Die NZZ staunt darüber, wie «folgsam» wir waren. Ich nicht.

Fünf Jahre ist er her, der Beginn des Versuchs, die Welt umzukrempeln. Die Welt ist noch immer geteilt in solche, die es durchschaut haben und die anderen, die noch auf dem Totenbett der Lüge das Wort sprechen würden. Was die NZZ zum «Jubiläum» macht, lässt tief blicken.

Vor fünf Jahren veränderte eine Fledermaus auf einem Markt im chinesischen Wuhan die globale Gesellschaft. Die ganz grosse Katastrophe wurde abgewendet durch harte Massnahmen gegen das frei gesetzte Virus und Impfungen, die deren Folgen wirksam bekämpften. Gegen den Widerstand von Leuten, die einfach nicht auf die Wissenschaft hören wollten.

Wobei, Moment. Es war ja wohl doch eher das Labor in Wuhan, das in chinesisch-amerikanischer Freundschaft an Virus-Mutationen werkelte. Die Massnahmen liessen sich in «nützt nichts» und «schadet viel» unterteilen, eine dritte Kategorie gab es nicht. Die mRNA-Wirkstoffe hingegen taten beides: Sie nützten nichts gegen das, was versprochen war, richteten aber nachhaltigen Schaden an. Und die besagten kritischen Leute verweigerten sich nicht der Wissenschaft, sondern forderten, dass sich diese auf ihre Aufgabe besinnt: Ohne Einfluss der Politik Erkenntnisse zu liefern.

Es war also alles ganz anders, aber davon liest man in diesem Beitrag der NZZ nichts. Er heisst «Vor fünf Jahren verschreckte das Coronavirus die Welt. Heute staunt man, wie folgsam wir waren» und ist hier nachzulesen. Man kann ihn auf verschiedene Weise deuten. Staunt die Autorin über sich selbst und ihre grenzenlose Demut? Die ihres Umfelds? Die der Gesellschaft insgesamt? Und warum staunt sie überhaupt? Ihre Zeitung hat ja mitgemacht bei der Mission, die Menschen zur «Folgsamkeit» zu treiben. Sie sollte nicht staunen darüber, dass Menschen sich einfach lenken liessen; höchstens darüber, wie verdammt einfach es war.

Tauchen wir mal kurz ein:

«Wer erinnert sich noch an die mit einem roten Band abgesperrten Parkbänke? An die Polizisten, die patrouillierten und jeden, der gegen die Vorschrift verstiess, mit bis zu 200 Franken büssten? An die Markierungen für Warteschlangen mit dem Ziel, dass man Abstand hält?»

Oh, ich erinnere mich. Und wie ich mich erinnere. Und sollte ich das irgendwann nicht mehr tun, muss ich nur nachlesen, was ich darüber geschrieben habe. Den öffentlich sichtbaren Wahnsinn habe ich unzählige Male beschrieben. Mit einer mir sonst eher fremden Emotionalität habe ich das beispielsweise hier gemacht. Ich erinnere mich auch lebhaft an die Hassmails, die ich danach erhalten habe. «Ich könnte kotzen», schrieb damals eine Frau. Kotzen, weil ich offenbar den Verlust eines Vaters an gemeinsamen Erlebnissen mit seinen Kindern über die öffentliche Gesundheit setze.

Danke für Ihre freiwillige Unterstützung.

Hin und wieder denke ich an diese Frau. Ist sie aus dem Tiefschlaf aufgewacht? Hat sie gemerkt, wie widersinnig das alles war? Liest sie die Enthüllungen darüber, wie es wirklich war?

Kaum, denn das tut fast keiner, und das beschreibt eben auch die NZZ. Vorbei ist vorbei, sagen Leute, die wollen, dass es vorbei ist. Wenn ich etwas vergesse, dann nur, weil mein Kopf zu voll ist, und danach schäme ich mich dafür. Hin und wieder ist das Vergessen aber auch ein bewusster Akt. Man nennt ihn Verdrängung. Es ist ein verständlicher Impuls, wenn die Erinnerung zu anderem führen würde: Scham über das eigene Verhalten. Davon liest man hier nichts.

Zur Ehrrettung der NZZ-Autorin: Sie ist Redaktorin im Feuilleton, und was nach einer Bilanz der Coronazeit klingt, ist in Wahrheit eine Buchbesprechung. Dennoch ist es fahrlässig, mit welcher Selbstverständlichkeit sie die Jahre des Unrechts schildert. Ist ja schön, wie sie aufzählt, dass alte Menschen einsam starben, Läden zugrunde gingen, sich Leute in ihren Wohnungen einbunkerten. Aber es bleibt bei der Aufzählung. Weil sie eben nur ein Buch bespricht und dafür die damalige Situation beschreibt.

Aber kann man das wirklich tun ohne den Verweis, dass alles für nichts war? Beziehungsweise für sehr viel – aber nicht für die Gesundheit, nicht für die Bevölkerung? Als würde man ein Naturgesetz beschreiben, etwas, das eben einfach war und das sich nicht ändern liess?

«Trotzdem erlebten viele die Krise als eine soziale Erholung», steht da. Ich muss tief Luft holen. Es gibt auch Leute, die es als Erholung erleben, wenn man ihnen ins Gesicht spuckt. Jeder, wie er möchte. Aber was ein solcher scheinbar lapidarer Satz völlig ausblendet: Man konnte diese Krise nur «als eine soziale Erholung» erleben, wenn man «folgsam» war, wie es in der Ausgangsfrage des Artikels heisst. Stand man auf der anderen Seite, war man davon überzeugt, dass das alles nicht wahr sein kann, dass das alles nicht wahr sein darf, dann war nichts davon «erholsam». Es war eine Tortur. Denn man wurde vom Staat verfolgt, wenn man nicht tat, was die reine Willkür forderte, man wurde von der Politik und den dieser hörigen Medien als Verrückter, als Gefährder oder schlicht als Mörder von Oma und Opa bezeichnet. Ich habe mich danach jedenfalls nicht sonderlich erholt gefühlt.

Es macht rasend, wie in diesem Artikel jedem Anflug der Erkenntnis umgehend eine belanglose Feststellung folgt – oder er einfach für sich stehen gelassen wird.

Zitat: «Das Virus hatte auch die Medien im Griff. Über etwas anderes zu schreiben, wirkte frivol. Journalisten wurden erfinderisch. Seismografisch griffen sie gesellschaftliche Phänomene auf, die sich auf das Virus zurückführen liessen. Also fast alles.»

Ja, die Medien haben alles ausgewalzt rund um Corona, was sie finden konnten. Aber sie haben so viel mehr getan als das. Sie haben die Panik befeuert, haben kluge Köpfe, die Fragen oder Zweifel hatten, in die Versenkung und den beruflichen Ruin geschrieben, sie haben eigenmächtig eine einzig gültige «Wissenschaft» gekürt und alle diskreditiert, die sich dieser nicht unterworfen haben. Die Medien waren nicht «seismografisch», sie waren manipulativ, zerstörerisch, hetzerisch.

«Das Ende der Pandemie brachte es mit sich, dass man das seither alles wieder vergessen hat. Man schlägt sich durch, ohne darüber nachzudenken.»

Das steht am Ende des Textes, und ich frage mich gerade: Wer ist «man»? Wer hat «alles wieder vergessen»? Wer «schlägt sich durch», als wäre nichts gewesen?

Das können nur Leute ohne Gewissen tun. Und die Profiteure des Ganzen. Die gibt es zahlreich. Aber zu behaupten, dass das Vergessen kollektiv ist und damit auch zu suggerieren, dass das grosse Vergeben eingesetzt hat: Das ist vielleicht mehr Wunschdenken als ein Rapport der Wirklichkeit.

Man vergisst nicht so schnell, wenn sich die Wunden tief eingegraben haben.

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