Zahlen stapeln statt Klartext reden

Für einmal ist nicht das sprichwörtliche Boot voll, sondern die Gefängnisse. Jedenfalls in der Schweiz. Die haben derzeit ihren Langzeit-Höchststand an Inhaftierten erreicht. Was nützt diese Erkenntnis, wenn man nicht offen über die Gründe spricht?

Der Berufsstand, der möglichst mutig sein soll, erstarrt seit Jahren vor Angst bei bestimmten Themen. Journalisten bekommen in ihrer Ausbildung oder im Praktikum als Erstes eine Schere in die Hand gedrückt, die sie sich dann bitte in den Kopf setzen sollen. Sie sorgt dafür, dass sogar offensichtlichste Banalitäten aus dem Bild herausgeschnipselt werden, das uns die Medienschaffenden zeichnen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Zahlenspielereien, die uns aktuell Watson serviert. «Schweizer Gefängnisse sind voll – so viele Inhaftierte wie seit 12 Jahren nicht mehr» lautet der Titel. Der Artikel ist vollgestopft mit Zahlenmaterial. Aus diesem könnte man viele Erkenntnisse gewinnen, aber ganz so weit will das Portal dann doch nicht gehen. Der Elefant im Raum wird in zwei Nebensätzen abgehandelt, was den Text zu einer Art reinem Protokoll macht. Ganz so, wie es der Schriftenführer des Turnvereins machen würde, der die Aufgabe hat, Buch zu führen – ohne die Ergebnisse zu interpretieren.

Wir erfahren, dass am Stichtag vom 31. Januar insgesamt rund 7000 Personen in der Schweiz hinter Schloss und Riegel sassen, 2 Prozent mehr als im Jahr davor. Noch stärker gestiegen ist die Zahl der Leute in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft: 2211 Personen, ein Plus von 7 Prozent. Das sind einigermassen beunruhigende Werte, da – abgesehen von Fehlern des Systems – ja hinter den meisten Inhaftierten auch eine Straftat mit Opfern steht.

Nun zu den besagten zwei Nebensätzen:

  • Von der Gesamtzahl der Inhaftierten waren 27,5 Schweizer Staatsbürger. Bei 72,5 Prozent handelt es sich um Ausländer. Wie viele der Schweizer Staatsbürger Migrationshintergrund haben, wird nicht erhoben.
  • Noch etwas drastischer sieht es aus bei der Untersuchungs- oder Sicherheitshaft, die zu einem gewichtigen Teil in der Regel später in eine ordentliche Haft mündet. Dort sind 79 Prozent der Betroffenen ausländische Staatsangehörige.

Selbst wenn das Verhältnis zwischen Schweizern und Ausländern in unserem Land bei 50:50 liegen würde, wäre das Ungleichgewicht frappant. Aber das tut es ja bekanntlich nicht. 2024 handelte es sich bei 27,4 Prozent der Gesamtbevölkerung um Ausländer. Was die Schräglage noch viel deutlicher macht. Selbst wenn man die Kriminaltouristen, die nicht hier leben, sondern nur mal schnell für ihre Tat vorbeikommen, ausklammert, wird klar: Ein Viertel der Wohnbevölkerung ist für drei Viertel der Delikte verantwortlich.

Man kann nun argumentieren, dass es in dem bewussten Artikel auf Watson nicht um eine «Einordnung» der Zahlen, sondern nur um deren Auflistung ging. Aber dieses Medium – wie die meisten aus dem Mainstream – weigert sich ja auch sonst beharrlich, die Zusammenhänge transparent zu machen. Die Angst ist viel zu gross, als fremdenfeindlich abgestempelt zu werden, wenn man klar festhält: Unsere Gefängnisse sind überwiegend mit Ausländern gefüllt.

Wir haben also – schon länger – den Punkt erreicht, an dem die Leute, die uns berichten sollten, was Sache ist, um die Wahrheit herumtänzeln. Denn sie wollen ihre Leser noch übertreffen an grenzenlosem Edelmut, an grenzenlosem Verständnis für alles und jeden. Was sie wirklich tun: Die Realität verzerren. Das tut man nicht nur, indem man Lügen verbreitet. Sondern auch, indem man Fakten unterschlägt oder schönredet.

Wird der Anteil von Ausländern in der Kriminalstatistik doch einmal thematisiert, erwartet uns ein Wust aus Rechtfertigungen und Erklärungsversuchen. Armut und ein geringer sozialer Status und begrenzte Wohnverhältnisse lassen den Betreffenden angeblich gar keine andere Option, als kriminell zu werden.

Dass es auch mehr als genug Schweizer gibt, die mit diesen Herausforderungen zu kämpfen haben, wird grosszügig verschwiegen. Ebenso, dass es Ausländer gibt, die sich genau wie betroffene Schweizer erfolgreich auf legalem Weg darum bemühen, ihre Lage zu verbessern. Wofür ihnen unsere Gesellschaft mit zahlreichen Unterstützungsinstrumenten übrigens auch die Gelegenheit bietet.

Die Welt so zu zeigen, wie man sie gern hätte statt so, wie sie nun einmal ist: Das kann man am Stammtisch tun, als Leserbriefschreiber oder als Autor von Fiktion. Ist man Teil der Medien, erfüllt man damit aber seine ureigene Aufgabe nicht.