lesen: Die Impfung ist die Antwort auf alle Fragen und die Lösung des Problems, und der beste Beweis dafür war, dass nach dem Start der Impfkampagne fast nur Ungeimpfte auf den Intensivstationen landeten. Das wäre in der Tat ein ziemlich klarer Hinweis auf die Wirksamkeit der Impfung und die Doofheit aller Leute, die sich der Spritze verweigern. Wenn es wirklich so wäre. Und wenn es sich wirklich hätte nachweisen lassen.

Das Problem war stets, dass der Bund seine Behauptung selbst nicht belegen konnte. Gut, das lässt sich auch leicht erklären. Wenn sich eine staatliche Verwaltung im fortgeschrittenen 21. Jahrhunderts noch auf die Technologie des Faxgeräts verlässt (siehe auch X) und es nicht schafft, die Zahlen aus den Spitälern in 26 Kantonen zu bündeln und zu einem klaren Bild zu verdichten, dann wird es eben schwierig. Wir können nur beten, dass es eines Tages die Möglichkeit gibt, Informationen durch die Luft zu teilen und in übersichtlichen Zusammenfassungen zu präsentieren. Falls es jemals so sein sollte, schlage ich vor, dass wir dafür Begriffe verwenden wie «Internet», «E-Mail», «Cloud», «Excel» und so weiter. Das ist derzeit natürlich pure Fiktion, und ich habe diese Worte gerade frei erfunden. Vielleicht gibt es das alles, wenn meine Enkel erwachsen sind.

Weil wir derzeit technologisch so limitiert sind, stand beispielsweise Ende 2021 nur ein Bericht von Mitte Oktober 2021 zur Verfügung, der einen Blick auf die Lage in den Intensivstationen erlaubte. Wobei natürlich nicht auf alle, in einem riesigen Land wie der Schweiz wäre das zu viel verlangt. Viele Spitäler gaben gegenüber dem Bundesamt für Gesundheit «Meldeverzögerungen» als Grund an. Auch das ist verständlich, Rauchzeichen sind ziemlich unzuverlässig, wenn starker Wind weht.

In einem Spital gibt es Eintritte und Austritte. Jemand belegt ein Bett, irgendwann gibt er es frei, ein anderer legt sich rein. Es ist sicher ein Ding der Unmöglichkeit, da die Übersicht zu behalten, das verstehe ich. Es ist nur schon ein Wunder, dass nicht zeitweise zwei Leute im selben Bett liegen. Wie soll man da bitte den Bund darüber informieren, was gerade geht? Klar, gäbe es Computer, die sich über eine grössere Entfernung miteinander verbinden lassen, so dass Daten hin- und hergeschickt werden können, liesse es sich machen, aber wie gesagt, das ist reine Zukunftsmusik. Gerade in einem Land wie der Schweiz, das auf Block und Bleistift setzt.

Wenn man keine Ahnung haben kann, was gerade geht, dann weiss man natürlich auch nicht im Detail, wer gerade in der Intensivstation liegt. Geimpft? Ungeimpft? Meine Güte, Verzeihung, keine Ahnung. Ganz zu schweigen davon, dass man diese Information an eine zentrale Stelle weiterleiten kann! In der Schweiz gibt es über 270 Spitalbetriebe, 21 davon waren auf freiwilliger Basis bereit, sich einem System anzuschliessen, das den Bundesverwaltung aktuelle Informationen liefert. Der Rest befand wohl, man habe genug damit zu tun, auf dem Zählrahmen die Ein- und Austritte zu kontrollieren.

Klar, es gibt ein paar Fragezeichen. In anderen Bereichen war die Schweiz ja erstaunlich fix in Bezug auf neue Technologien. Zum Beispiel beim Covid-Zertifikat. Das wurde in kürzester Zeit eingeführt, zehntausende von Betrieben wurden daran angeschlossen und so ein funktionierender Kontrollmechanismus übers ganze Land hinweg installiert. Aber eben, das ist eine Kleinigkeit verglichen mit der Jahrhundertaufgabe, von einem Spital zu verlangen, dass es periodisch dem Bund durchgibt, wer gerade auf den sieben Intensivbetten liegt.

Deshalb wussten wir im Grunde nie irgendetwas Handfestes über den Impfstatus der Leute in den Spitälern. Es gab sogar solche «mit unbekanntem Status», vermutlich Personen, die sich gerade nicht daran erinnern konnten, ob sie eine Spritze erhalten haben oder nicht. Was tut man in Zeiten der Unsicherheit? Man geht einfach mal von dem aus, was man gern hätte. Sprich: Natürlich liegen vor allem Ungeimpfte in den Krankenhäusern. Muss ja so sein, denn den Geimpften hatte man ja einen leichteren Krankheitsverlauf versprochen.

Persönlich fände ich es übrigens nicht weiter tragisch, wenn die Schweiz im Fax-Zeitalter stecken bleiben würde. Dann wäre es den Steuerbehörden nicht so schnell möglich, herauszufinden, dass ich dem Staat noch Geld schulde. Erstaunlicherweise ist er dazu aber sehr fix in der Lage. Geht es um Einnahmen, dann glühen die Datenleitungen zwischen Bund und Kantonen. Es nützt nicht mal was, wenn man in aller Eile umzieht, um sich den Steuerschergen zu entziehen: Die EDV ist auf Zack. Ausser eben im Gesundheitswesen. Dort müsste man hochkomplexe Prozesse durchführen, beispielsweise beim Eintritt ins Spital eine Box bei «Geimpft» oder «Ungeimpft» anklicken und dafür sorgen, dass die Information zur nächsten Instanz gelangt.

Und das, eben, ist aktuell technisch einfach nicht machbar. Verzeihung.

Euer Abo: Ein Wort in eigener Sache

Ein Jahr nach Eröffnung dieses Blogs freue ich mich, dass das administrative Drumherum ziemlich schlank verläuft. Aber ich gehe natürlich auch auf jeden Einzelfall ein, der es anders sieht. Daher: Ein bisschen Transparenz rund um «Wo geht die Knete hin?» Und warum erneuert sich mein Abo automatisch?

Kreative haben meist ein bestimmtes Problem: Sie wollen kreativ sein, aber mit der Administration rund ums Ganze nichts zu tun haben. Denn die klaut ihnen nur wertvolle Zeit, die sie besser in die Kreation von Inhalten stecken.

Nun ist mein Blog kein Grossunternehmen, weist aber doch mehrere hundert (400irgendwas) Abonnenten auf. Ich wäre völlig überfordert, wenn ich den Zahlungsverkehr, Entgegennahme von Kündigungen, Wechsel der Abo-Art, Erneuerung des Abos usw. selbst übernehmen müsste. Dafür gibt es gottlob Anbieter, die das für Leute wie mich übernehmen.

In meinem Fall ist das der Bezahlanbieter Steady. Dem zahlt ihr zunächst das Geld, das ich danach – nach diversen Abzügen für die erbrachte Leistung – jeden Monat erhalte. Spoiler: Es kostet einiges, wenn man das nicht selbst macht. Aber das ist in Ordnung. Zumal Steady eben ein Anbieter ist, der bisher nicht durch eifrige «Cancel Culture» aufgefallen ist und auch Leute wie mich machen lässt. Das ist für mich das wichtigste Kriterium.

Nachtrag vom 16.9.22: Inzwischen wurde mir zur Kenntnis gebracht, dass der schon mehrfach von Banken und Bezahlanbietern grundlos gecancelte Boris Reitschuster, den ich sehr schätze, auch bei Steady unter die Räder kam, was mir nicht bekannt war. Ich beende daher die Zusammenarbeit mit Steady, mehr dazu gibt es hier. Der Rest des Textes hat Gültigkeit.

Vor allem aber, und deshalb bin ich bei dieser Firma: Das Ganze verläuft sehr transparent.

Ich kenne es ja selbst: Ich schliesse irgendwo ein Jahresabo ab, das sich danach automatisch erneuert, ich verliere die Übersicht, wann es soweit sein wird und zack – schon wieder bezahle ich für ein Jahr, obwohl ich vielleicht gar nicht mehr wollte. Das ärgert mich, aber ein Jahr später passiert mir garantiert dasselbe wieder.

Steady macht es anders, obwohl es ja auch Interesse daran hat, dass möglichst viele Leute bei der Stange bleiben (sonst verdienen sie weniger). Mein Bezahlanbieter informiert euch aktiv, ohne euer Zutun, darüber, dass die Erneuerung des Abos bald ansteht und räumt euch damit genug Zeit ein, um zu beschliessen, ob ihr das wollt oder nicht. Mit einem Klick könnt ihr danach das Abo beenden. Das haben übrigens in den letzten Tagen einige Leute getan, die gleich beim Startschuss dabei waren. Es funktioniert also. Und so sehr es mich natürlich ärgert, wenn Leute weiterziehen, weil ich gern möglichst viele Leser habe: Ich habe das grösste Verständnis dafür.

Eine Abonnentin hat sich nun bei mir beklagt, dass sie nie vor hatte, ein Abo abzuschliessen, dass sich automatisch verlängert, wenn man nichts tut. Sie füllt sich abgezockt und hat mit der Polizei gedroht. Erfahrungsgemäss kann die Polizei wenig machen, wenn jemand ein Abo abschliesst, ohne die Bedingungen zu lesen.

Dazu ist einfach zu sagen, dass eine automatische Verlängerung der Normalfall und alles andere der absolute Ausnahmefall ist. Die allermeisten Online-Abos haben eine automatische Verlängerung eingebaut, wenn man den Vertrag nicht selbst kündigt, und viele Leute sind auch froh, dass ihnen damit die Arbeit abgenommen wird und sie sich um nichts kümmern müssen.

Aber eben: Mir liegt es fern, Leute gegen ihren Willen abzuzocken, und daher bin ich froh, dass Steady so transparent arbeitet. Bevor sich das Abo automatisch erneuert, werden alle Abonnenten aktiv informiert, dass sie dem nun ein Ende setzen können. Was mir die Sicherheit gibt, dass nur die Leute dabei bleiben, die auch wirklich wollen. Alles andere wäre nicht in meinem Sinn. Ich will ja nicht ernsthaft Geld einziehen von Abonnenten, die ausgetrickst wurden.

Dass ich nun doch eine Zuschrift erhalten habe einer Leserin, die sich über den Tisch gezogen fühlt durch die automatische Erneuerung (nachdem sie die aktive Information von Steady offenbar ignoriert hat), ist bedauerlich, aber statistisch gesehen der Beweis, dass das System funktioniert. Eine Person von über 400 ist ein klarer Beleg dafür.

Ihr habt beim Abschluss des Abos Zugangsdaten von Steady erhalten und könnt euer Abo darüber laufend administrieren. Jederzeit ist das Abo je nach Abschluss monatlich oder jährlich kündbar. Natürlich freut es mich, wenn ihr dabei bleibt, aber noch viel wichtiger ist, dass ihr jederzeit wisst: Mit einem Klick werden die Zahlungen per Ende der Laufzeit eingestellt.

Und hier ein kleiner Tipp, der für mich nicht günstig ist, aber den ihr haben sollt: Wenn ihr ein Online-Abo abschliesst über ein Jahr, dann kündigt es doch einfach eine Sekunde später vorsichtshalber auf Ende der Laufzeit. Ihr könnt dann ein Jahr lang die Inhalte geniessen und dann erst wieder in Ruhe entscheiden, ob ihr weitermachen wollt – ohne automatische Erneuerung. Das machen bei mir übrigens diverse Leute so, und ich finde das sehr klug. Das verhindert, dass man es im Lauf des Jahres vergisst und dann sauer auf sich selbst ist, wenn sich die Laufzeit automatisch erneuert. Aber wie gesagt: Steady erinnert euch sogar aktiv daran, dass es bald so weit ist.

Und hier noch zur Geldfrage: Mein Bezahlanbieter nimmt einen fixen Prozentsatz von jedem Abo und verrechnet die Unkosten der Transaktion (Gebühren der Kreditkarte usw.) an mich weiter. Wer jeden Monat beispielsweise CHF 4 an mich zahlt, darf und muss davon ausgehen, dass dieses Geld nicht 1:1 an mich geht. Das ist aber völlig in Ordnung, denn dafür habe ich auch weniger administrativen Aufwand. Und ums Geld ging es mir ja bekanntlich sowieso noch nie.

Wer das alles umgehen will, kann die Abokosten auch direkt an mich entrichten, dafür einfach Nachricht an stefan@millius.ch, dann kriegt ihr alle nötigen Angaben. Aber unterm Strich finde ich: Eine Firma, die für mich Arbeit verrichtet, soll auch dafür bezahlt werden. Vor allem, wenn sie wie Steady sauber und transparent arbeitet und euch nicht einfach ohne Nachricht in einem Abo sitzen lässt.

Aber ich bin, wie man auch in diesem Blog nachlesen kann, ein Fan von Eigenverantwortung. Was eben auch mit sich bringt, dass man weiss, wofür man Geld bezahlt und zu welchen Bedingungen. Und mit dem symbolischen Preis von weniger als CHF 50 pro Jahr für ein Jahresabo erlaube ich mir auch ein gutes Gewissen für das Erbrachte…

Die Monarchie als Ablenkungsmanöver

Queen Elisabeth II. ist tot. Das konnte man gar nicht nicht mitkriegen. Unsere Zeitungen sind voll davon. Offenbar interessieren uns die Monarchie und deren Besetzung mehr als unsere eigene wegschwimmende Demokratie.

Ich habe die Faszination, die von den Royals ausgeht, nie richtig verstanden. Aber wenn selbst bei uns ganze Postillen für mittelalterliche Leserinnen mit Stoff aus Windsor gefüllt werden, muss das offenbar funktionieren. Mir leuchtet es ein, dass es touristisch betrachtet spannender ist, eine Königin zu haben als einen Minister- oder Bundespräsidenten. Das ganze Drumherum, das zudem viele Jahrhunderte zurückreicht, hat natürlich seinen Charme. Aber aus der banalen Sicht eines Bürgers und Demokraten kann ich mit der Vorstellung einer vererbten Machtposition nichts anfangen. Zugegebenermassen vor allem nicht im Fall zu Grossbritannien, zu dem ich dank meines engen Bezugs zu Irland sowieso ein gespaltenes Verhältnis haben.

Was mich aber mehr beunruhigt als die blosse Existenz von Monarchien, ist die Tatsache, dass der Tod einer 96-jährigen Frau viele Schweizer mehr zu beschäftigen scheint als die Situation im eigenen Land. Da werden in den Kommentarspalten lange Würdigungen der Leistungen einer Königin publiziert, während vor der eigenen Haustür Grund- und Freiheitsrechte auf dem Spiel stehen, ohne dass es eine Mehrheit stört.

Vielleicht hängen diese Dinge ja auch zusammen. Der Wunsch nach einer starken Figur, die Akzeptanz einer unantastbaren Rolle ganz oben, das unbewusste Verlangen, gehorchen zu dürfen: Das alles sind Voraussetzungen dafür, dass eine Monarchie funktioniert, es es scheint bei vielen Leuten tief verankert.

Monarchien sind also noch lange nicht vorbei. Die Demokratie hat da einen wesentlich härteren Stand.

Wegen zu geschlossen

Ich hoffe, meine Abonnenten nehmen es mir nicht krumm, aber ich habe mich entschieden, meine Ferien mit den Kindern für einmal ernst zu nehmen. Sprich: Diese Woche kommt hier nicht viel. Ich bin Mitte August zurück. Aber es gibt ja sehr viel nachzulesen auf dieser Seite. Deal?

Wollen Sie nicht endlich Ihre Geschichte erzählen?

Sie möchten schreiben. Eine Kurzgeschichte, einen Roman, ein Hörspiel, ein Theaterstück oder ein Drehbuch. Die Form spielt zunächst keine Rolle. Denn die Entwicklung einer Geschichte folgt stets denselben Grundsätzen. Und dabei helfe ich Ihnen gerne. Erfahren Sie hier mehr zum geplanten Tagesseminar.

Die richtige Ausgangslage, die passenden Protagonisten, ihre Entwicklung, der Wendepunkt zur richtigen Zeit: Das ist es, was für anhaltende Spannung beim Leser, Hörer oder Zuschauer sorgt. Doch was für uns spielerisch einfach wirkt, will gelernt sein.

In diesem Tagesseminar kommen Sie dem (scheinbaren) Geheimnis auf der Spur. In einer Gruppe von maximal 12 Personen entwickeln wir gemeinsam eine Story, inspirieren uns gegenseitig bei der Weiterentwicklung von individuellen Ideen und entdecken die Faszination des Erzählens und wie wir sie zum Funktionieren bringen.

Am Ende dieses Tages soll die Einsicht stehen:

«Ich kann aus meinen Ideen Geschichten formen, die ein Publikum erreichen. Ich bin nicht mehr nur Konsument, sondern Produzent. Was in meinem Kopf beginnt, nimmt Gestalt an. Ich schreibe nicht mehr für die Schublade, sondern habe den Mut, mich einem Publikum zu stellen.»

Wir wälzen an diesem Tag keine theoretischen Abhandlungen, sondern lassen in einem praxisnahen und kreativen Prozess Geschichten entstehen, die auch in Hollywood Bestand hätten. Am Ende des Seminars kennt jeder die (einfachen) Regeln einer guten Story und kann sie anwenden. Umgehend.

Details rund um die Durchführung des Seminars sende ich Ihnen gerne, wenn Sie mir Ihr (völlig unverbindliches) Interesse per E-Mail an stefan@millius.ch mitteilen.

Der Seminarleiter Stefan Millius ist seit rund 30 Jahren als Journalist, Buch- und Drehbuchautor tätig.

Hallo Twitter! Sollen wir es noch einmal miteinander versuchen?

Ich bin zugegebenermassen ein Social-Media-Junkie und rede mir das schön mit der Tatsache, dass ich das auch beruflich nutze. Nie so richtig warm wurde ich allerdings mit Twitter. Derzeit bin ich mit Versuch Nummer 4 oder 5 unterwegs.

Müsste man Twitter geografisch verorten, wäre es vermutlich ein hippes Zürcher Quartier mit einer hohen Quote von Biolädeli, Shops für Veganer und Treffpunkten für LGBTQ-Austauschgruppen. Twitter ist die Kathedrale des Hohepriesters des Gutmenschentums (was nichts mit guten Menschen zu tun hat, aber das wissen meine Leser), und wer es dort mit gesundem Menschenverstand oder gar mit konservativen oder liberalen Denkansätzen versucht, erlebt, wie es ist, wenn man von einer Strassenwalze überrollt wird. Twitter ist das Medium, das technisch gesehen jedem Menschen das Recht einräumt, seine Meinung zu sagen, in der Praxis ist das nicht ratsam.

Twitter ist, in einem Wort, furchtbar. Es ist die digitalisierte Intoleranz. Es ist der Hort der Cancel Culture. Es ist der Hauptsitz einer moralisierenden Bürgerpolizei.

Das war nicht immer so. Am Anfang fand ich es recht spassig und war einigermassen fleissig und brachte es auf eine anständige Zahl von Followern. Irgendwann fehlte mir die Zeit, Statusmeldungen abzusondern, bei meiner Rückkehr sah ich, wie aus dem Marktplatz der freien Meinung ein Tummelfeld selbstgerechter Weltverbesserer geworden war, die keine Lust auf den Austausch von Argumenten hatten, sondern Leute, die etwas anders sehen, in Grund und Boden schrieben. Ich habe danach zwei oder drei Anläufe zu einem Comeback gemacht, jedes Mal von kurzer Natur.

Nun bin ich wieder zurück, und wer mir folgen möchte, bitte sehr: https://twitter.com/stefan_millius.

Dieses Mal ist es aber keine gedankenlose Rückkehr. Ich habe mich entschieden, Twitter konsequent für das zu nützen, was mir etwas bringt und den ganzen hässlichen Rest zu ignorieren. So werde ich mich nicht mehr auf Wortgefechte mit Unbewaffneten einlassen. Wie oft habe ich mir Mühe gegeben, inhaltlich auf mein Gegenüber einzugehen, nur um dann mit den üblichen Totschlagbegriffen eingedeckt zu werden. Es reicht auf Twitter, wenn man bei einer Klimadebatte eine schüchterne Frage stellt, um als Klimaleugner und von dort relativ schnell als Nazi bezeichnet zu werden. Nicht, dass es mich besonders stören würde, wenn geistig Minderbemittelte sich nicht anders zu helfen wissen, als mit völlig untauglichen Kategorien um sich zu werfen. Nur ist mir meine Zeit zu schade.

In diesem Sinn werfe ich nun der überkandidelten Meute gerne hin und wieder einen Knochen vor und ziehe mich dann wieder zurück und schaue aus Distanz zu, wie sie sich darüber hermachen und sich zwischen den einzelnen Bissen gegenseitig versichern, wie richtig sie doch liegen. Irgendwie spassig.

Ach ja, eines noch. Ich habe hier kürzlich einen Videoclip hochgeladen und prompt eine Reaktion einer Leserin erhalten, die sich beklagte, weil sie lieber liest. Was ich grundsätzlich in Zeiten des Videowahns übrigens auch sehr schön finde. Aber hin und wieder mag ich ganz einfach auch andere Medien nutzen. Daher füge ich das neue Video hier einfach an. So hat es etwas für jeden. Und, weils zum Thema, passt auch für jede. Und jedes.

Drama, baby, drama! – Wieso Extreme nicht zum Ziel führen

Die Tatsache, dass wir alle irgendwann sterben, reicht nicht. Wir müssen es so bald wie möglich tun, und zwar bitte gleich alle zusammen. Willkommen in der Welt der nackten Paranoia.

Das Bild hier unten spricht Bände. Es stammt von 2019 oder 2020, ganz sicher bin ich nicht, ich hab den Screenshot irgendwo in meinem Chaos gefunden. Es stammt von einer Klimademo:

Also, rein inhaltlich kann man das schwer widerlegen. Im Gegenteil, es ist sogar noch eine Runde schlimmer: Von unseren «existierenden Kindern» werden mit Garantie sogar 8 von 8 sterben. Irgendwann. Nur war das natürlich nicht die Absicht der Aussage. Die Dame mit dem Megaphon wpllte uns vermitteln, dass die 7 von 8 den Gang ins Jenseits ausserplanmässig früh antreten. Wohl sogar noch, während sie Kinder sind. Was bedeuten würde, dass sie sehr bald sterben. Und wir wohl mit. Warum es 12,5 Prozent nicht trifft, weiss ich nicht, vielleicht sind das eine Art schottische Highlander, beschenkt mit dem ewigen Leben.

Wobei es durchaus auch Klimabewegte gibt, die keinen solchen gnädigen Abstrich machen und deutlich sagen, dass die Welt untergeht. Ein Beispiel dafür habe ich hier beschrieben. Es ist also wirklich schon fast nett, jedes achte Kind aussparen zu wollen.

Ich mag nicht über die Absurdität der Aussage der Dame im Bild nachdenken, sie spricht für sich. Mich beschäftigt mehr, was sie sich von dieser Taktik verspricht. Nehmen wir an, ein massgebender Teil der Gesellschaft würde ihre These für bare Münze nehmen, wonach fast alle Kinder das Erwachsenenalter nicht mehr erleben. Wäre das der Fall, hätten wir Volksaufstände, überbordenden Aktionismus, den grossen Verzicht, den sich die Klimaaktivisten wünschen. Die Tatsache, dass das alles ausbleibt, ist kein Beleg dafür, dass der Menschheit das Schicksal ihrer Kinder egal ist. Es ist vielmehr ein Beleg dafür, dass die überwiegende Mehrheit diese Panikrufe nicht ernst nimmt. Aus Sicht der «Klimatiker» natürlich, weil sie einfach ahnungslos sind. Aus meiner Sicht natürlich, weil die Behauptung einfach völliger Nonens ist und gottlob die meisten Leute doch noch über einen gesunden Menschenverstand verfügen, wenn es drauf an kommt (auch wenn ich in den vergangenen zwei Jahren oft daran gezweifelt habe).

Die Strategie, mit möglichst drastischen Prognosen die Aufmerksamkeit der Massen zu erreichen, ist im Fall der Klimathematik schon lange gescheitert. Nur merken das die Absender nicht. Wenn wir mal die technisch-wissenschaftliche Seite weglassen, also die Frage, wie dramatisch die Entwicklung des Klimas ist, wie gross der Anteil der Menschheit daran ist usw., und einfach annehmen, dass es gut wäre, etwas zu verändern: Es wäre mit Sicherheit erfolgsversprechender, wenn die Aktivisten sanftere Töne anschlagen würden.

Ich sage das nicht (nur), weil ich diese apokalyptischen Reiter mit ihren Prognosen des totalen Untergangs ganz persönlich satt habe, ich sage es aus professioneller Sicht. Ich habe einen gewissen Teil meines Berufslebens unter anderem damit verbracht, Leute zu beraten, die eine bestimmte Botschaft bei einem bestimmten Publikum verankern wollten. Mein Tipp war immer: Niemand mag Leute, die Angst vermitteln. Sie ist zwar ein starkes Gefühl, fördert aber Irrationalität, vor allem aber gibt es keine Garantie dafür, dass Verängstigte dann die «Lösung», die der Absender verspricht, als die richtige sehen. Leute in Angst sind unberechenbar. Sie reagieren entweder falsch, unverhältnismässig oder mit Verdrängung. Man kann sie nicht einfach in die gewünschte Richtung lenken.

Im Fall von Corona schien es zwar zu funktionieren, aber eben nur scheinbar. Zwar trottete der grosse Teil der Herde den Offiziellen nach, aber nicht ausschliesslich aus Angst, sondern durch die Kombination mit geschickt verpackten «Goodies» für die Braven.

Wenn es einen menschengemachten Klimawandel gibt, der uns bedroht, müssten die Leute, die diesen zu bekämpfen vorgeben, versuchen, alle Beteiligten mit an Bord zu nehmen, zu Beteiligten zu machen. Stattdessen haben sie sich als eine Art Elite gruppiert, die über das grosse Wissen verfügt und versucht, unter anderem mit dem Aufruf der Unterwanderung der Demokratie Druck zu machen und beleidigt gleichzeitig jeden, der nicht in die Alarmrufe miteinstimmt, als «Klimaleugner» und andere Nettigkeiten. Diese Ausgrenzung führt zu allem Möglichen, sicher aber nicht zu einer Gemeinschaft, die wächst. Sie führt zur Spaltung (wie Corona) und zum erbitterten Grabenkampf.

Die Allgemeinheit zum Verzicht auf alles, was Spass macht, aufzufordern und sie gleichzeitig schlecht zu reden und mit der Drohung des Exodus zu wedeln: Welche Eltern würden mit solchen Methoden versuchen, Einfluss auf ihre Kinder zu nehmen? Und mit welchem Erfolg?

Purer Widersinn auch vor den Gerichten

Nicht einmal in den Punkten, in denen sich die offizielle Coronapolitik und die Massnahmenkritiker einig sind, gilt der gesunde Menschenverstand. Es ist für alle Seiten längst erwiesen, dass die Covid-19-Impfung nicht vor der Übertragung schützt. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hält eine Impfpflicht des Pflegepersonals zum «Schutz von Vulnerablen» dennoch für völlig richtig.

Gegen die Impfpflicht in Pflege- und Gesundheitsberufen in Deutschland wurde Verfassungsbeschwerde eingereicht. Das Bundesverfassungsgericht hat diese nun abgelehnt. Die Begründung: Die Verfassung schütze die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, denn es gehe um «den legitimen Zweck, vulnerable Menschen vor einer Infektion zu schützen».

Wir haben ein Problem. Der Rechtsspruch stimmt nicht mit den Fakten überein. Da eine Impfung die Übertragung des Virus an einen andern nicht verhindert, wird damit niemand vor einer Infektion geschützt. Der «legitime Zweck» wird nicht erfüllt und kann damit nicht als Begründung dienen.

Man könnte an dieser Stelle auch gern darüber streiten, ob die Impfung überhaupt wenigstens das schafft, was nach wie vor behauptet wird: Den Schutz vor schweren Verläufen. Auch dafür gibt es kaum Indizien. Hier können wir das aber auslassen. Denn dass die Impfung nicht vor Ansteckung anderer schützt, das gibt selbst die Impffraktion inzwischen zu. Muss sie auch, anders wäre es nicht zu erklären, dass das Virus in Ländern mit überirdischer Impfquote munter verbreitet wird.

Und dennoch geht das Bundesverfassungsgericht hin und sagt sinn gemäss: «Das Pflegepersonal muss mit einer Impfpflicht leben, weil diese Verletzliche schützt.»

Aber das tut sie nicht. Sie tut es einfach nicht. Sandro Brotz würde sagen: «Punkt. Ausrufezeichen!»

Das Gericht ist natürlich kein medizinisches Gremium. Es hatte nur zu beurteilen, ob die Impfpflicht mit der Verfassung in Einklang zu bringen ist. Die Richter sagen, das sei sie. Dafür aber müssen sie eben doch eine medizinische Argumentation vorbringen, nämlich die, dass der Impfstoff den angestrebten gesundheitlichen Effekt erzielt. Weil das erwiesenermassen nicht der Fall ist, ist die Ablehnung der Beschwerde schlicht nicht nachvollziehbar und die Begründung ein schlechter Witz. Das merkt jeder mit minimaler Schulbildung, aber nicht die Leute mit einem juristischen Studium.

Das Bundesverfassungsgericht lässt dann noch durchblicken, das Urteil sei nicht zuletzt nach dem Ausschlussprinzip ergangen. Es gebe «keine weniger einschneidenden Massnahmen zur Erreichung des Schutzziels», die gleich wirksam seien, also bleibt nur die Impfpflicht. – Obwohl die Impfung in diesem Punkt rein gar nicht wirksam ist. Sie dient der «Erreichung des Schutzziels nicht». Punkt. Ausrufezeichen!

Dazu gerne mal wieder einer meiner berühmt-berüchtigten Vergleiche. Das ist, als hätten Sie einen Kaffeefleck auf dem Teppich, und zur Beseitigung stehen Ihnen nur ein Hammer, ein Verlängerungskabel und eine Fertigpizza zur Verfügung. Ein Gericht urteilt nun, Sie müssten den Hammer nehmen. Damit lässt sich der Fleck zwar nicht beseitigen, aber mit den anderen Dingen auch nicht. Also wird der Hammer kurzerhand als «wirksam» definiert.

Dass Gerichtsurteile oft nichts mit dem gesunden Menschenverstand zu tun haben, ist nicht neu. Aber in aller Regel ist das nicht die Schuld des Gerichts, sondern des Gesetzgebers, der die Regeln gemacht hat. In diesem Fall lässt sich aber klar sagen: Die deutschen Bundesverfassungsrichter schützen eine Pflicht für einen Berufsstand, die in keiner Weise erfüllt, was sie sollte. Und das ist ganz einfach unhaltbar.

Weshalb Milliardäre gern links ticken

Hansjörg Wyss ist milliardenschwer. Der Berner, der seit Jahrzehnten in den USA lebt, lässt am liebsten für linke Ideale Geld springen. Denn man geht im Jahr 2022 nur positiv in die Geschichte ein, wenn man mal kurz die Welt rettet. Egal, wie hoch der Preis der gesamten Gesellschaft ist.

Die Geschichte klingt in etwa so, wenn man die Erklärungen und Äusserungen von Superreichen zusammenfasst, die Bewegungen und Organisationen aus dem linken Spektrum unterstützen:

«Ich war in meinem Leben sehr begünstigt, ich hatte viel Glück, und ich will der Gesellschaft etwas davon zurückgeben, deshalb unterstütze ich mit meinem Vermögen Dinge, welche der ganzen Welt nützen.»

Dagegen lässt sich schwerlich etwas sagen. Nun braucht man nur noch eine Jury, die aussiebt, welche Projekte und Ideen der Gesellschaft dienen. Wobei das natürlich der Reiche selbst definieren kann, es ist ja sein Geld. Aber es klingt stets so, als gäbe es eine fixe Definition für das, was richtig für die Welt ist, die gefälligst für alle zu gelten hat.

Wenn jemand in Afrika eine Schule baut, ein Naturschutzgebiet unterstützt oder Hilfe für eine Region nach einer Naturkatastrophe leistet, kann man die Sinnhaftigkeit nicht ernsthaft hinterfragen. Das kann im Grunde nicht falsch sein. Im Detail liesse sich vielleicht prüfen, ob Organisationen berücksichtigt werden, die mit dem Geld richtig umgehen, die also nicht alles in die Verwaltung oder den Lohn des CEO stopfen und so weiter. Aber von der Absicht her sind das unstrittig edle Vorhaben. Und übrigens auch weder «linke» noch «rechte» Absichten. Das hat mit Politik nichts zu tun.

Allerdings haben vor allem Linke die Tendenz, sich diese Themen nach und nach anzueignen. Alles, was danach klingt, dass es nötig ist, damit die nächste Generation noch einen Planeten hat, wird in der öffentlichen Debatte von Links-Grün zielsicher vereinnahmt.

Nehmen wir den Klimaschutz. Die Welt und damit wir Menschen sind darauf angewiesen, dass das Klima nicht ausser Rand und Band gerät. Aber tut es das wirklich? Wenn ja, wie dramatisch und schnell tut es das? Und wenn ja, ist der menschliche Anteil dafür ausschlaggebend oder etwas anderes? Können wir selbst etwas bewirken, und wenn ja, ist es das, was uns heute als Lösung verkauft wird?

Diese Fragen darf man heute nicht mehr stellen. Der Klimawandel wird von der Politik und medial unterstützt als allein vom Menschen verursacht verkauft, nur eine Verhaltensänderung und entsprechende Gebote und Verbote können entsprechend das Problem lösen – und mit dieser Definition der Wahrheit wird aus dem Klimaschutz ein linkes Vorhaben.

Denn alles, was wir angeblich sofort tun müssten, um das Klima zu retten, entspricht seit Urzeiten der Agenda der Linken. Weniger individuelle Mobilität, weniger Flugzeugreisen, weniger oder noch besser kein Fleischkonsum, nur noch alternative Energieerzeuger und so weiter. Das, was Links-Grün sowieso schon immer durchsetzen wollte, hat in der Klimadebatte das perfekte Vehikel gefunden. Natürlich in Verbindung mit der bewährten Diffamierungstechnik: Wer Zweifel an der segensreichen Wirkung dieser Massnahmen hat, ist ungebildet oder verrückt oder ein Rechtsextremer. Eben wie bei Zweifeln an der Coronapolitik.

Doch was hat das mit Milliardären zu tun?

Meine nicht durch Studien belegbare These ist, dass es um eine späte Sinnsuche und um den Versuch, sich ein ehrendes Andenken zu bewahren, geht.

Hansjörg Wyss, 86, wurde so richtig reich, als er die Orthopädiefirma Synthes verkaufte. Sein Vermögen wird aktuell auf rund 5 Milliarden Dollar geschätzt. Mal waren es 12, mal 7 oder 8, aber seien wir ehrlich: Es macht keinen grossen Unterschied. Sicher ist, dass der Mann, nicht nur angesichts seines Alters, keine finanziellen Alltagssorgen hat, ebenso wenig die Leute, die einst sein Erbe antreten. Er hat also viel Zeit, nachzudenken.

Vielleicht auch darüber, was von ihm bleibt, wenn er mal nicht mehr ist. Die 5 Milliarden sind eine blosse Zahl, zu astronomisch, um sich eine Vorstellung zu machen. Die Zahl belegt, dass Wyss als Unternehmer etwas drauf hatte und vieles richtig gemacht hat, ökonomisch gesprochen. Aber über den Menschen sagt sie nichts aus. Und die meisten von uns wollen nach dem Ableben nicht als «der Reiche» oder «der erfolgreiche Firmengründer» erinnert werden, sondern aufgrund unserer persönlichen Werte. Wie war der so, was hat er bewirkt?

(An mich beispielsweise, nur als kleiner Einschub, würde man mich im Fall meines Todes in diesen Tagen erinnern als einen, der unzählige Menschenleben auf dem Gewissen hat, weil er die Coronamassnahmen kritisiert hat. Nicht schön, aber da lässt sich nichts mehr dran ändern. Und es gibt ja auch einige Leute, die das anders beurteilen.)

Besser macht man es, indem man sich für das engagiert, was eine Mehrheit – vielleicht ist es auch nur eine besonders lautstarke Minderheit mit guter politischer Vernetzung – als gut, richtig und edel ansieht. So entsteht eine Art Vorbild-Denkmal. Und der Zeitgeist tickt nun einmal so, dass fast alles, was uns täglich als vorbildlich verkauft wird, irgendwie links angehaucht ist. Beziehungsweise: Das, was Linke wollen, wird zur schieren Notwendigkeit hochstilisiert, bis es alle glauben.

Zurück zu Hansjörg Wyss. Dieser hat über seine Stiftung schon mächtig viel Geld ausgegeben für Dinge, an denen man auf den ersten Blick kaum herummäkeln kann, beispielsweise den Schutz der globalen Artenvielfalt. Es klingt jedenfalls unwidersprochen gut. Niemand will, dass möglichst viele Arten aussterben. Jeder will Artenvielfalt.

Die gesellschaftliche Aufgabe ist es aber, sich zu fragen: Zu welchem Preis geschieht das? Ist die Forderung nach einem Schutz ultimativ und soll unbesehen von anderen Auswirkungen realisiert werden? Wie genau soll die Artenvielfalt gesichert werden, und welche Folgen hat das auf andere Lebensbereiche?

Gemeint ist ja nicht, dass man tausende von Reservoirs schafft, in denen die letzten Exemplare einer Art geschützt leben. Es geht um den Erhalt der natürlichen Lebensräume dieser Arten. Und das geht nicht ohne Veränderung. Deshalb muss man sich stets die Frage stellen: Was bedeutet das für uns? Für die Art, wie wir leben und leben wollen? Welche Einschränkungen bringt das mit sich? Was kommt dabei allenfalls unter die Räder?

In die gleiche Kategorie geht der «Green New Deal», eine weitere Spielwiese von Wyss, mit der er 30 Prozent der Landes- und Ozeanfläche unter Schutz stellen will. Das kann man wollen, das kann man anstreben, aber eben: Zu welchem Preis? Gibt es, ich frage ganz unschuldig, allenfalls hoch willkommene, wichtige Projekte für die Menschheit, die nicht mehr möglich wären, wenn diese 30 Prozent geschützt würden? Verschwänden vielleicht auch die «falschen» Dinge unter den Schutzbemühungen?

Aber damit bin ich schon in den Details. Und muss mich fragen: Darf man es sich leisten, nach einer Güterabwägung zu einem dieser Schutzprojekte und seinen Folgen zu sagen: «Das geht mir zu weit» – ohne dann als naturfeindlicher Unmensch zu gelten?

Der Weg von Wyss ist risikolos. Er spendet dorthin, wo niemand Fragen stellen kann. Ich glaube ihm durchaus, dass er überzeugt ist, der Welt über seinen Tod hinaus einen Dienst zu leisten, indem er Geld vornehmlich in den Schutz der Umwelt steckt. Nur wissen wir aus Erfahrung, dass das heutzutage immer mit einem Nebeneffekt kommt: Dem Umbau der Gesellschaft.

Früher galt es als Naturprojekt, wenn man als Schulklasse ein Waldstück von Abfall befreite. Heute muss man zu Fuss gehen und sich pflanzlich ernähren, um mit gutem Gewissen behaupten zu können, sich für die Umwelt einzusetzen. Es muss immer das ganze Paket sein. Falls Sie früher drei Mal pro Jahr in die Ferien geflogen sind und nun nur noch einmal in zwei Jahren: Sorry, reicht nicht. Sie sind geflogen, und damit sind Sie ein Klimaschädiger. Die totale Konsequenz oder gar nichts: Das ist das Motto.

Gerade eben hat Greenpeace ein Werbeverbot für tierische Produkte wie Fleisch, Eier und Milch gefordert. Abgesehen von einzelnen Branchenvertretern hat das bei niemandem für Aufregung gesorgt. Die Forderung hätte an der Urne derzeit vermutlich nicht gerade eine Mehrheit, aber entscheidender ist: Besonders auffallen tut man mit ihr heute nicht mehr. Man kann inzwischen regelrecht alles verlangen, völlig egal, wie tief es in Gesellschaft und Wirtschaft eingreift, wenn nur der «richtige» Zweck dahinter steht.

Das wirkt sich aus. Die Erfahrung zeigt, dass die Politik zwar selten auf Maximalforderungen eingeht, aber die laute Empörung über fossile Brennstoffe, Flugreisen oder Fleischkonsum gern zum Anlass nimmt, immerhin ein bisschen an der Schraube zu drehen. Ein kleines Entgegenkommen quasi. Man will ja wiedergewählt werden, und da hilft ein Shitstorm auf Twitter nicht wirklich.

Das bedeutet: Dieses Ideal der Lebensführung, das eine sehr laute Minderheit zu dieser erklärt hat, wird auf der politischen Ebene nach und nach zum Standard gemacht, Stück für Stück. Leute wie Hansjörg Wyss helfen mit Geld und ihrem Namen, politische Absichten zu adeln, indem sie den entsprechenden Vorhaben Gewicht und Ressourcen geben. Noch einmal: Nichts gegen Artenvielfalt, der Milliardär könnte sein Geld mit Sicherheit dümmer verjubeln. Aber stellt er sich mit 86 noch die Frage, was danach kommt? Ja, tut er, in Bezug die Arten und die Weltmeere. Aber: Fragt er sich auch, wie unsere Gesellschaft (die aus meiner bescheidenen Sicht heute den besten Stand aller Zeiten hat in Sachen allgemeinem Wohlstand, Umweltschutz, Tierwohl und so weiter) die Einschränkungen verkraftet, die mit seinen hehren Zielen unweigerlich verbunden sind? Wie sich unsere Gesellschaft dadurch verändert, wie die Wirtschaft das verkraftet?

Wie gesagt: Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass Klima, Artenvielfalt, Weltmeere und vieles mehr zuoberst auf der Traktandenliste sind und wir jeden persönlichen Verlust zu tragen haben, um die Ziele zu erreichen, die einige Leute definiert haben. Darf man, klar. Es scheint mir nur nicht sehr ausbalanciert. Eine Gesellschaft ist ein komplexes System, ein Wirrwarr aus sich überkreuzenden und zusammenhängenden Fäden. Wer an einem zieht, löst woanders etwas aus.

Oder weniger abgehoben ausgedrückt:

Wenn wir irgendwann kein Fleisch mehr essen und nicht mehr fliegen dürfen, das Autofahren bis zum Stillstand reglementiert ist und wir ohne Strom da sitzen, weil AKW (übrigens die umweltfreundlichste Art, Energie zu erzeugen) verpönt sind, gleichzeitig aber eine beinahe ausgestorbene Vogelart in Uganda gerade Nachwuchs produziert hat, ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung vielleicht nicht ganz doof (wenn auch zu spät).

Denn hinter all dem, was wir heute oder in Zukunft nicht mehr dürfen, ob rechtlich oder moralisch, stehen immer auch Arbeitsplätze und damit Schicksale. Nur sollte man das natürlich nicht offen aussprechen. Denn das hiesse ja, dass man das Wohl der Wirtschaft über dem von Mutter Erde ansiedelt. Jedenfalls wird es so interpretiert. Dabei geht es nur um eine gesunde Balance, es geht darum, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten, nicht ein Problem durch ein anderes zu ersetzen.

Das wird heute aber eben nicht mehr gern gesehen. Deshalb fährt man besser, wenn man sich vorbehaltlos in Umweltschutzprojekte stürzt und den ganzen Rest, der auch noch dran hängt, einfach ausblendet. Können wir uns ja später noch darum kümmern, dass ein paar tausend Menschen in Indonesien keine Lebensgrundlage mehr haben, weil wir gerade den Tourismus ausradiert haben.

Das ist zwar alles andere als verantwortungsvoll, aber es klingt viel süsser in den Ohren der Leute, die heute die öffentliche Debatte bestimmen, als wenn man dauernd lästige Fragen stellt.

Auch Milliardäre wissen das. Und suchen sich deshalb für ihre Spendenbereitschaft gern Dinge aus, bei denen sie davon ausgehen können, dass Twitter jubelt.

Übrigens: Hansjörg Wyss kauft zusammen mit anderen Gutbetuchten gerade den englischen Fussballverein Chelsea. Vielleicht mag er ja einfach Fussball und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Aber internationaler Spitzenfussball, ist das nicht die Ikone der umweltfeindlichen Konsumwut, der exorbitanten Löhne, verschandeln nicht Weltmeisterschaften in dafür nicht vorbereiteten Ländern auf Generationen hinaus die Landschaft, werden nicht die miserablen Bedingungen der Menschen beklagt, die Stadien bauen müssen?

Scheint auf den ersten Blick etwas widersprüchlich. Aber vielleicht ist das auch Teil eines grösseren Plans. Vielleicht können auf der nicht genutzten Rasenfläche nach abgeschlossener WM irgendwelche seltenen Vögel nisten.

Ein Polizeieinsatz. Ein toter Mann. Und Schweigen im Walde.

In Mannheim ist ein 47-jähriger Mann nach einem Polizeieinsatz verstorben. Die Bilder, die zeigen, wie ihn die Polizisten in die Mangel nehmen, sind verstörend. Der Aufschrei der Öffentlichkeit bleibt allerdings aus.

Auf Twitter schreibt eine Dame:

«Wenn ein schwarzer Intensivtäter in den USA durch Polizeigewalt stirbt, brennt hier die Strasse. Wenn ein alter, weisser, dicker Mann in Deutschland durch Polizeigewalt stirbt, müssen erstmal in Ruhe alle Hintergründe beleuchtet werden. Vielleicht war ja sein Impfpass gefälscht.»

Ja, das ist polemisierend und mag auch zu kurz greifen. Es ist eine pauschalisierende Ausgabe. Sie trifft aber selbst in der Zuspitzung das herrschende Problem ganz gut. Heute zählt nicht, was man tut, sondern WER es tut oder WEM etwas angetan wird; auch das habe ich schon oft geschrieben, ich weiss. Aber es ist leider eine Tatsache.

Der Tweet bezog sich auf einen Fall, der unter anderem hier beschrieben ist. Ein Mann (47) leistet bei einem Zugriff der Polizei Widerstand, die Polizisten versuchen, ihn unter Kontrolle zu bringen. Dafür, so heisst es jeweils bei Rückfragen, seien die Beamten geschult. Was für den Laien nach Brutalität aussieht, seien gezielte Aktionen, die helfen sollen, den Widerstand zu brechen, ohne übermässig Schmerzen auszulösen.

Nur sieht es leider äusserst schmerzhaft aus, wie dem Mann zunächst mehrere Schläge in der Kopfregion verpasst werden und dann zwei Polizisten zum Teil auf ihm knien, während er auf dem Bauch liegt. Als er schliesslich, zu weiterer Gegenwehr längst nicht mehr fähig, auf dem Rücken liegt, sieht man die Verletzungen im Gesichtsbereich. Als Nächstes ist dann der Notarzt mit Wiederbelebungsmassnahmen an der Reihe. Die waren vergeblich, der Mann starb.

Ich verlinke das Video, das offenbar ein Passant während der Aktion gedreht hat, ganz unten. Man sollte es sich nur antun, wenn man mit einem solchen Anblick fertig wird. Man sieht immerhin, wie jemand zu Tode kommt. Ob das, was davor geschehen ist, zum Tod geführt hat oder es andere Ursachen dafür gab, kann ich nicht beurteilen. Geholfen hat der Polizeieinsatz jedenfalls kaum.

Die Polizisten waren nicht dort, um einem notorischen Gewaltverbrecher das Handwerk zu legen. Sie waren gerufen worden, weil der Mann nach Einschätzung eines ärztlichen Dienstes Hilfe benötigte. Das sah er offenbar anders und wehrte sich gegen die Intervention. Diese wiederum sieht aus, als würde gerade eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeschaltet. Dabei ging es bei diesem Einsatz um jemanden, der als «Patient» galt und vermutlich verwirrt war.

Ob es verhältnismässig ist, jemanden mit Schlägen und dem gewaltsamen Drücken auf den Boden zu seinem Glück, einer Unterstützung durch die Behörden, zu verhelfen, soll jeder selbst beurteilen.

Aber zurück zur Dame ganz oben. Was sie meint: In anderen Fällen war die Öffentlichkeit sehr schnell mit dem Urteil über die Polizei. Hier gehört das Opfer keiner gesellschaftlichen Minderheit an. Es wird keine Demonstrationen für ihn geben wie bei «Black Lives Matter». Der Tote hat in diesem Fall schlicht keine Lobby.

In anderen Fällen, die besser geeignet sind, die allgemeine Empörung zu füttern, wollte nie jemand Details über die Motive der beteiligten Polizisten und die Verhältnismässigkeit ihrer Handlungen wissen. Es wurde in Sekundenbruchteilen geurteilt. Hier sieht es anders aus. Fast niemand interessiert sich für Hintergründe. Aber da ist ein Mensch gestorben.

Der Videoclip ist hier zu finden.

Warum ich die Bürokratie so sehr liebe

Ja, ich gebe es zu, der Titel ist reines Clickbaiting. Denn natürlich liebe ich die Bürokratie in keiner Weise. Sie ist das Gegenteil des gesunden Menschenverstandes. Und weil ich diesen liebe, hasse ich die Bürokratie. Ein kleines Beispiel aus dem Alltag.

Derzeit bin ich im munteren Austausch mit einem Unternehmen, das Zahlungen abwickelt. Einem solchen Anbieter muss man zuerst einmal beweisen, dass man der ist, der man vorgibt, zu sein. Dazu muss man den Scan eines Ausweispapieres liefern. Das kann ich nachvollziehen.

Danach geht es um den Nachweis, dass ich nicht nur der Mensch bin, von dem ich behaupte, ich sei es, ich muss auch belegen, dass ich an der Adresse wohne, die ich im Formular angegeben habe. Dafür hätte man gern die Kopie eines amtlichen Dokuments oder einer Telefonrechnung (natürlich nur Festnetz) oder der Stromrechnung oder auch eines Bankauszugs.

Da ich kein Festnetz habe (hat das wirklich noch jemand?) und aufgrund eines kürzlichen Umzugs über keinerlei anderweitige Belege mit meiner neuen Adresse verfüge, ist das für mich nicht ganz einfach. Ich kann zwar zweifellos versichern, dass ich seit meinem Umzug in einem anderen Haus wohne, jedenfalls gehe ich dort jede Nacht zu Bett und wache dort jeden Morgen auf. Mir ist auch meine neue Wohnadresse bekannt, sonst würde ich ja abends nicht mehr hinfinden. Aber das reicht Bürokraten natürlich nicht, ich muss es mit einem Dokument beweisen. Doch wie nur? Wenige Wochen nach dem Umzug erreicht mich fast alles nach wie vor per Nachsendeauftrag, weil ich schlicht noch nicht jeden Pipifax-Absender von meinem Umzug unterrichtet habe.

Aber Hosianna, da lag sie in der Post, die Einladung zur Innerrhoder Landsgemeinde! Mit dabei: Ein Stimmrechtsausweis, lautend auf meinen Namen und auf meine neue Adresse, versehen mit dem Absender inklusive Logo meines Wohnkantons. Amtlicher geht es gar nicht.

Pustekuchen. Die Kategorie «Stimmrechtsausweis» kennt der bewusste Zahlungsanbieter offenbar nicht. Die Eingabe wurde nicht akzeptiert. Ein Stimmrechtsausweis, so etwas wie eine kleinformatige Bibel für jeden Schweizer, ist offenbar kein amtliches Dokument. Obwohl er von einem Amt ausgestellt wurde.

Und da kommt der gesunde Menschenverstand zum Zug. Der leidet Höllenqualen.

Nur mal theoretisch. Ich könnte bei einem Schrumpel-Telefonie-Startup namens «Hutzelputzel Communications» einen monatlich kündbaren Vertrag für CHF 29 abschliessen und beim Aboabschluss eine Fantasieadresse – vielleicht Micky-Maus-Weg 17? – angeben. Danach würde ich mir die Rechnungen auf elektronischem Weg zustellen lassen via E-Mail (was ich sowieso mache) und hätte dann einen Beleg dafür, dass ich am Micky-Maus-Weg 17 wohne. Denn diese Adresse wäre auf der elektronischen Rechnung.

Das wäre dann die todsichere Garantie für den Zahlungsanbieter, dass das meine völlig korrekte Adresse ist. Viel mehr Garantie als ein Schreiben des Kantons, bei dem ich verpflichtet bin, meine korrekte Adresse anzugeben und der mir seine Sachen per Briefpost zustellt.

Muss man das verstehen? Nein. Man kann gar nicht. Weil es eben Bürokratie ist. Und die besteht aus Schikanen, die keinen Sinn machen, aber einem Regelwerk entsprechen, die irgendein unterbeschäftigter Sachbearbeiter irgendwann mal in einem Bundesordner abgelegt hat.

Denkt man zwei Minuten darüber nach, merkt man, wie absurd das ist. Aber die meisten Leute werden ja nicht fürs Nachdenken bezahlt. Sondern für den Vollzug von Verordnungen, die nicht auf logischen Gedanken beruhen.

Die Parallelen zwischen Corona und der Ukraine

Seltsamer Titel? Nicht wirklich. Es gibt eine verblüffende Parallele. Sie lautet: Übernimm, was politisch korrekt ist, stell keinerlei Fragen, ansonsten wirst du in die Schublade der Widerwärtigkeiten gesteckt. Nachdenken ist nicht erlaubt. Zweifel schon gar nicht. Erzähl weiter, was dir gesagt wird – und bloss nichts anderes.

Die Kritiker der Coronamassnahmen sind meist zugleich auch Putin-Versteher. Alles das gleiche Gesocks. Es sind Leute, die keine vorfabrizierten Denkmuster automatisch wiederholen, sondern ganz gerne darüber nachdenken und sprechen würden. Das geht gar nicht. Jedenfalls nicht im Jahr 2022. Wo kommen wir denn da hin, wenn das jeder täte? Oder nur schon einer?

Zwei grundlegend unterschiedliche Dinge, dieselbe Mechanik. Bei Corona galt: Selbst wenn jemand die Existenz von Viren nicht leugnete und zweifelsfrei einräumte, dass diese bei gewissen Konditionen zu schweren Erkrankungen oder gar dem Tod führen können, war er erledigt, sobald er ein sanftes «aber» nachschob. Zum Beispiel eine unschuldige Frage wie: «Sind die Massnahmen sinnvoll?» Oder: «Ist es verhältnismässig, aufgrund der Risiken die ganze Gesellschaft diesen Massnahmen zu unterwerfen?»

Wer das tat, war wahlweise ein Coronaleugner oder zumindest ein Coronaverharmloser. Weg damit. Werfen wir ihn der Twitter-Bubble zum Frass vor, da bleibt erfahrungsgemäss nicht viel übrig. Die Meute ist gierig und gnadenlos.

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Beim Krieg in der Ukraine läuft es ähnlich. Man kann den unbegreiflichen Überfall Russlands verurteilen, Putin Schimpf und Schande austeilen und ein baldiges Ende des Todes herbeisehnen. Sobald man darüber hinaus aber gern ein bisschen mehr wissen würde – wie sieht die Vorgeschichte aus, was kann man daraus lernen, welche Rolle spielte die Nato oder die ukrainische Regierung, wie lässt sich das für die Zukunft verhindern –, ist man ein «Putinversteher», der den Krieg und das Elend der Zivilbevölkerung verharmlost. So einfach geht das. Und so schnell.

Früher war man ein Kriegstreiber, wenn man den Krieg verherrlichte. Heute ist man ein Kriegstreiber, wenn man mehr über den Krieg wissen will. Wenn man verstehen will.

Wir dürfen nicht mehr nachdenken. Wir dürfen keine Fragen mehr stellen. Wir dürfen keine Zweifel mehr äussern. Alles, was wir noch dürfen, ist das hier: Nachbeten, was uns die Instanz der politischen Korrektheit in den sozialen Medien vorgibt. Jeder Schritt mehr führt ins Verderben. Abweichler sind Kriegstreiber. Oder wahlweise Virenverharmloser, die andere Menschen in den Tod laufen lassen. Man darf es sich aussuchen.

Die Medien spielen mit. Die wollen natürlich auch nicht ins Verderben geraten. Deshalb vermeiden sie tunlichst alles, was in irgendeiner Weise als Relativierung verstanden, pardon, missverstanden, werden könnte. Es gilt die reine Lehre.

Wo führt das hin? In erster Linie in eine Gesellschaft, die reflektierende, kritische Bürger aussperrt. Die eine alleinseligmachende Wahrheit definiert, der dann alle Folge zu leisten haben.

Lerneffekt? Null. Entwicklungschancen: Unter null.

Werden wir auf diese Weise schlauer? Kaum. Eine Gesellschaft, die auf ein vorgegebenes Narrativ gekämmt wird, die alles aussondert, was gern mehr wissen wollen würde, ist dem Verderben ausgesetzt. Es droht der totale Stillstand. Wir werden nur noch dümmer. Dasselbe Schema hat bereits bei anderen Themen funktioniert. Klimawandel? Übernimm gefälligst die angesagte Panik und stell keine Fragen! Gender? Es ist eben einfach richtig, sich dem zu unterwerfen, die Sinnfrage ist total deplatziert!

Wir sind dem Ende geweiht, wenn wir das weiter zulassen. Und das ist ausnahmsweise mal eine apokalyptische Prophezeiung, die nicht übertrieben ist.

Ich persönlich habe rein gar nichts mit Wladimir Putin am Hut. Ich finde den Mann ziemlich furchterregend und halte eine Welt ohne ihn für eine bessere. Die Kriegsbilder aus der Ukraine machen mich krank. Ich will, dass es aufhört. Das ist gar keine Frage. Aber darüber hinaus mag ich mir doch auch nicht das Denken völlig verbieten lassen. Ich will die Freiheit haben, Fragen zu stellen.

Es ist kein Wunder, dass die Menschen von den arrivierten Medien Richtung Telegram-Gruppen und ähnlichen Kanälen rennen. Journalisten, die das beklagen, sollten sich vielleicht mal die Frage stellen: Hat es etwas damit zu tun, dass wir bei uns das Denken längst verboten haben – und es immer noch Menschen gibt, die ganz gerne nachdenken würden?

Ich würde meinen Kindern gern beibringen, Fragen zu stellen, kritisch zu bleiben, nachzudenken. Gleichzeitig muss ich ihnen fairerweise aber wohl vermitteln, dass das im Jahr 2022 der direkte Weg in die Ausgrenzung ist. Wenn sie jemand sein wollen, müssen sie sich auf Twitter ein Bild darüber verschaffen, was man gerade zu denken hat und dann das einfach wiederholen. Das ist die Strasse zum Erfolg.

Und, natürlich, die Strasse Richtung Abgrund für unsere ganze Gesellschaft.

Und hier ein Event-Tipp. Total selbstlos natürlich.

Juhu, man lässt mich wieder raus. Sogar auf andere Menschen. Sogar auf eine Bühne mit einem Publikum. Das mache ich natürlich gleich. Wer Lust und Zeit hat: Freitag, 11. März 2022 in der «Konservi» in Seon. Willkommen bei meiner ganz persönlichen «Corona-Therapie».

Ich darf einen Abend lang über all die Psychosen und meine Extrakilos sprechen, die sich in den letzten zwei Jahren angesammelt haben, und die Leute bezahlen sogar Eintritt, um das zu sehen und zu hören? Da bin ich gerne dabei. Und vielleicht der eine oder andere von Euch auch?

Nach einer zwei Jahre langen Kunstpause darf ich endlich wieder (offiziell) vor Zuschauer treten. Die «Konservi» in Seon machts möglich, verbindlichsten Dank.

Hier die Details zum Programm:

15 Kilo mehr auf den Rippen und seit Monaten ununterbrochen als «Kunde des Monats» auf einer Tafel beim lokalen Getränkehändler verewigt: Das ist die Bilanz von Stefan Millius nach zwei Jahren Corona. Höchste Zeit für eine Verarbeitung des Geschehens zur persönlichen Psychohygiene. Was war da eigentlich los und vor allem: Wie wird er diese Kilos und das Bier-Abo wieder los? Eine rabenschwarze Rückschau auf den nackten Wahnsinn. – Anschliessend gibt es die Möglichkeit, das neue Buch von Stefan Millius zu kaufen und signieren zu lassen.

Ort: Konservi Seon, Seetalstrasse 2, 5703 Seon
Datum: Freitag, 11. März 2022
Türöffnung: 18 Uhr
Showbeginn: 20.15 Uhr

Also, wer mag und kann: Bitte Tickets per E-Mail bestellen unter dieser Adresse, bezahlt wird direkt vor Ort. Ich freue mich auf alle Leserinnen und Leser, die ich auf diese Weise endlich mal persönlich kennenlerne.

Sorry für die Kunstpause. Es geht weiter.

Huch. Ich stelle mit Erschrecken fest: Ich war einige Tage nicht aktiv. Vielleicht sollte ich das Datum bei den Beiträgen deaktivieren, um die Kontrolle zu erschweren. Aber nun im Ernst: Ich fands in der letzten Zeit schwierig, Worte zu finden.

Vielen verschlägt es die Sprache aufgrund des Kriegs in der Ukraine. Das kann ich für mich nicht in Anspruch nehmen. Bei mir war es eher die Parallelität der Ereignisse, die mich irgendwie mundtot gemacht hat. Zu beobachten, wie eine völlig andere Situation die gleichen Reflexe hervorruft wie die, welche die letzten zwei Jahre in Kraft waren.

Wenn es um die öffentliche Debatte geht, unterscheidet sich der kriegerische Konflikt in der Ukraine nicht von der Coronasituation. Nicht von der Klimawandel-Diskussion. Nicht von der Auseinandersetzung um Genderfragen. Sie unterscheidet sich von keiner einzigen der heiligen Kühe, die in den letzten Jahren durchs Dorf getrieben wurden.

Wie schon zuvor gibt es nur Schwarz und Weiss. Wie zuvor ist es nicht erlaubt, auch nur eine Zwischenfrage zu stellen. Wer das tut, wird dem anderen Lager zugeteilt und ist der Feind. Aktuell heisst das: Russland böse, Ukraine gut und heldenhaft, und keinen Menschen interessieren die Zwischentöne.

Alles lesen. Immer. Für 4 Stutz im Monat.

Informiert ist man, wenn man das ganze Bild hat. Jemand, der sich am Tag 1 auf eine Seite stellt und sich dann jedes Wort verbittet, das eine andere Möglichkeit nur schon eröffnet, will nicht informiert sein. Sondern will Partei sein. Ist man ein «Putin-Versteher», wenn man mehr über die Dynamik zwischen den beiden Ländern und die Rolle der NATO wissen möchte? Offenbar schon. Genau, wie man früher ein Aluhut oder ein Flacherdler war, wenn man wissen wollte, wie relevant die Testresultate oder Fallzahlen sind oder ob ein Lockdown was bringt, ist man heute offenbar ein pro-russischer Kriegstreiber, wenn man gerne mehr wüsste über die Geschichte, die uns an diesen bedauernswerten Punkt gebracht hat.

Die Leute von heute wollen nichts mehr wissen, sie wollen urteilen. Oder verurteilen. Und das in Sekundenschnelle. Verurteilt werden nicht nur Ereignisse und die Personen, die sie auslösen, sondern auch diejenigen, die ein paar Fragen stellen wollen. Die nicht einfach sofort blaugelb angemalt auf die Strasse rennen.

Ich habe keine Ahnung, wann genau das angefangen hat, und noch weniger weiss ich, wie es enden wird. Das einzige, was mir klar ist: Es tut uns nicht gut. Wir wandeln uns von der informierten, reflektierten Gesellschaft zu einer, die am Tag X auf Druck einer brüllenden Truppe auf den sozialen Medien definiert, was richtig und was falsch ist und dann alles diffamiert, was dazu noch einige Fragen hat. Wir sperren also die Debatte aus, wir sperren den Versuch aus, die Dinge zu verstehen, wir geben der schnellen Empörung mehr Raum als der Reflexion.

Hier geht es nicht um Russland und die Ukraine. Hier geht es um unseren Umgang mit komplexen Vorgängen. Ich habe doch weiss Gott nichts dagegen, wenn sich Leute gegen die russische Invasion stellen und demonstrieren. Aber wieso haben jene Leute ein Problem damit, dass jemand sagt: Ich will die ganze Geschichte, ich will sie verstehen, ich will wissen, wie man es verhindern kann, dass so etwas jemals wieder passiert? – Das ist keine Relativierung, das ist keine Verharmlosung, das ist unsere Aufgabe als Einzelner und als Gesellschaft. Zu wissen, worüber wir eigentlich sprechen.

Das ist sehr viel komplexer als sich ein Transparent zu malen und rauszugehen.

Die Faszination des Bösen

So. Mal was fernab von Corona. Ich habe das dringend nötig, meine geneigte Leserschaft sicher auch. Wir brauchen was Angenehmes, Erheiterndes! Wobei, huch: Das habe ich leider nicht zu bieten. Thema heute: Verbrechen.

Ich habe seit früher Jugend eine kleine Obsession. Ich bin besessen vom Bösen. Natürlich nicht direkt, sondern als Konsument. Ich habe Bücher über wahre Verbrechen verschlungen, alles gelesen, was FBI-Profiler über Serienmörder zu sagen haben, und seit es Streamingdienste gibt, stehen mir zu diesem Thema Dokus à discrétion zur Verfügung. Kürzlich musste ich in einer Mischung aus Faszination und Entsetzen feststellen, dass ich diese Leidenschaft auf meine ältere Tochter vererbt habe.

Aber ich bin damit ja generell nicht allein. Ansonsten gäbe es kaum so viele Bücher und Filme zum Thema.

Seit einigen Monaten kann ich mein Interesse auch journalistisch ausleben. Beim «Nebelspalter», bei dem ich ebenfalls tätig bin, betreue ich die Serie «Wahre Verbrechen», die jeweils am Samstag um 18 Uhr läuft. Es hat sich schon ein kleiner Stock an Beiträgen angesammelt, man findet ihn hier, allerdings nur für Abonnenten. Ich gebe gerne zu, dass ich mir damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt habe. Auf «Die Ostschweiz» gibt es auch einiges kostenlos zu lesen, zum Beispiel zum Fall der Paketbombe in Buchs oder die ziemlich lange und aufwändige Serie über eine mutmassliche Brandstiftung in Horn. Über diesen Link sind alle acht Teile zu finden.

Es sind ja meist die Abgründe, die uns interessieren. Wenn das Leben eines Menschen aus Freiwilligenarbeit für die Suppenküche und Kirchgang am Sonntag besteht, ist das zwar sehr ehrenhaft, aber nicht besonders fesselnd. Deshalb erhalten die «Bösen» mehr Aufmerksamkeit. Ungerecht, klar, aber Realität.

Die Fallsuche, die ich für die Serie beim «Nebelspalter» betreibe, fördert viele Dinge zutage, die man gerne für nicht möglich hält. Gelegentlich stosse ich auf längst vergessene Verbrechen, bei denen ich mich frage, wie sie in Vergessenheit geraten konnten. Es ist oft nicht die Tat an sich, die mich interessiert, sondern das Motiv. Was treibt Menschen zu einem Schritt, der – gottlob – für die meisten von uns unvorstellbar ist? Ein Teil der Antwort liegt meist in ihrer Vergangenheit. Die Gene mögen eine Rolle spielen, die Sozialisierung und das Umfeld erledigen aus meiner Sicht aber den Rest, den es braucht, damit eine Grenze überschritten wird.

Faszinierend ist auch der schmale Grat, der Normalsterbliche und Verbrecher trennt. «Den Kerl bring ich um» haben vermutlich die meisten von uns schon einmal gedacht, wenn uns jemand gehörig auf den Wecker geht. Wir tun das natürlich nicht. Und wir wissen das im Moment des Gedankens. Wer sich mit Verbrechen und der Biografie von Tätern beschäftigt, stellt aber fest, wie wenig es – gewisse Grundanlagen vorausgesetzt – oft braucht, damit aus der Fantasie Realität wird. Oft scheint der Anlass nichtig, oft ist es auch reine Überforderung, die zum entscheidenden Moment der Ausführung führt.

Das soll nicht nach Rechtfertigung klingen. Aber Geschichten wie die des Raubmörders, der als letzter Verurteilter in der Westschweiz hingerichtet wurde, lassen vermuten, dass sein Leben einen völlig anderen Verlauf hätte nehmen können, wenn einige Variablen anders ausgesehen hätten. Eine Kette von Umständen und Ereignissen führt an den Punkt, von dem aus es keine Rückkehr gibt.

Einst hat mich ein Leser meiner Serie kritisiert, ich würde Verbrechern ein Denkmal bauen, indem ich ihre Geschichte erzähle. Ich war einigermassen erstaunt, weil mir dieser Gedanke noch nie gekommen ist. Die These, die Welt wäre eine bessere, wenn wir die unschönen Teile der Menschheitsgeschichte einfach totschweigen, scheint mir reichlich absurd. Ist es ein Denkmal, wenn jemand eine Hitler-Biografie schreibt? Oder dient es nicht viel eher dem Versuch, nicht zu vergessen?

In einer Podcast-Serie von Spotify über Serienmörder, die ich ansonsten sehr gut gemacht finde, stösst mich auch die dauernde Verwendung von Begriffen wie «Monster» ab. Offensichtlich haben viele Autoren Angst, Täter als Menschen zu bezeichnen. Sie versuchen, eine neue Kategorie zu erfinden, um die Idee zu vermeiden, diese Leute hätten etwas mit uns anderen zu tun. Nur haben sie das eben. Es ist ziemlich billig, auf diese Weise eine Distanz zwischen uns und denen kreieren zu wollen. Wenn es das Ziel ist, Verbrechen zu verhindern, muss man potenzielle Verbrecher als Menschen akzeptieren, ansonsten sind sie unerreichbare Wesen, und man kann Therapien oder andere Behandlungen vergessen. Denn solche gibt es nicht für «Monster», nur für Menschen.

Es ist nicht respektlos gegenüber Opfern, wenn man versucht, zu verstehen, was Täter antreibt. Verstehen heisst nicht: Verständnis. Schon gar nicht Akzeptanz. Verstehen bedeutet: Den Antrieb dieser Menschen zu durchschauen und zu begreifen, wie sie zu dem wurden, was sie sind. Erst wenn uns das gelingt, haben wir die nötigen Werkzeuge in der Hand, um vorzubeugen.

Die Kinder als Opfer der neuen «Woke-Kultur»

Indianer? Cowboy? Mexikaner? Wenn Ihr Kind so ausgestattet zur Fasnacht will, ist es ein kleines Monster. Unterbinden Sie diese Ungeheuerlichkeit bitte umgehend. Vielleicht besteht ja eine (geringe) Chance, dass Ihr Nachwuchs doch noch ein wertvoller Mensch wird.

«Kulturelle Aneignung» heisst der Kunstbegriff, der aktuell schwer im Trend liegt. Will heissen: Irgendwelche Leute, die mit Kultur XY überhaupt nichts zu schaffen haben, übernehmen frecherweise Versatzstücke aus dieser Kultur. Ich versuche gerade, ein Beispiel zu finden, in dem diese Praxis so richtig, richtig empörend ist. Mal sehen. Also, ein Lokal mit südamerikanischen Spezialitäten heuert einen Innerschweizer an, der sich einen Schnauz anklebt und einem Sombrero überstülpt und vor dem Lokal lateinamerikanische Melodien trällert?

Ja, klingt wirklich brandgefährlich. Die Welt geht gleich unter.

Aber so weit müssen wir ja gar nicht gehen. Die Fasnacht reicht. Die ist des Teufels. Heerscharen von Kindern betreiben «kulturelle Aneignung», indem sie sich verkleiden. Es ist ja wirklich total unverständlich, dass sich ein Kind aus dem Thurgau nicht einfach als Basler oder Zürcher verkleidet, sondern als Winnetou, Old Shatterhand oder chinesischer Reisbauer an die Fasnacht geht. Wer entsprechende Fasnachtskostüme verkaufe, handle «rassistisch», befanden die Zeitungen des Verlags CH Media.

Ja. Natürlich. Denn der Sinn einer Verkleidung an der Fasnacht kann sicher nicht darin liegen, sich ein Kostüm auszusuchen, das in einer anderen Kultur verwurzelt ist. Frechheit. Warum denn nicht als «Wilhelm Tell» oder als Schweizer Bergbauer oder als Matterhorn am Umzug teilnehmen? Das wäre politisch korrekt, weil man sich dann an der eigenen Kultur bedient und nicht am Erbe der unterdrückten amerikanischen Ureinwohner oder so.

Ich möchte bitte einen Tag lang nur die Probleme der Leute haben, die aus so etwas ein Problem machen. Es ginge mir danach wesentlich besser. Wobei die Leute, die empört «Rassismus!» schreien, ja nie Direktbetroffene sind. Hat bei Ihnen zuhause jemals ein amerikanischer Ureinwohner oder ein Inuit (früher als «Eskimo» bekannt) geklingelt, weil er es ganz furchtbar findet, dass ihr Kind «kulturelle Aneignung» betrieben hat? Nein, dafür gibt es Stellvertreter. Die kommen meistens aus linksgrün regierten Städten und suchen den lieben langen Tag nach Themen, über die man sich aufregen könnte. Schönes Hobby.

Die Welt spinnt. Das habe ich schon oft geschrieben, aber es wird mit jedem Tag, der vergeht, offensichtlicher.

An der Fasnacht verkleidet man sich. Man wird für wenige Tage zu jemand anderem. Zum Cowboy. Zum Indianer. Zum Mexikaner. Zum Asiaten. Was auch immer. Der Witz liegt ja gerade darin, dass man sich in etwas hüllt, das mit der eigenen kulturellen Identität nichts zu tun hat. Und das soll übergriffig sein? Verletzend für die wahren Träger dieser Kultur?

Ich stelle mir gerade vor, wie sich jemand in Tokio als Schweizer verkleidet. Keine Ahnung, wie das aussehen würde. Vielleicht ein Sennenchutteli und einen grossen Laib Käse in der Hand? Eine Schokolade in der anderen Hand? Oh mein Gott, das schmerzt! Da eignet sich irgendein Japaner MEINE Kultur an! Gohts no!

In Tat und Wahrheit ist den Leuten, die sich da empört ins Zeug legen und «Rassismus!» schreien, das Schicksal der angeblich Betroffenen völlig egal. Es geht nur darum, sich selbst als besseren Menschen zu fühlen. Als moralisch überlegen. Vermutlich hat die Kunstfigur «Winnetou» von Karl May mehr zum Ansehen der amerikanischen Urbevölkerung getan als die ganze «Woke»-Bewegung. May hat Stereotypen geschaffen, klar, wie jeder Autor, aber immerhin positive. Wer bitte mag Winnetou denn nicht, wer hat nicht geweint, als er starb? Wüsste irgendein Kind in Europa ohne Winnetou überhaupt, dass es amerikanische Ureinwohner gab?

Wenn man ein sinnentleertes Leben führt und sich selbst eine Bedeutung aufbauen muss, indem er oder sie für irgendjemand anderen «kämpfen» will, der nicht einmal darum gebeten hat: Bitte sehr. Aber dann lasst doch bitte wenigstens die Kinder in Ruhe Fasnacht begehen. Verkleidet. So, wie sie es möchten. Nein, diese Kinder werden deshalb nicht rassistisch. Sie gehen einfach zur Fasnacht in diesem Aufzug, lieber Himmel, mehr nicht!

Ist es eigentlich auch «kulturelle Aneignung», wenn ein Knabe als Mädchen zur Fasnacht geht? Der bedient sich einfach beim anderen Geschlecht! Wobei, Moment, es gibt ja gar keine eindeutigen Geschlechter mehr, also kann man auch nichts falsch machen. Jeder kann das sein, was er gerade sein will. Ausser natürlich Indianer. Da hört der Spass auf.

Manchmal bedauere ich wirklich, Kinder in diese Welt gesetzt zu haben. In eine Welt, die von Verrückten unterwandert ist, die auf Twitter so laut werden dürfen, dass wir anderen permanent das Gefühl haben, Schwerverbrecher zu sein. Nur weil ein Kind spielerisch für einige Tage lang einen Indianer spielt.

Menschen, die das anprangern, sind nicht die «Guten». Es sind Leute, die verzweifelt als die «Guten» wahrgenommen werden möchten. Für solche Fälle gibt es Psychotherapeuten. Man muss nicht die ganze Gesellschaft die Zeche zahlen lassen für die eigenen persönlichen Defizite.

Trucker aller Länder, vereinigt euch…

In Kanada geschieht Bemerkenswertes. In unseren Breitengraden mochten die Medien aber nicht so richtig berichten über den Aufstand der Truckerfahrer, der nun wirklich nicht zu übersehen war. Schlagzeilen gibt es erst, wenn die Regierung durchgreifen will.

Kanada gilt als eine Art vernünftiges Amerika. Während in den USA eigentlich immer in irgendeiner Weise gerade ein Ausnahmezustand gilt, lebt man in Kanada friedlich und gemeinschaftlich vor sich hin. Corona hat diesen Unterschied einigermassen verwedelt. Auch die kanadische Regierung stürzte sich kopfüber in die allgemeine Hysterie und machte aus dem beliebten Auswanderungsland eine Art Knast.

Das wollte sich, sehr symbolträchtig, vor allem eine Gruppe von Leuten nicht länger bieten lassen, die für ihre Freiheitsliebe bekannt sind: Die Fernfahrer. Tausende Tracks haben sich in den vergangenen Tagen aus Richtung Westen Richtung Osten bewegt, von Alberta nach Quebec City. Dort wollen sie Präsenz markieren, um gegen die Einschränkungen, die dem Schutz vor Covid-19 dienen sollen, zu protestieren. Das Ganze mit vielen schönen Zwischenstopps. Im Moment geht vor allem in Ottawa die Post ab. Die Trucker sind gekommen, um zu bleiben, es war keine kurze Durchfahrt. Erst wenn die Massnahmen beendet seien, werde man die Strassen zum Parlament wieder frei machen, liessen die rollenden Demonstranten vermelden.

In Kanada selbst ist die Sache nicht zu übersehen, und wer mehr darüber erfahren wollte, fand jederzeit Bilder und Videos der Aktion. Dazu musste man aber ein kleines bisschen suchen. Leserinnen und Lesern in der Schweiz wurden die Informationen jedenfalls nicht einfach von selbst in den Newstopf gespült. Wie so oft zensierten sich die Medien gewissermassen selbst. Sobald Protestformen eine gewisse Dimension erreichen, müssen sie ausgeblendet werden. Es könnte hierzulande ja noch jemand getriggert werden.

Im Zentrum der Kritik der Trucker steht Justin Trudeau, Premierminister von Kanada. Er dreht wie viele seiner Amtskollegen rund um den Globus seit langem ziemlich am Rad. Es hilft natürlich nicht, dass er auch ausserhalb der Coronathematik nicht unbedingt wie eine Idealbesetzung wirkt. Aber immerhin hat er dafür gesorgt, dass der Truck-Konvoi nun auch bei uns vermehrt Thema ist. Weil er hart durchgreifen will. Der Protest an sich sollte totgeschwiegen werden, aber nun, da Trudeau den harten Hund spielt, würdigen auch unsere Medien die Angelegenheit. Er fordert Mehr Polizei, er will durchgreifen gegen die Blockierer und so weiter: Das kann man natürlich melden. Die totale Vernunft des Beschützers der kanadischen Volksgesundheit gegen diese bösen Lastwagenfahrer, die ja keine Ahnung haben gewissermassen.

Dort, wo nun berichtet wird, kommt wieder mal die gute alte Diffamierung zum Zug. Der deutsche «Tagesspiegel» nennt die Trucker «Querlenker». Was für ein wunderbares Wortspiel. Da hat der zuständige Blattmacher sicher selbst vor dem Bildschirm wild gekichert. So einfach macht man aus einer Aktion, an der sich Menschen aus gutem Grund beteiligen, lächerlich machen. Queer ist gut, quer ist böse. Man muss die Argumente nicht hinterfragen, die Motivation nicht beleuchten. Journalisten in dieser Zeit stecken ihre Energie lieber in die Kreation von Begriffen, die eine umgehende Schubladisierung ermöglichen. Und den Lesern das Denken abnehmen. Querlenker? Deppen. Weg damit. Schon wieder eine inhaltliche Auseinandersetzung erspart.

Wie bequem.

Juhu, endlich wieder ein «Skandal»

Zwei Professorinnen unterhalten sich nach einer Onlinevorlesung noch privat. Die Aufzeichnung läuft aber weiter, das Resultat wird öffentlich. Der Aufschrei ist gross, weil die beiden Damen nicht nur Nettes über die Studentenschaft gesagt haben. Gähn.

Wenn es einen Skandal gibt, dann den, dass die Professorinnen die Technik ganz offensichtlich nicht im Griff haben. Eine Onlinevorlesung wird natürlich aufgezeichnet für alle, die nicht dabei waren, das Ergebnis ist eine Wissensdatenbank. Mit dem Tratsch loszulegen, während die Kamera noch läuft: Ja, das ist peinlich. Passiert ist das Ganze übrigens an der Universität St.Gallen.

Ja, die Technik war der Klumpfuss. Und natürlich ist es etwas peinlich, sich bei einem als privat geplanten Gespräch zuhören zu lassen. Aber der ganze Rest? Der läuft unter «alles nur menschlich».

Nach jeder Sitzung, nach jedem Teamtreffen, nach jedem Anlass, bei dem mehrere Leute zusammenkommen, gibt es danach bilateral oder unter mehreren Leuten eine Auswertung der anderen Art: Wer hat sich total daneben benommen, wer hatte keinen blassen Schimmer vom Thema, wer ist eigentlich sowieso ganz unausstehlich? Wenn wir auf telepathische Weise laufend wüssten, wie irgendwo gerade über uns gesprochen wird, würden wir vermutlich alle tot umfallen. Der einzige Trost ist, dass wir das selbst auch mit anderen machen.

Nun konnte man das mal aus erster Hand mitverfolgen, doof gelaufen, aber eben: Passieren tut es sowieso. Die allgemeine Entrüstung richtet sich nicht auf die Tatsache, dass die Kamera lief, sondern dass die Dozentinnen Böse Dinge sagten. Reichlich naiv. Das hätten sie auch ohne Kamera getan.

Aber die Professorinnen hatten Pech. Sie haben sich in erster Linie über Studentinnen ausgelassen und deren Arbeitsweise negativ kommentiert. Es ging also um – Frauen. Und damit ist es automatisch ein Skandal. Zwei Frauen, die sich über Frauen das Maul zerreissen? Wie unsolidarisch. Dabei müssten die doch alle zusammenhalten gegen die schreckliche Dominanz der Männer, vor allem der alten und weissen.

Die Ertappten haben selbst nicht viel getan, sie haben einfach das getriggert, was bei der entsetzten Zuhörerinnenschaft tief verwurzelt ist. Sie haben deren Erwartungen nicht erfüllt. Hätten sie sich abfällig über Studenten, also Männer, ausgelassen, dann wäre alles halb so wild gewesen. Mit Garantie.

Vielleicht, aber das darf man natürlich kaum aussprechen, war das, was die Professorinnen gesagt haben, sogar begründet. Vielleicht war es eine kurze Analyse effektiver Probleme. Vielleicht stimmte ihre Einschätzung der Studentinnen sogar. Ich habe keine Ahnung, woher auch? Der Punkt ist aber, dass das kein Thema ist. Man darf einfach nicht darüber sprechen.

Man könnte es auch anders sehen. Fast niemand sagt einem heutzutage die Wahrheit direkt ins Gesicht, wir sind ja alle zu Pflänzchen geworden, die immer gleich beleidigt oder empört sind. Eine versehentlich mitlaufende Kamera bietet also die Chance, sich Gedanken zu machen. Kamen die Professorinnen aus dem Nichts zur gemeinsamen Auffassung, dass die Studenten interessierter erschienen und ihnen die Studentinnen «verloren» vorkamen beim behandelten Thema? Oder entsprach es der Realität, und die Panne ist ein Weckruf, sich künftig bei Vorlesungen stärker zu engagieren?

Spielt alles keine Rolle, denn: Die Frauensolidarität wurde gebrochen. Nur das zählt.

«Schreib!»: Jetzt vorbestellen

Noch rechtzeitig vor Weihnachten wird mein neues Buch «Schreib!» erscheinen. Sie können es bereits vorbestellen.

Auf 264 Seiten erzähle ich in «Schreib!» aus meinen 30 Jahren als Journalist, Buch- und Drehbuchautor und Filmemacher. Parallel dazu gibt es Einblicke in meine Technik und in das, was ich für essentiell halte für jeden, der selbst schreiben will. Nicht im Sinn einer trockenen Anleitung, sondern praxisnah. Ich glaube nicht daran, dass man Bestseller nach einer fixen Technik anfertigen kann. Es geht darum, überhaupt den Mut zu fassen, zu schreiben. Denn Geschichten sind in uns allen. Was uns daran hindert, ihnen Raum zu geben, ist oft eine falsche Zurückhaltung.

«Schreib!» ist im Sommer 2021 entstanden, als ich in unserem Ferienhaus in Wallis sass, verzweifelt schreiben wollte, aber das Wort «Corona» nicht mehr hören konnte. Deshalb habe ich die Flucht in die Vergangenheit angetreten. Ohne behaupten zu wollen, meine berufliche Lebensgeschichte sei einzigartig, wurde mir beim Schreiben doch bewusst, dass es ein spannender Einblick in eine Branche werden kann, die die meisten nur vom Hörensagen kennen. Wie entsteht eine Story beim «Blick», was lief ab bei den ersten Gehversuchen der privaten Schweizer TV-Stationen, wie laufen Dreharbeiten bei einem Kinofilm mit bekannten Schweizer Schauspielern und Laien?

Das und mehr erzähle ich hier, verbunden mit einem Einblick in meine persönliche Arbeitsweise. Wenn es eine unterhaltsame Lektüre ist: Mission erfüllt. Wenn es Sie oder Menschen, die Sie kennen, dazu verführt, das Abenteuer selbst zu wagen: Umso besser.

Das Buch ist derzeit in Produktion und sollte vor Weihnachten auslieferbar sein, bestellbar aktuell direkt beim Verlag. Der Verkaufspreis liegt um die 20 Franken plus Porto. Später wird «Schreib!» auch in ausgesuchten Läden erhätlich sein.

Wer vorbestellen mag: E-Mail an den Verlag unter info@qultur.ch mit Angabe der Adresse reicht.

Und dann kam der Schnee. Und das Feuer.

Ich weiss nicht, wie es bei Ihnen aussieht, aber bei uns im tiefen Osten liegt Schnee. Er scheint gekommen, um vorerst zu bleiben. So ist es auch mit anderen Dingen. Aber der Schnee wird wenigstens irgendwann wieder verschwinden. Anderes nicht.

Er hat Ruhe gebracht, der Schnee. Weiss, friedlich, in sich ruhend. Die Schritte sind gedämpft, auf den Strassen sind etwas weniger Autos unterwegs. Ich mag Schnee nicht besonders, weil ich kein Wintersportler bin und dem Schneeschaufeln nichts abgewinnen kann. Aber am Sonntagabend habe ich den tänzelnden Flocken gern zugesehen. Es war ein Schauspiel, das von allem anderen unberührt blieb. Ein Stück Realität fernab der anderen Realität.

Mitten in der Nacht wurde ich von Lärm geweckt, den ich nicht zuordnen konnte. Ich ging ans Küchenfenster und sah, dass der Dachstock des Hauses gegenüber in Vollbrand stand. Es ist erstaunlich, wie etwas, das vor den eigenen Augen stattfindet, gleichzeitig völlig real und doch surreal wirken kann. Ich sah die Flammen, die langsam von der Wohnung aus das Dachgebälk erfassten. Die Feuerwehr versuchte, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, und die Schneeflocken tanzten dazu. Ich weiss nicht, wie lange ich dort gestanden und das Schauspiel beobachtet habe: Zwei Naturkräfte, zwei Gegensätze, gleichzeitig am selben Ort. Und der Mensch, der versucht, es zu richten.

Die Natur, denke ich am nächsten Morgen, während ich bei einer Tasse Kaffee das übel zugerichtete Haus betrachte, ist wenigstens unberechenbar. Genau das macht uns Angst, aber ist Berechenbarkeit wirklich besser? An diesem Sonntag ist in ganz anderem Zusammenhang das Berechenbare eingetroffen, aber es voraussehen zu können, hat ihm den Schrecken nicht genommen. Wenn die Natur wütet, unberechenbar und vorhersehbar, kann man sich immerhin damit trösten: Es ist Schicksal. Wenn unser Schicksal aber bewusst gesteuert wird, wenn das Schicksal wie eine lange Strasse ist mit unendlich vielen Möglichkeiten, abzubiegen oder wenigstens eine Rast am Strassenrand einzulegen und das einfach niemand tun will und wir stattdessen munter auf eine Klippe zusteuern, ist das viel schwerer zu ertragen.

Das Feuer war eine Einladung dazu, alles zu relativieren. Da hat jemand sein Dach über dem Kopf verloren. Was kümmert diesen Menschen, vielleicht ist es auch eine Familie, das, was an diesem Sonntag sonst noch geschehen ist? Für die Betroffenen hat es die Dinge in eine andere Relation gebracht. Nicht, dass es ihnen ein Trost sein kann. Aber für mich als Betrachter wäre es eine Steilvorlage. Ich könnte es als Zeichen sehen: Nicht alles so ernst nehmen, erkennen, dass es Schlimmeres gibt. Das ist ein Schutzwall, den wir gerne aufbauen, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Es könnte ja noch schlimmer sein, sagen wir dann.

Das kann es immer. Nur scheint es mir feige, mich mit dem Schicksal eines mir unbekannten Menschen zu trösten. Und ich möchte mich eigentlich auch nicht von der Poesie tänzelnder Schneeflocken beruhigen lassen. Das heisst: Doch, ich möchte schon. Es würde sich gut anfühlen. Ich hätte es bitter nötig. Mich verzaubern lassen von dem, was eben einfach geschieht statt zu leiden unter dem, was bewusst herbeigeführt wird. Aber es fühlt sich an wie ein innerer Rückzug. Die Naturkräfte als Beleg dafür nehmen, dass irgendwo eine höhere Macht sitzt, gegen die unser irdisches Treiben ohnehin ein schlechter Witz ist? Das kann ich mir nicht leisten, solange ich auf dieser Erde lebe. Wobei mir «leben» derzeit ein ziemlich grosses Wort dafür scheint.

Ich fahre ins Büro. Schnee liegt auch in der Innenstadt. Ein perfektes Timing für den Weihnachtsmarkt, der dieses Jahr hinter hohen Metallzäunen und mit Sicherheitspersonal vor einem schmalen Eingang stattfindet. Ich bewundere die Leute, die Adventsgefühle entwickeln und denen es keine Rolle spielt, dass sie ihre «Ungefährlichkeit» belegen müssen, um einen Glühwein zu geniessen. Mir fällt auf, dass ich schon einmal an diesem Punkt war: Ein leiser Neid gegenüber denen, die Gleichgültigkeit anknipsen können wie einen Lichtschalter. Vielleicht müssen sie ja nicht einmal einen Schalter betätigen, vielleicht ist sie einfach dort. Wem wirklich alles egal ist, der hat keine Zweifel, keine Ängste, keine Schuldgefühle. Der braucht kein Bier, um einfach mal wieder für ein paar Minuten zu vergessen, was ist.

In wenigen Wochen werden die Tage wieder länger werden. Früher habe ich mir diesen Moment immer herbeigesehnt. Jetzt scheint mir die Dunkelheit wie ein wohliger Kokon, der alles ausblendet, was nicht stimmt, was schlicht falsch ist. Natürlich sind diese Dinge weiterhin da, aber versteckt hinter einer schwarzen Mauer. Es gibt wenig Grund, die Dinge so sehen zu wollen, wie sie sind. Dunkelheit ist in diesen Zeiten eine Gnade.

Das Feuer ist schon lange aus. Im Moment tänzeln auch keine Schneeflocken. Sie haben sich gesetzt. Sie sind da, irgendwann verschwinden sie wieder. Wie wir. Nur dass wir in der Zeit, in der wir da sind, etwas tun können. Wir müssen nicht ruhen. Wir müssen nicht untätig warten, bis wir von der Sonne verbrannt werden. Wir können dafür sorgen, dass die Nächsten eine Welt betreten, in der sie leben wollen. Leben können. Wenn wir uns, wie am Sonntag geschehen, bewusst dagegen entscheiden, eine solche Welt zu schaffen, nehmen wir unsere Verantwortung nicht wahr. Wir lassen die Dinge einfach geschehen.

Wie eine Schneeflocke.

Hass hat auf zwei Zeilen Platz

An dieser Stelle mal eine kleine persönliche Bilanz zu meiner Korrespondenz. Wichtigste Erkenntnis: Wer das mag, was ich schreibe, sagt das oft ausführlich und detailliert. Wer nicht meiner Meinung ist, dem reicht ein Zweizeiler. Was es schwierig macht, Argumente auszutauschen.

Zunächst: Ich kann mich nicht beklagen. Seit Beginn des ganzen Wahnsinns und meiner journalistischen Begleitung desselben habe ich mehrere tausend Rückmeldungen per E-Mail erhalten. Nicht mitgezählt sind Nachrichten auf anderen Kanälen wie Facebook oder via Telefon. Dazu muss man wissen, dass Journalisten in aller Regel nur Feedback erhalten, wenn sie jemandem auf den Schlips treten. Kein Mensch meldet sich normalerweise, um einen Text zu loben. Wir sind auch was das betrifft im Ausnahmezustand.

Denn 85 Prozent dieser Rückmeldungen sind positiver Natur. Menschen melden sich, um sich für einen Text zu bedanken, um zu sagen, dass sie das letzte Jahr nur dank solchen Texten überlebt haben (ich hoffe, das ist eine bildhafte Überzeichnung) oder einfach, um mich zum Weiterschreiben zu animieren. Es ist ein ziemlich neues Gefühl, so viele Reaktionen zu erhalten.

Natürlich sind nicht alle Mailschreiber voll der Begeisterung. Einige sogar ganz im Gegenteil.

Ich finde es durchaus in Ordnung, wenn man dem Autor eines Textes mitteilt, dass man nicht mit ihm übereinstimmt. Im Idealfall sagt man dann auch gleich, was denn mit dem Text nicht in Ordnung war. Wo lag ich falsch, welche Zahl ist daneben, wo liegt ein Gedankenfehler zugrunde? Damit würde ich mich durchaus gerne auseinandersetzen und mich dann auch mit dem Absender austauschen.

Nur gibt es das leider selten. «Selten etwas Dümmeres gelesen», steht da beispielsweise. Oder: «Sie sind ein Schwurbler.» Auch sehr beliebt: «Sie können schreiben, was Sie wollen, es wird dennoch ein Ja zur Abstimmung geben.»

Alle diese Beispiele sind übrigens sprachlich geschönt, die Absender schaffen es recht selten, ein oder zwei Sätze korrekt zu formulieren. Aber ich will hier nicht den «Grammar Nazi» spielen, wenn der Inhalt passt, kann man über Fallfehler hinwegsehen.

Nur: Welcher Inhalt bitte?

So gut wie nie erfahre ich, welcher Text das Wutmail ausgelöst hat. Was angesichts meiner Produktivität das Ganze ein bisschen erschwert. Geschweige denn erfahre ich, was im besagten Text denn so falsch war. Hin und wieder kommt etwas im Sinn von «Die Intensivstationen sind voll, und Sie schreiben so etwas????» (Fragezeichen sind schwer im Trend) Nein, sind sie nicht, aber irgendetwas sagt mir, dass es nichts nützt, wenn ich dem Absender den Link zu einer aktuellen Statistik schicke. Die Leute wollen das glauben, was man ihnen einpaukt, und mir glauben sie sowieso nichts. Selbst wenn ich nur den Hinweis auf eine BAG-Statistik versende. Vermutlich habe ich sogar diese gefälscht.

Wenn ich diese Reaktionen gebündelt anschaue, frage ich mich, mit welchem Recht Massnahmenkritiker als doofe Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt werden. Die Mails, die ich aus dem Ja-Lager zum Covid-19-Gesetz erhalte, lassen weder auf einen halbwegs durchschnittlichen Bildungsgrad noch auf die Fähigkeit, sich eine informierte Meinung zu bilden, schliessen. Es gibt natürlich vereinzelte Ausnahmen, ich hatte durchaus schon gute Debatten mit Kritikern. Aber in der Mehrzahl sind es ziemlich einzellige Anwürfe ohne Argumente, im besten Fall mit der Wiederholung von Schlagzeilen aus den Mainstreammedien. Es gibt beispielsweise einen Herrn, der mir etwa alle zwei Tage den neuesten Panikartikel von blick.ch weiterleitet. Als wenn ich den nicht aus beruflichen Gründen schon längst gesehen hätte. Glaubt der Mann ernsthaft, das würde mich umstimmen?

Was mich aber am meisten ärgert, und zwar an mir selbst: Ich habe es schon längst aufgegeben, die nette Post zu beantworten, weil es schlicht aussichtslos ist, es sind zu viele Mails. Wenn jemand Antwort bekommt, dann eher der Kritiker mit seinem dämlichen Zweizeiler. Einfach, weil es mich juckt, ihm oder ihr mitzuteilen, wie absurd es ist, jemandem, der gerade 6000 Zeichen ausgeführt hat, in zwei Zeilen zu schreiben, er sei doof – ohne ein handfestes Argument. Ich lasse diesen Leuten damit viel zu viel Ehre zukommen. Aber so ist es doch immer: Wir belohnen die Falschen im Leben.

Jedenfalls: Wer mir jemals geschrieben und keine Antwort erhalten hat, soll wissen, dass es kein böser Wille war. Schon gar nicht Arroganz. Ich schiebe buchstäblich tausende von Mails vor mir her, die einzige Alternative wäre, allen eine standardisierte Antwort zu senden. Und das ist auch eher unschön. Stattdessen schlage ich mich fallweise mit Leuten herum, die wirklich nichts zu sagen haben. Aber, und so viel Grösse muss sein, auch sie melden sich aus einem bestimmten Grund. Es sind wohl oft Leute, die systematisch in die Angst getrieben wurden, die alles glauben, was in der Flimmerkiste läuft oder auf Papier gedruckt wird. Ich verstehe durchaus, dass man dann finden kann: Ich will nichts anderes sehen/hören/lesen. So ein bisschen wie die drei Affen im berühmten Sujet. Ich will diese Leute weder verteufeln noch ihnen Böses wünschen. Ich denke nur: Wenn ich mir seit über 1,5 Jahren die Mühe gebe, Argumente zu sammeln, Zahlen und Fakten zu wälzen, Zusammenhänge herzustellen, Vergleiche zu machen, dann sollte man mehr zu bieten haben als den «Schwurbler»-Vorwurf, was auch immer das sein soll.

Aber es soll sich auch niemand Sorgen machen. Alle paar Wochen schreibt mir eine über 80-jährige Frau aus dem Thurgau, die alles verschlingt, was ich lese und bedankt sich dafür. Wenn sich die negativen Stimmen mal ballen, denke ich an diese Dame, die nur eines will: Normal leben. Falls ich in irgendeiner Weise dazu beitrage, dass sie daran glaubt, das werde irgendwann wieder möglich sein, habe ich mein Ziel erreicht. Ohne eines zu haben.

Fördert das Schweizer Filmschaffen! – Äh, welches Filmschaffen?

Wer auch immer sich das ausgedacht hat: Die Medikamentierung ist falsch eingestellt. Die «Lex Netflix» ist ein an Absurdität schwer zu überbietendes Ding. Man will uns mal wieder etwas aufzwingen, was gar keiner will.

Streamingdienste sollen ein paar Prozent ihrer Einnahmen abdrücken, um das Schweizer Filmwesen zu pushen (und würden diese Prozente natürlich an die Abonnenten überwälzen). Gleichzeitig müssten sie einen erklecklichen Teil ihres Angebots dem Schweizer Filmschaffen widmen und dieses möglichst prominent bei sich anpreisen. Das in etwa ist der Inhalt des umgangssprachlich «Lex Netflix» genannten Vorhabens der Politik.

Man könnte die Sache hier abkürzen und einfach feststellen: Es ist mit Sicherheit nicht die Sache des Staates, privaten Anbietern ihr Angebot vorzuschreiben und erst noch Geld von ihnen abzuführen, um eigene Bedürfnisse abzudecken. Das ist auf so vielen Ebenen falsch, dass man es für eine Erfindung der Schildbürger hält. Darüber hinaus gibt es aber auch noch ganz konkrete Gründe, warum das Schweizer Filmschaffen nicht auf diese spätsozialistische Weise «gefördert» werden sollte.

Ich bin ein Streamer. Ich habe seit Ewigkeiten kein lineares TV mehr geschaut. In meiner Kindheit war 20.15 Uhr eine Art heiliger Gral, aber heute gibt es keinen guten Grund mehr, mir von Programmverantwortlichen vorschreiben zu lassen, was und wann ich es sehen will. Rund um den Globus, und das ist das Verdienst der Streaminganbieter, gibt es derzeit unzählige fantastische TV-Produktionen, seien es Filme oder Serien, und ich kann mir für relativ wenig Geld aussuchen, wonach ich gerade Lust habe. Das hier ist das Jahr 2021, und da sollte es nicht anders sein.

Aber eben, der Protektionismus. Die doofen Schweizer stürzen sich auf Hollywood, ziehen sich perfekt gemachte spanische oder nordische Produktionen rein und lassen Schweizer Werke einfach links liegen – das kann es doch nicht sein!

Also sollen die Streamingdienste mindestens mal 4 Prozent von dem, was sie bei uns verdienen, an den Staat abdrücken und sich gleichzeitig verpflichten, das Schweizer Filmschaffen ins Schaufenster zu stellen, und das in geballter Weise. Das will die «Lex Netflix» erreichen. Kommt sie durch, gilt sie, und wenn sie nicht eingehalten wird, dann… ja, was denn dann eigentlich? Zieht man Netflix, Sky, Amazon Prime usw. den Stecker? Das möchte ich gerne sehen. Wirklich.

Ich habe auch mal einen Kinofilm gemacht, und ich bin stolz darauf. Ein weiterer wird bald zu sehen sein. Es ist schön, wenn wir nicht nur Filme konsumieren, sondern sie auch realisieren. Aber ein staatlich verordnetes Recht auf Streamingpräsenz, egal, wie gut oder schlecht der Streifen ist? Erfolgreiche Unternehmen sollen unser Filmschaffen alimentieren, ohne zu wissen, was rauskommt dabei?

Es gibt eine Art lauwarmen Streamingdienst namens «Play Suisse». Es käme mir am Feierabend nach einem harten Tag nicht in den Sinn, dort nach Unterhaltung zu suchen, weil ein Treffer reine Glückssache ist. Es gibt ganz einfach nicht genug Schweizer Produktionen, welche die ganze Welt elektrisieren, und auch für die eigene Bevölkerung reicht es selten. Daran ändern auch 4 Prozent der Streamingeinnahmen nichts. Die Dänen machen es uns vor, die Spanier, viele andere, sie werfen Serien auf den Markt, die man überall sehen will, wir aber schaffen es nicht. Haben die mehr Geld als wir? Kaum. Aber sie haben Ideen und sind mutig.

Die Schweizer Lösung heisst Zwang. Zwangsabgabe der Streaminganbieter, Quote beim Angebot. Dafür müssten Netflix und Co. dann vermutlich Produktionen rauswerfen, die wir wirklich sehen wollen. Was für eine absurde Form von Heimatschutz.

Es gibt einen Markt. Lanciert eine Serie, die man gesehen haben muss, und Netflix wird sich drauf stürzen. Die wollen ja gute Inhalte. Und sie wollen Geld verdienen. Die beiden Dinge lassen sich durchaus verbinden. Aber ganz bestimmt nicht mit Zwang. Daraus entsteht nie was Gutes.

Unser Problem ist, dass wir panische Angst vor Unterhaltung haben. Es muss immer eine Botschaft rein. Gesellschaftlich wertvoll, politisch korrekt. «Haus des Geldes» im Umfeld unserer Nationalbank: Das hätte doch niemand gefördert. Ist doch pädagogisch nicht wertvoll, wenn eine Bande von Kriminellen zu Helden wird. Lasst uns stattdessen ein Sozialdrama machen, das gesellschaftliche Missstände beleuchtet, und dafür werden die drei oder vier Schauspieler eingesetzt, die wir immer nehmen. Bloss nichts wagen? Das ist in aller Kürze der Schweizer Film.

Und dem will man nun mit einer Zwangsabgabe mehr Mittel zuführen und ihm gleichzeitig mit einem Zwang einen fixen Platz bei den Streaminganbietern verschaffen. Die Beamten des Bakom werden dann Tag für Tag kontrollieren, dass Netflix und Co. das machen, was unsere Demokratie beschlossen hat. Schönes neues TV.

Ein kleiner Tipp an die Leute, die auf diese Weise das Schweizer Filmschaffen fördern wollen: Finanziert einfach etwas, das die Streaminganbieter aus eigenem Antrieb zeigen WOLLEN, weil es funktioniert und ein Publikum findet. Dann sind wir endlich auf der Landkarte des internationalen Films, dann bringen auch Produzenten Geld, dann erfüllt sich eure Wunschquote von ganz allein.

Was gut ist, setzt sich durch früher oder später. Quoten sind nichts anderes als ein Mittel, um Sterbende noch eine Weile lang halbwegs am Leben zu erhalten.

Ein Comeback ohne eigenes Zutun

Joe Biden ist entzaubert, und das in Rekordzeit. Donald Trump ist im Aufwind, ohne etwas dafür zu tun – und nachdem man ihn schon lange abgeschrieben hatte. Das belegt vor allem eines: Wer X wählt, nur um Y loszuwerden, bekommt eben X, basta. Selbst wenn er nichts taugt.

Donald Trump ist Mr President, nach wie vor. Diesen Titel verliert man nicht nach seiner Amtszeit, ob man ordentlich abgetreten ist oder abgewählt wurde. Er bleibt einem lebenslang erhalten. Ansonsten ist Trump nichts mehr, jedenfalls offiziell. Er kann sich der Verbesserung seines Golf-Handicaps widmen.

Aber das dürfte ihm aktuell schwerfallen. Denn nach den Irrungen und Wirrungen seiner letzten Wochen im Amt und der Zeit direkt danach inklusive Sturm aufs Kapitol war er zwar vorübergehend zur Unperson geworden, und es schien klar, dass die Republikaner nun ohne ihn planen, Jetzt steht er wieder im Rampenlicht. Nicht durch eigenes Zutun, sondern weil den Wählerinnen und Wählern allmählich auffällt, dass sie einen Denkfehler gemacht haben: Beim Bestreben, das Alte loszuwerden, haben Sie das Neue nicht genau angeschaut.

Dieses «Neue» ist ziemlich angegraut. Bei allem Ehrfurcht vor dem Alter, und es gibt viele geistig fitte und bewegliche Leute jenseits der 80: Joe Biden wirkte schon im Wahlkampf reichlich desorientiert und gelegentlich wirr. Seine bisherige Politik räumt die Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit nicht aus. Zwar tritt er nicht zielsicher in jedes Fettnäpfchen wie Trump, aber Handfestes lieferte Biden bisher nicht. Trump gab den USA immerhin ein Gesicht. Dieses gefiel nicht allen, vor allem dem Ausland nicht, was auch oft an der einseitigen Berichterstattung der hiesigen Medien lag. Aber wenigstens für einen Teil der Bevölkerung blieb Trump in seinen vier Jahren eine Identifikationsfigur, was Biden beim besten Willen nicht gelingt. Er wurde bisher nie mehr als der «Anti-Trump», und das ist einfach kein Programm. Beziehungsweise: Es wird erst zu einem, wenn sich politische Erfolge einstellen.

Diese Erfolge garnieren auf Bundesstaatenebene aber aktuell die Republikaner. Gleichzeitig zerfallen die Umfragewerte von Biden. Es fällt schwer, diese Entwicklungen völlig von der Person von Trump zu lösen, obwohl er in der Politlandschaft keine offizielle Rolle mehr spielt. Aktuell würde seine Partei wohl kaum verkünden, wieder auf den abgewählten Präsidenten zu setzen, aber Trump war schon immer gut darin, auf seine Chance zu lauern.

Joe Biden wurde nicht Kraft seiner Person zum Präsidenten, sondern weil sich nach vier Jahren Trump eine wachsende Zahl von Wählern offensichtlich mit der Situation nicht mehr besonders wohl fühlte. Realpolitisch vorwerfen konnte man Trump wenig, aber die dauernde Polarisierung rund um ihn wurde einigen wohl zu viel. Allerdings folgt auf jede Aktion eine Reaktion. Drum prüfe, wer sich für vier Jahre bindet: Wer Biden gewählt hat, um Trump loszuwerden, muss nun feststellen, dass sich das nicht unbedingt ausgezahlt hat.

Ob Trump wirklich vor einem politischen Comeback steht, ist offen. Die Hürde ist hoch. Sicher ist, dass seine Arbeit dank seinem Nachfolger nun einige Zeit nach der Abwahl anders bewertet wird als zuvor. Aus einem hartgesottenen Trump-Gegner wird deshalb noch kein flammender Anhänger. Aber entscheidend ist die nüchterne Mitte, die nun feststellt, dass nicht immer etwas Besseres nachkommt.