Keine Sorge, nicht wirklich. Aber eine Frage: Würde es zu einem Aufschrei bei unseren Medien führen, wenn der «Philanthrop» George Soros die diplomatiebefreite deutsche Aussenministerin vor den Wahlen zum Gespräch treffen würde?
Zwei erwachsene Menschen führen ein Gespräch. Sie tun das öffentlich zum Mithören. Das geschieht jeden Tag millionenfach im Radio oder in Podcasts. Nun aber ist diese an sich recht gewöhnliche Ausgangslage eine Bedrohung gigantischen Ausmasses. Elon Musk spricht mit AfD-Politikerin Alice Weidel: Was für eine unzumutbare Einmischung in die deutsche Innenpolitik, was für eine Wahlbeeinflussung, was für eine Gefahr für die Demokratie!
Man muss sie einfach lieben, unsere Journalisten. Sie verlassen das Haus nur mit Velohelm und Stahlkappenschuhen, weil sie schliesslich gleichzeitig von einem Meteoriten getroffen werden und in eine Leiter laufen könnten. Das Böse lauert überall, und würden sie uns nicht unablässig davor warnen, wären wir alle längst tot. Was wiederum gelegentlich eine Erleichterung wäre, dann müsste man keine apokalyptischen Ankündigungen mehr lesen.
Es war völlig in Ordnung, als sich Politiker und Medien quer durch Europa vor den Wahlen in den USA gegen Donald Trump und für Kamala Harris aussprachen. Das war selbstverständlich keine Einmischung in ausländische Angelegenheiten, weil die Warnrufe der Rettung der Welt dienten. Es wäre auch völlig in Ordnung gewesen, wenn die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock beim US-Philanthropen George Soros zu Gast gewesen wäre und zur Wahl der Grünen aufgerufen hätte. Denn beide wollen nur das Beste für uns.
Aber Elon Musk und Alice Weidel: Das ist ja die Idealbesetzung für ein Barbecue in der Hölle.
Danke für Ihr freiwilliges Abonnement.
Zugehört haben sie natürlich dennoch, meine Berufskollegen. Sie mussten schliesslich nach dem Gespräch einen «Faktencheck» liefern. Und bei Musk und Weidel wurde so viel Unsinn erzählt! Hitler soll eigentlich ein Kommunist gewesen sein? Unmöglich, der hat doch Krieg gegen die Kommunisten geführt! Da gab es so viel richtigzustellen! Aber die Energie dafür hatten die Faktenchecker. Was sollten sie auch sonst tun? Überprüfen, ob der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck eine Ahnung von den elementaren Regeln der Marktwirtschaft hat? Nicht doch, unnötig! Der hat früher schliesslich erfolgreich Kinderbücher auf den freien Markt gebracht.
Nur bescheidene 200’000 Leute hätten das Gespräch zwischen Musk und Weidel in einem dafür eingerichteten «Space» auf X gehört, frotzeln die Journalisten. Natürlich lief die Sendung auch auf zahllosen Streams in anderen Medien und auf YouTube; allein beim Radiosender Kontrafunk, für den ich tätig bin, schaltete sich eine halbe Million Menschen ein. Kumuliert müssen es etliche Millionen von Zuhörern gewesen sein. Aber erstaunlicherweise findet sich kein Faktenchecker, der die kolportierten 200’000 hinterfragt. Schleierhaft.
Aber keine Frage, es ist beunruhigend, wenn sich ein schwerreicher Mann mit all der Macht, die er hat, in die Politik einmischt. Ausser eben natürlich beispielsweise George Soros mit seinen zahlreichen Stiftungen, mit denen er Geld in alle möglichen NGO pumpt. Denn er – habe ich das bereits erwähnt? – rettet damit ja die Welt. Und die Demokratie. Und die Goldfische. Elon Musk hingegen will die Demokratie zerstören. Deren grösste Bedrohung ist, wie wir alle wissen, die Meinungsfreiheit. Denn sie gefährdet die Wahrheit, die zuvor von Regierungen und ihren Medien definiert wurde.
Die freie Rede ist der Sargnagel zu unserer Gesellschaft.
Menschen, die miteinander sprechen, sind ein Damoklesschwert.
Dinge zu hinterfragen ist ein Schwelbrand.
Und die Wahrheit ist eine Einbahnstrasse, die von oben nach unten führt und auf keinen Fall durch Haltestellen zum Nachdenken gestört werden darf.
Diesen Blog gibt es dank Ihnen. Merci.
