Wissenschaft ist was Tolles. Wenn ihre Erkenntnis aber den gesunden Menschenverstand überflügen, ist Vorsicht angesagt. Kleines Beispiel gefällig?

An dieser Stelle erwarte ich von der Leserschaft eine Portion Mitgefühl. Aus beruflichen Gründen muss ich auch Dinge lesen, bei denen ich schon beim Titel (oder beim Bild) weiss, dass es mir nicht gut tut. Am Sonntag war das der Fall, als der «oberste Kantonsarzt» zu Wort kam. Logisch, was er zu sagen hatte: Achtung, noch nicht vorbei, so viele Fälle wie noch nie usw. usf. und papipapo und sowieso.

Wer es nachlesen mag, bitte sehr. In der Zwischenzeit habe ich einige Fragen:

  • Stell dir vor, laut Wetterforschern müssten wir seit Tagen gerade den Sturm des Jahrhunderts erleben, nur wütet in der Realität nicht mal ein leises Lüftchen. Würden wir dann die Möbel festketten und uns im Keller verschanzen? Wen interessieren die Zahlen des Herrn im «Blick», wenn gar nichts passiert?
  • Wie immer, wenn es um die angeblich so dramatischen Fallzahlen geht, wird irgendwo per äxgüsi ein Nebensatz eingefügt, wonach sich diese nicht auf die Zahl der Hospitalisationen auswirken. Vielleicht müsste man aus dieser Information mal den fetten Titel basteln – statt immer umgekehrt. Denn DAS ist die wesentliche Aussage, nichts anderes.
  • Angesichts dieser Zahlen sollten wir die Maskenpflicht im ÖV verlängern, findet der Mann. Wozu genau? Damit (wenn überhaupt) die von ihm präsentierten Zahlen sinken, die gar keine Konsequenzen haben? Kann man weniger Probleme haben als kein Problem?
  • Das Virus sei saisonal, sagt der gute Herr Hauri, im Herbst könnte es wieder richtig zuschlagen. Ach, und was ändert sich daran, wenn wir jetzt, im nahenden Frühling, die Maske tragen? Soll das eine Art Prävention sein? Oder vielleicht dazu führen, dass wir uns die Maske gar nicht erst abgewöhnen?

Das Muster ist das Folgende. Wirf aktuelle Zahlen und Vergleichszahlen von früher in einen Topf, dazu noch ein paar aktuelle und frühere Massnahmen und eine Prise blinde Prognose für die Zukunft dazu. Diesen Brei hältst du einfach munter am Köcheln und wirfst hin und wieder einen Löffel voll vor die Medien, die gierig danach schnappen.

Im Moment liegen viele Leute flach. Nicht im Spital, einfach zuhause. Kein Wunder. Wir haben unserem Immunsystem ja auch erfolgreich abgewöhnt, seinen Job zu machen. Warum Ärzte so selten auf diesen einfachen Sachverhalt hinweisen und stattdessen munter der Maske weiter das Wort reden: Es ist ein Rätsel.