An dieser Stelle mal eine kleine persönliche Bilanz zu meiner Korrespondenz. Wichtigste Erkenntnis: Wer das mag, was ich schreibe, sagt das oft ausführlich und detailliert. Wer nicht meiner Meinung ist, dem reicht ein Zweizeiler. Was es schwierig macht, Argumente auszutauschen.

Zunächst: Ich kann mich nicht beklagen. Seit Beginn des ganzen Wahnsinns und meiner journalistischen Begleitung desselben habe ich mehrere tausend Rückmeldungen per E-Mail erhalten. Nicht mitgezählt sind Nachrichten auf anderen Kanälen wie Facebook oder via Telefon. Dazu muss man wissen, dass Journalisten in aller Regel nur Feedback erhalten, wenn sie jemandem auf den Schlips treten. Kein Mensch meldet sich normalerweise, um einen Text zu loben. Wir sind auch was das betrifft im Ausnahmezustand.

Denn 85 Prozent dieser Rückmeldungen sind positiver Natur. Menschen melden sich, um sich für einen Text zu bedanken, um zu sagen, dass sie das letzte Jahr nur dank solchen Texten überlebt haben (ich hoffe, das ist eine bildhafte Überzeichnung) oder einfach, um mich zum Weiterschreiben zu animieren. Es ist ein ziemlich neues Gefühl, so viele Reaktionen zu erhalten.

Natürlich sind nicht alle Mailschreiber voll der Begeisterung. Einige sogar ganz im Gegenteil.

Ich finde es durchaus in Ordnung, wenn man dem Autor eines Textes mitteilt, dass man nicht mit ihm übereinstimmt. Im Idealfall sagt man dann auch gleich, was denn mit dem Text nicht in Ordnung war. Wo lag ich falsch, welche Zahl ist daneben, wo liegt ein Gedankenfehler zugrunde? Damit würde ich mich durchaus gerne auseinandersetzen und mich dann auch mit dem Absender austauschen.

Nur gibt es das leider selten. «Selten etwas Dümmeres gelesen», steht da beispielsweise. Oder: «Sie sind ein Schwurbler.» Auch sehr beliebt: «Sie können schreiben, was Sie wollen, es wird dennoch ein Ja zur Abstimmung geben.»

Alle diese Beispiele sind übrigens sprachlich geschönt, die Absender schaffen es recht selten, ein oder zwei Sätze korrekt zu formulieren. Aber ich will hier nicht den «Grammar Nazi» spielen, wenn der Inhalt passt, kann man über Fallfehler hinwegsehen.

Nur: Welcher Inhalt bitte?