Leute, die aktuell Marco Rima vorwerfen, dass er Entschädigungszahlen aus zwei Jahren Corona erhalten haben, sind sicher begnadete Empörungskünstler. Besonders hell sind sie hingegen nicht. Was sie sagen, macht auf keiner Ebene Sinn.

«Massnahmen kritisieren und dann davon profitieren: Das geht gar nicht!»

Das ist in etwa der Inhalt vieler Leserkommentare, seit bekannt geworden ist, dass Marco Rima seinen Anspruch auf Entschädigungszahlungen aufgrund entgangener Einnahmen durch die Coronamassnahmen eingelöst hat. Es geht laut Medienberichten um 150’000 Franken. Was, wie selbst der zuständige Mensch beim Kanton Zug sagt, nicht ausreicht, um den eigentlichen Verlust zu decken. Es ist einfach etwas an den Schaden.

Die Empörung ist sachlich falsch. Rima war gegen die Massnahmen, er wollte sie nicht, es gab sie dennoch. Warum genau soll er für den Verlust nicht entschädigt werden? Ganz im Gegenteil müsste man sich viel eher fragen, warum Leute entschädigt wurden, die FÜR die Massnahmen waren, sich also die Suppe teilweise selbst eingebrockt haben. Wenn schon, dann müssten sie nun solidarisch bluten, sie wollten es ja offenbar so.

Das ist keine Frage der Haltung, das ist schiere Logik. Wie absurd wäre es, wenn jemand, der etwas ausdrücklich nicht will und danach Verluste erleidet, weil es trotzdem geschieht, dann nicht entschädigt werden dürfte? Dass Marco Rima Geld beantragt und erhalten hat, ist absolut kein Widerspruch, im Gegenteil, es ist nur konsequent. Man hat seine Karriere unterbrochen, obwohl er dafür keinerlei Grund sah, nun wird er wenigstens teilweise dafür entschädigt.

Das ist eben die Kehrseite des neuen Bürgerjournalismus. Man kann seine Meinung auch verbreiten, ohne Ahnung zu haben und ohne einfachste Zusammenhänge zu verstehen.

Rima hat zudem in keiner Weise «profitiert». Er wäre mit Garantie sehr viel lieber auf der Bühne gestanden und hätte seinen Job gemacht. Verunmöglicht hat ihm das eine Politik, die er immer abgelehnt hat. Er nimmt Geld von dem Staat, der ihn phasenweise an der Ausübung seines Berufs gehindert hat, und das ist die Idee hinter den Entschädigungen. Dass einige Leute fordern, staatskritische Leute sollen nichts bekommen, ist beängstigend. Nach diesem Denkmuster könnten wir in Zukunft auch brave Bürger von den Steuern befreien und renitente Kritiker doppelt belegen.

Das Problem ist, dass viele gar nicht mal mehr erst denken, wenn sie getriggert werden von bestimmten Namen. Die Logik ist ausser Kraft gesetzt, der gesunde Menschenverstand auch. Rima? Dann muss es was Schlimmes sein, ich haue vorsichtshalber mal drauf.

Aber es ist eben nicht nur eine reine Personalie. Das Staatsverständnis, das dahinter steht, ist zutiefst beunruhigend. Da draussen wollen einige Leute, dass jemand, der sich im politischen Diskurs engagiert und nicht zufrieden ist mit Regierungsentscheiden, möglichst lang und heftig blutet.

Das hat nichts mehr mit der Schweiz zu tun, die ich mal gekannt habe.

Aber immerhin: Selbst «20 Minuten» kann durchaus fair sein. Die Zeitung hat nachgefragt, und die Antwort könnte deutlicher nicht sein. Zitiert wird Aldo Caviezel, Kulturbeauftragter und Leiter des Zuger Amts für Kultur:

Aber ja, bei vielen wird nicht mal das zur Einsicht führen.