Dieser Mann hier bildet «die Öffentlichkeit». Im Alleingang.

Es gibt eine einzige offizielle «Öffentlichkeit», es gibt eine einzige publizierte Wahrheit, und wer an etwas anderes glaubt, der bildet eine «Gegenöffentlichkeit» und ist nicht mehr rational. Das erklärt uns ein Journalist aus Österreich. Besser kann man sich gar nicht enttarnen.

Der sympathische Herr oben im Bild ist Florian Klenk, seit 2012 Chefredakteur des Wiener Wochenmagazins «Falter»; seit einigen Jahren fungiert er auch als Mitherausgeber. Das Medium wird allgemein als «links-liberal» eingestuft. Wobei mit dem Begriff «liberal» ja seit vielen Jahren Schindluder betrieben wird.

In nicht einmal einer vollen Minute legt Florian Klenk im «ARD Presseclub» offen, was mit seinem Berufsstand nicht stimmt. Indem er sagt, was die meisten seiner Berufskollegen offenbar denken: Sie selbst bilden «die Öffentlichkeit», was sie verlautbaren, ist die «öffentliche Meinung», alles, was dagegen spricht, stammt aus «alternativen Medien, die von einer «Gegenöffentlichkeit» konsumiert werden.

Man muss sich das bitte im Original geben:

Ich habe in der Küchenschublade ein Skalpell gefunden, keine Ahnung, warum das dort rumlag, aber nun können wir diese rund 50 Sekunden sezieren:

  • Florian Klenk sagt, die «rechtspopulistischen Wähler» würden zu ihrer Meinung kommen, «weil sie in einer anderen Öffentlichkeit informiert werden». Es gibt also offenbar verschiedene «Öffentlichkeiten». Spannende Sache, wie kommt es dazu?

Nicht einmal das auf links-woke gedrillte Wikipedia kommt auf die schräge Idee, dass sich die «Öffentlichkeit» unterteilen lässt. Es gibt verschiedene Lager, unterschiedliche Meinungen, aber wie kann es mehrere «Öffentlichkeiten geben?

Danke für Ihren freiwilligen Abobeitrag für diesen Blog.

Lassen wir, grosse Ausnahme, also Wikipedia zu Wort kommen:

Öffentlichkeit ist der Bereich des gesellschaftlichen Lebens, in dem Menschen zusammenkommen, um Probleme zu besprechen, die in politischen Prozessen gelöst werden sollen. Dafür muss der Zugang zu allen Informationsquellen und Medien frei sein, und die Informationen müssen frei diskutiert werden können. In diesem frei zugänglichen (öffentlichen) Raum soll sich die Mehrheitsmeinung ungestört durch Zensur und andere Barrieren herausbilden können.

Wenn ich das richtig lese, wird Öffentlichkeit gerade darüber definiert, dass ALLE Informationsquellen frei sind und frei diskutiert werden können. Das steht leicht im Widerspruch zu Florian Klenks Definition, wonach ein Teil der Informationsquellen eine «Gegenöffentlichkeit» bedient.

Aber weiter im Text. Wie kommt es denn zu dieser «anderen Öffentlichkeit», wie geraten Leute unversehen in diese rein? Klenk hat das Wort:

  • «…weil sie nicht ARD Presseclub schauen, den Falter oder Profil lesen, FAZ oder die Welt.»

Gut, dann ist das hiermit geklärt. Wer zur «offiziellen Öffentlichkeit» gehören möchte, muss die besagten Medientitel oder wenigstens ein anderes «traditionelles» Medium konsumieren. Stattdessen aber, so Klenk weiter, würden die besagten Wähler rechtspopulistischer Parteien «in einer alternativen Medienwelt informiert werden» – und damit Teil der «Gegenöffentlichkeit» werden.

Ich habe selbst diverse Medien betrieben, habe bei der Gründung aber offen gesagt nie ein Formular erhalten, mit dem ich unseren Titel bei der besagten offiziellen Öffentlichkeit anmelden konnte. Daher frage ich mich ein bisschen, wie diese Unterscheidung gemacht wird. Wer darf da im exklusiven Club der einzig realen Öffentlichkeit mitmachen, und wer wird Richtung alternative Medien ausgespuckt? Welches Gremium definiert das?

Gehen wir weiter. Wie konnte denn nun diese andere, alternative Öffentlichkeit überhaupt entstehen, und warum haben wir das so lange nicht mitgekriegt? Lassen wir es uns vom Herrn Chefredakteur erklären:

  • «Und hier entsteht (…) eine Gegenöffentlichkeit, die wir gar nicht wahrnehmen, weil wir dort nicht sind.»

Huch, eine Art Geheimbund? Freimaurer 2.0? Geschlossene Türen, ein Passwort für den Zutritt, und Leute wie der rührige Florian Klenk kriegen keinen Zutritt? Dort versteckt sich also die «Gegenöffentlichkeit», die in Konkurrenz steht zur einzig wahren, einzig richtigen echten Öffentlichkeit. Ein bisschen wie das schwarze Schaf der Familie, das in die Drogen abgerutscht ist, aber man bekommt das gar nicht mit und auch nicht mehr an ihn heran, weil man sich selbst natürlich nicht in irgendwelchen Drogenhöllen aufhält.

Aber warum ist das alles nun ein Problem, Herr Klenk?

  • «Davor würde ich gern warnen: Nicht zu glauben, die Wähler sind ganz rational.»

Es wird immer dramatischer. Diese Gegenöffentlichkeit, welche die richtige Öffentlichkeit – gebildet allein aus ARD- und FAZ- und Unsoweiter-Konsumenten – unterwandert, züchtet Wähler heran, die dann nicht mehr ganz rational sind. Weil natürlich nur eine Öffentlichkeit, die sich über öffentlich-rechtliche Sender und grosse Verlagshäuser informiert, zu einem rationalen Gedanken fähig ist.

Mir fällt gerade auf, dass es in Texten wie diesen immer seltener nötig ist, eine Pointe zu setzen, weil sie selbsterklärend ist.

Dieser Blog ist kostenlos. Es gibt ihn dank Ihrem freiwilligen Beitrag. Danke!

Ich schliesse deshalb mit einem weiteren kurzen Clip, in dem Florian Klenk seine Thesen ausbreiten darf, dort aber auf Norbert Bolz trifft, einen Medien- und Kommunikationstheoretiker, der Klenk intellektuell um Lichtjahre abhängt und ihm die Absurdität seiner eigenen Argumentation um die Ohren schlägt.

Nur dass Florian Klenk das vermutlich auch hier nicht gemerkt hat.

Bild: Manfred Werner (Tsui) – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53399305