Julian Assange interessiert im Westen, der ihn gefangen hält, kaum eine Seele. Das Schicksal von Alexei Nawalny hingegen triggert Regierungen und Medien dermassen, dass sie jede Regel verletzen. Zufall ist das keiner.
Man hätte nach dem Tod von Putin-Kritiker Alexei Nawalny natürlich auch einfach tief durchatmen und in aller Ruhe nachdenken können. Die entscheidende Frage lautet ja: Wenn es kein natürlicher Todesfall war, wenn er herbeigeführt wurde – wem nützt das?
Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Sicherheit nicht. Sein Gegenspieler war bereits ruhig gestellt und weitgehend ohne Einfluss. Nun ist er ein Märtyrer, der posthum neue Kräfte entfesseln kann, und der Westen kann Putin mal sicherheitshalber als Mörder bezeichnen, der kritische Stimmen aus dem Weg räumt. Wenn überhaupt, gibt es nur einen Nutzniesser: Die Gegnerschaft von Putin. Dass diese mit Nawalnys Tod etwas zu tun haben, ist völlig spekulativ, aber immerhin logischer begründbar als die Putin-These.
Zeitgleich kämpft Julian Assange dagegen, an die USA ausgeliefert zu werden. Was ihm dort blühen würde, können wir uns alle vorstellen. Seit 13 Jahren ist der Mann faktisch nicht mehr in Freiheit. Sein «Verbrechen»: Informationen über staatliche Verbrechen verfügbar gemacht zu haben. Oder anders ausgedrückt: Seine Arbeit als Journalist getan zu haben.
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Man sollte nicht die beiden Fälle gegeneinander ausspielen, aber die unterschiedlichen Reaktionen darauf analysieren. Westliche Medien haben sich nie so sehr für Assange interessiert wie für Nawalny. Natürlich haben sie die jeweils neueste Entwicklung rapportiert, aber publizistische Klageschriften gegen die USA, die einen Aufdecker ihrer geheimen Interessen mit allen Mitteln verfolgt haben, sucht man vergeblich. Ebenso wenig gab es jemals eine konzertierte Aktion der Medien, indem sie beispielsweise in Kooperation die Titelseite freischaufeln, um Freiheit für Julian Assange zu fordern.
Dass sich Regierungen nicht für den Whistleblower einsetzen, ist begreiflich. Die wollen alle nicht, dass ihnen jemals dasselbe passiert wie den USA. Dreck gibt es überall, und er soll bitte nicht aufgewirbelt werden. Aber die Medien? Die müssten sich ins Zeug legen für einen, der ihre Arbeit erledigt hat. Assange hat keine Fake News transportiert, er hat keine Kampagne orchestriert, er hat lediglich Originaldokumente zugänglich gemacht.
Aber gut, früher wurden ja auch die Überbringer der schlechten Botschaft geköpft und nicht deren Verursacher. Offenbar sind wir in diesen Zeiten stecken geblieben oder haben dorthin zurückgefunden. Wann brennen wohl wieder Hexen?
Julian Assange ist ein Aufklärer. Er hat den Menschen die Instrumente geliefert, die sie brauchen, um sich gegen Unrecht zu wehren, indem er ihnen den Zugang zu geheimen Informationen verschaffte. Was ja ganz grundsätzlich die Aufgabe von Medien ist. Nur tun das die meisten inzwischen nicht mehr, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, die offiziellen Verlautbarungen von Regierungen und Behörden zu protokollieren und gleich auch noch zu verteidigen.
Der Fall Nawalny ist trotz diverser Vorverurteilungen ungeklärt. Der Fall Assange hingegen ist glasklar. Hier soll jemand unschädlich gemacht werden, der uns in die dunkelsten Abgründe staatlicher Machenschaften blicken liess.
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