Verzeihung für den sperrigen Titel, aber ich denke, er trifft das Problem. Die sozialen Medien befördern in der Tat «Fake news», wie aktuell beklagt wird. Diese sind aber oft das direkte Resultat von Desinformation der anderen Seite. Sie ist ein gutes «Vorbild».

Wer offen und ehrlich ist, löst bei seinem Gegenüber oft dasselbe aus. Das kennen wir aus unserem Alltag. Wer uns Dinge hingegen verschweigt oder sie verdreht oder dramatisiert, muss damit rechnen, diese Erfahrung von anderen zu machen. Die Hemmschwelle sinkt, Unehrlichkeit scheint plötzlich ein probates, berechtigtes Mittel.

In den vergangenen Monaten wurden wir oft ziemlich gezielt desinformiert. Wir erinnern uns an die Maske. Oder an die nutzlose Reisequarantäne, mit der wir drangsaliert wurden, obschon die Behörden wussten, dass der Effekt ausbleiben würde. Es gab irreführende Medienberichte mit Schreckensbildern, die nicht eingeordnet oder aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Dazu kamen viele falsche Prognosen, auf die man später einfach nicht mehr einging. Selbst wenn der Wille dahinter ein guter gewesen sein sollte, waren das ganz einfach Fehlinformationen.

Ironischerweise regen sich die Leute, die diese verbreitet haben, nun darüber auf, dass die andere Seite dasselbe tut.

Mich erreichen täglich Dutzende von Links, Doumenten und Videoclips, die ich laut den Absendern unbedingt sofort anschauen und dann journalistisch verarbeiten muss. 90 Prozent davon erhalte ich gleich mehrfach. Und ebenfalls 90 Prozent davon ist, pardon, nicht zu gebrauchen. Keine nachvollziehbare Quelle, aus der Luft gegriffene Daten, wilde Behauptungen. Das jüngste Beispiel ist der angebliche Stimmzettelbetrug. Um es klarzustellen, ich kann natürlich nicht ausschliessen, dass hinter den Kulissen der Stimmabgabe irgendetwas passiert, weil ich nicht dabei bin. Genau so wenig erhalte ich aber brauchbare Belege, dass etwas nicht sauber ist. Da ist die Rede von geheimnisvollen Codes auf dem Abstimmungscouvert, man könne dieses „durchleuchten“ und so herausfinden, wie die Stimme ausgefallen ist, Nein-Stimmen würden bereits bei der Post entsorgt und so weiter. Ich rege mich ja gern darüber auf, wie inflationär heute das Wort «Verschwörungstheorie» missbraucht wird, aber es gibt die…