Ich muss heute einen ziemlich furchtbaren Artikel verlinken. Vielleicht einen der furchtbarsten der letzten Monate. Es geht nicht um Fallzahlen, Impfungen oder Lockdowns. Es geht um den neuesten Fall von Diffamierung, und benutzt werden Kinder.

Falls Sie es noch nicht gewusst haben: Rund um Covid-19 gibt es klare, belegbare Fakten, die Behörden arbeiten seit zwei Jahren ausschliesslich damit, alles, was sie prognostiziert haben, ist eingetreten, sämtliche ergriffenen Massnahmen haben wundervoll gewirkt, und negative Folgen gab es keine. Wer das alles nicht unterschreibt, ist ein verantwortungsloser Verschwörungstheoretiker und schädigt seine Kinder auf ewig.

Siehe da, Artikel von 20min.ch lassen sich in 20 Sekunden zusammen. Das hier war eine Kurzversion dieses Beitrags.

Es ist der nackte Wahnsinn, dass im Januar 2022 Journalisten noch immer im Brustton der Überzeugung hinter dem stehen, was geschehen ist und alles andere in eine unappetitliche Schublade stecken. Wenn sie dann noch weiter gehen und fabulieren, Kinder seien die Leidtragenden von Eltern, die nachdenken und Kritik üben (und nicht etwa Leidtragende der Politik), dann löst das nur noch Fassungslosigkeit aus.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie sind also seit 2020 überbeansprucht, weil so viele Eltern nicht einfach brav Bundesrat, BAG und Task Force nachbeten? Weil sie nicht einfach alles beklatschen und alles tun, was man ihnen sagt, selbst wenn es offensichtlich ist, dass es in eine Sackgasse führt? Das schädigt Kinder?

Ich würde sagen: Im «schlimmsten» Fall hilft man so seinem Nachwuchs, zu einem Menschen mit Rückgrat, Zivilcourage und gesundem Menschenverstand zu werden.

Natürlich gibt es unter Massnahmenkritikern Leute, die sich im Gestrüpp der Thesen verheddert haben und nicht mehr herausfinden. Natürlich kann das für das Umfeld schwierig werden. Aber so zu tun, als wären Eltern, die am ersten Tag Richtung Zertifikat stürmten und gierig darauf warten, ihre Kinder impfen zu dürfen, leuchtende Beispiele der Erziehungswissenschaft, das ist ziemlich… mutig.

Wenn irgendwelche Fachstellen auch noch beklagen, mit solchen verblendeten Verrückten sei leider «irgendwann keine Diskussion mehr möglich», schwankt man wieder zwischen lachen und weinen. Dass die Diskussion nicht möglich ist, liegt in erster Linie daran, dass jeder noch so berechtigte Zweifel weggewischt und ausgesperrt und mit einem Bann belegt wurde. Die Leute, die die Gefahr des Virus und den Sinn von Massnahmen anders beurteilen als Regierung und Behörden, hätten ja gerne diskutiert. Aber jede Wortmeldung macht sie zu Nazis, zu Verschwörungstheoretikern, zu Aluhutträgern und so weiter. Während Leute, die munter alles befolgt haben, von dem sich inzwischen sehr, sehr vieles als kreuzfalsch erwiesen haben, werden regelrecht eingeladen, sich weiter zu äussern. Sie sind offenbar Botschafter der Wahrheit – und perfekte Eltern.

Nach einem halben Jahr in der Coronasituation hätte man meinetwegen sagen können: Die Verunsicherung ist gross, dass viele übereifrig mitmachen, ist verständlich. Aber nach zwei Jahren? Nach einer Kaskade der völlig falschen Panikprognosen? Nachdem ganz sichtlich zum einen unnötige Massnahmen getroffen wurden, zum anderen das nicht getan wurde, was nötig gewesen wäre? Am 28. Januar 2022 einen Artikel publizieren, in dem immer noch beinhart so getan wird, als wäre die offizielle Politik eine Erfolgsgeschichte gewesen und jeder, der sich dagegen stellt, ein Verirrter?

Das ist sehr, sehr dreist. Und eben: Wenn man dann noch Kinder reinzieht und suggeriert, sie würden unter der Suche nach der Wahrheit leiden und nicht etwa unter den Auswirkungen von Lügen, das ist noch dreister.

Kinder haben die Wahrheit verdient. Wenn es DIE Wahrheit nicht einfach aus dem Stand gibt, und das ist oft der Fall im Leben, dann haben sie es verdient, dass man sich zusammen mit ihnen den Fragen widmet, die der Wahrheit näher führen. Dazu gehört mit Sicherheit nicht das blinde Befolgen der durch Schlagzeilen befeuerten Unverhältnismässigkeit. Fachstellen sollten sich keine Sorgen um kritisch denkende Eltern machen. Sie sollten mit denen sprechen, die es nicht für nötig halten, Fragen zu stellen, bevor sie ihr Kind in den Sumpf von Massnahmen mit hineinziehen.