Ein kleines Beispiel aus meinem Universum

Täglich erhalte ich eine dreistellige Zahl an Rückmeldungen zu meinen Texten bei diversen Medien. Zu 95 Prozent sind es liebe Dankeschöns. Auch mit Kritik setze ich mich gerne auseinander. Wenn sie halbwegs Substanz hat. Leider mangelt es daran meist.

Nehmen wir ein willkürlich herausgepicktes Beispiel einer gewissen Barbara Z. Sie schreibt mir folgendes:

Sehr geehrter Herr Millius
Corona ist keine Pandemie schreiben Sie. Haben Sie die letzten anderthalb Jahre auf dem Mond gelebt? Wie können Sie eine solche Aussage machen bei all den Todesfällen weltweit? Ich kann keine Ihrer Argumentationen nachvollziehen und die erhebliche Übersterblichkeit durch Covid haben Sie wahrscheinlich ausgeblendet. Ich bin schockiert über Ihren Artikel.

Uff. Wo soll man da anfangen? Auf dem Mond habe ich nicht gelebt, wobei ich offen sagen muss, dass es Tage gab, an denen ich mir das gewünscht hätte.

Und sonst: Weltweite Todesfälle? Ja, die gab es. Seltsamerweise sterben täglich Menschen. Aber wie viele, woran, vor welchem Hintergrund: Das interessiert aktuell keinen Menschen mehr. Man muss nur «XY an Corona gestorben» schreiben, und die Masse inklusive Barbara Z. jault auf.

Es ist beängstigend, wie an sich mündige Menschen in Rekordzeit zu nachbetenden Witzfiguren werden.

Wir hatten, ich beziehe mich auf die Schweiz, weil kein Mensch globale Zahlen überprüfen kann, 2020 keine signifikante Übersterblichkeit. Wenn man eine solche herbeizaubern will, kann man kurze Zeitperioden herausgreifen, nur: Das hat leider keinerlei Relevanz. Wenn man schon Zahlen vergleichen will, dann bitte diejenigen unter dem Strich. Sonst könnte man auch sagen: «Am 13. Mai 2020 sind mehr Menschen gestorben als am 13. Mai in den zehn Jahren davor, was bedeutet, dass der 13. Mai plötzlich gefährlicher geworden ist.»

Ich denke, man kann mir bis hierhin folgen.

Jedenfalls: Nein, Frau Z., die globalen Todeszahlen durch Covid 19 beeindrucken mich nicht besonders. Vor allem, weil ich nicht weiss, wie sie zustande gekommen sind. Beziehungsweise doch, in vielen Fällen weiss ich es: Man hat munter jeden Toten mit einem positiven Testresultat, basierend auf einem fragwürdigen Test, zu dieser Gruppe geschlagen. Da kommt ganz schön was zusammen, klar. Aber es hat nichts mit der Realität zu tun.

Wo ist die «erhebliche Übersterblichkeit», die Frau Z. anführt? Vielleicht zu einem gewissen Prozentsatz in der Tatsache, dass die banale Grippe, die jedes Jahr viele Menschenleben fordert, einfach zu Corona geschlagen wurde? Vielleicht in der Tatsache, dass sich mehr Menschen das Leben nehmen angesichts der unmenschlichen Umstände, die durch Corona herrschen? Vielleicht in der Tatsache, dass die Massnahmen gegen das Virus den Hungertod in der dritten Welt massiv fördern? Vielleicht in diesen drei Tatsachen kombiniert und mit noch einigen weiteren Faktoren zusammen? Aber darüber hinaus gibt es sie schlicht nicht, die «erhebliche Übersterblichkeit» global.

Was antwortet man jemandem, der völlig verirrt ist und offenbar einfach glaubt, was «in der Zeitung steht»? Man müsste den Respekt wahren, aber es fällt schwer. Denn ganz offen: Wenn man sich selbst die Mühe macht, die Fakten zusammenzutragen und Barbara Z. aus Irgendwo findet, sie könne einfach ihr Hörensagen mal als Kritik deponieren, dann ist die Geduld ziemlich strapaziert.

Ich bemühe mich wirklich. Tag für Tag. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man sagen muss: Wenn Du zu faul oder zu, pardon, dumm bist, die wirklichen Zahlen und Fakten zusammenzutragen, ist es nicht meine Aufgabe, Dir mühsam alles mundgerecht zu servieren.