Der SRF-Chefredaktor erklärt uns mal wieder zwei Minuten lang, dass sein Sender in keiner Weise linke Positionen bevorzuge. Er hat dieselbe Überzeugungskraft wie wenn ich über Bergsteigen spreche. Was er sagt, klingt ja wunderbar, lässt sich aber in Sekunden widerlegen.

Anlass für die paar Zeilen ist dieser Artikel hier aus der «Weltwoche». Tristan Brenn darf mal wieder Vorwürfen begegnen, die jeder bestätigen kann, der die Fernbedienung aktiviert. Hier nachzulesen.

Wie schafft Brenn die Behauptung aus der Welt, dass die SRF-Journalisten links ticken?

Mit dem üblichen. Seine Gleichung: Wenn man SRF vorwerfe, ein Staatssender zu sein, dürfe man nicht vergessen, dass dieser Staat bürgerlich dominiert sei, demnach wäre SRF, wenn es denn Schlagseite hätte, eher der bürgerlichen Seite zugewandt.

Ich habe keine Ahnung, welche Ansprüche SRF an einem Chefredaktor stellt in Sachen politischer Bildung und Beobachtungsgabe bezüglich den politischen Ereignissen. Wenn der Mann ernsthaft einfach Wähleranteile vergleicht und dann daraus schliesst, die Schweiz sei bürgerlich regiert, dann hat er ein Wahrnehmungsproblem. Wenn er nicht sieht, wohin die einstmals bürgerlichen Parteien gerutscht sind, dann fehlt es ihm an Auffassungsgabe. Eine FDP als Vorreiterin einer bürger- und wirtschaftsfeindlichen Energiepolitik? Die Mitte, die schon längst nichts mehr zu tun hat mit ihrem konservativen Wurzeln? Ach, bitte.

Und dann sein Verweis darauf, SRF werde immer wieder von rechts UND links kritisiert, was für ihn eine Art Beleg für die Ausgewogenheit ist. Die Linken beschweren sich laut Tristan Brenn dauernd, dass SRF rechten Themen zu viel Sendezeit einräume – et voilà, also ist der Sender nicht links.

Sendezeit, und es tut mir weh, dass einem TV-Chefredaktor sagen zu müssen, ist nicht gleich Sendezeit. Ja, SRF thematisiert auch rechte Positionen und gibt den Leuten rechts der Mitte Präsenz. Aber wie und wozu? Um sie zu diffamieren. Um den «Arena»-Pitbull Brotz auf sie zu hetzen. Um dem Publikum subtil zu vermitteln, wie unmöglich diese Standpunkte sind. Aber nie, um sie ernst zu nehmen. Ganz anders mit jedem linken Anliegen. Der Gender-Wahnsinn ist inzwischen offizielle Regelung bei SRF, «SRF Meteo» warnt uns dauernd vor dem Klimawandel und fordert Massnahmen usw. Man kann nur davon träumen, dass mal ein Off-Sprecher oder ein Moderator mit einem Zwischensatz Sympathien für eine rechte Idee äussern würde. Das Gegenteil geschieht aber andauernd.

Wenn sich Rechte über das Programm beschweren, dann aufgrund der unzulässigen Beeinflussung, die SRF-Mitarbeiter dauernd vom Stapel lassen. Wenn sich Linke beschweren, dann, weil rechte Themen überhaupt zur Sprache kommen. Denn Linke verstehen unter Meinungsvielfalt den Ausschluss von allem, was nicht mit ihnen übereinstimmt.

Wenn Tristan Brenn vor laufender Kamera die Ausgewogenheit seines Senders beschwört, ist das schon ziemlich mutig. Immerhin kann ja jeder das TV-Gerät einstellen und sich vom Gegenteil überzeugen. Fürs Radio gilt natürlich dasselbe. Ich lege selten ein paar Kilometer im Auto zurück, ohne dass ich von irgendwelchen Kommentatoren oder Auslandskorrespondenzen darüber belehrt werde, was richtig ist und was falsch.

Was nicht die Aufgabe des gebührenfinanzierten Senders ist. Aber das hält die Leute dort nicht ab. Vermutlich nicht mal aufgrund von schlechtem Willen. Sondern weil sie nicht anders können.