In der Coronazeit spielte die «Freidenker-Vereinigung» in der Schweiz eine denk- und fragwürdige Rolle. Mit einer Art Rechtfertigung im «Schweizer Monat» macht ihr damaliger Präsident nun alles nur noch schlimmer. Nichts gelernt – und alles andere als frei denkend.
Wir beginnen mit einer Eigendefinition der Freidenker-Vereinigung. Solche Selbsteinordnungen sind Gold wert, weil man dann die Taten daran messen kann. Wie also sehen sich die Freidenker, die etwas flapsig formuliert eine Art Atheisten-Club sind, denn selbst so?
«Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz setzt sich für die Anliegen der Konfessionsfreien ein. Sie tritt ein für die Trennung von Staat und Kirche und für eine weltlich-humanistische Ethik, in der die Menschenrechte eine zentrale Rolle einnehmen. Und sie vertritt ein wissenschaftlich plausibles Weltbild. Diese drei zentralen Anliegen finden im Zusatz zu unserem Logo Ausdruck: säkular – humanistisch – rational.»
Menschenrechte, humanistisch, rational: Da kann man schwer etwas dagegen sagen. In der Coronazeit präsentierten sich die Freidenker dann aber von einer anderen Seite. Sie setzten sich bedingungslos für die Impfung ein und diffamierten Kritiker der Coronapolitik. Oder anders gesagt: Menschen- und Grund- und erst recht Freiheitsrechte interessierten sie keinen Deut, und wie heute klar ist – und man damals schon hätte wissen können, wenn man hätte wollen –, palaverten sie damit auch meilenweit am Anspruch von «wissenschaftlich pausibel» vorbei.
Im Magazin «Schweizer Monat» darf der seinerzeitige Freidenker-Präsident Andreas Kyriacou nun berichten, warum das so war und wie er das alles heute so sieht, nachzulesen hier.
Man hätte den Beitrag mit einem grossen, fetten «Sorry!» abkürzen können, aber leider fehlt diese Entschuldigung gänzlich. Stattdessen verliert sich der Mann in Detailbetrachtungen, um zu erklären, warum er und seine Mit-Freidenker ihre Werte dermassen billig verscheuert haben.
Ein Müsterchen:
«Ich gestehe ein, dass ich die Mutationsgeschwindigkeit des Virus unterschätzt und somit die Nachhaltigkeit der Impfung überschätzt hatte – dennoch war die Impfung zur Pandemiebewältigung entscheidend.»
Nein, war sie nicht, und man weiss das inzwischen. Dass man nicht in ein um sich greifendes Virus hineinimpft, ist eine Standarderkenntnis der Schulmedizin, und die «Impfung» war nicht nur zu wenig «nachhaltig», sondern ein verantwortungsloses Experiment auf Kosten unzähliger Menschen, auf dessen Wirksamkeitsnachweis wir bis heute vergeblich warten.
Das angewendete Erklärungsmuster ist aber beliebt. Übersetzt heisst der Satz: «Ich lag im Grundsatz völlig richtig, es war dann alles halt eben einfach etwas heftiger als gedacht, kann ja mal passieren.» Klar kann es das. Aber nur, wenn man frühzeitig beschliesst, kritischen Stimmen nicht nur nicht zuzuhören, sondern sie lustvoll aus der Debatte auszuschliessen. Das ist damals geschehen, und die Freidenker, die per Definition dem freien Denken zugewandt sein müssten, haben dabei mitgemacht.
Es wird allerdings noch abstruser. Selbst in dem Text, der vermutlich aus Sicht von Andreas Kyriacou tatsächlich eine Art halber Schritt zurück hätte sein sollen, betreibt der Mann weiter Bashing. Er wirft den Massnahmenkritikern vor, nicht nur «gesellschaftliche Anerkennung», sondern «teilweise auch ein Geschäftsmodell» gefunden zu haben. Ein Irrwitz, nachdem rund um Corona unzählige Existenzen ohne Not vernichtet wurden – und sich Pharmariesen dank undurchsichtigen Deals mit der Politik gesund gestossen haben.
Ebenfalls immer noch begeistert ist der Ex-Chef der Freidenker von den zwei Kampagnen, die sein Verein in jener Zeit losgetreten hat. Das war zum einen der umwerfende Slogan «Klar, lassen wir uns impfen – aus Vernunft und Verantwortung» (das Komma gehört dort nicht hin, aber das ist das Original). Und zum anderen ein Maskottchen namens «Freiheitsimpfler», mit dem man, und ich überwinde mich schwer, es zu zitieren, «der leisen Mehrheit Gehör» verschafft habe.
Erstens haben die verschwindend kleinen, bedeutungslosen Freidenker nicht die Kraft, irgendeiner Sache Gehör zu verschaffen. Zweitens ist es absurd, rund um die Impfung von einer «leisen Mehrheit» zu sprechen. Wöchentliche Hirnwäschen durch Bundesrat und Task Force, Dauerbeschallung durch einen Medien-Einheitsbrei, Gemeinden und Kantone, die sich mit Bratwurst-Angeboten und anderen Goodies überschlugen: Was bitte war an der Impfkampagne leise? Und drittens ist der Name «Freiheitsimpfler» eine Perversion an sich. Wer eine Impfung mit einem Zertifikat durchdrückt, das Unwillige abstraft, ist von Freiheit denkbar weit entfernt.
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Aber Andreas Kyriacou blickt «gerne auf die beiden Kampagnen zurück», wie er uns wissen lässt. Der damalige Präsident der Freidenker blickt also gerne zurück auf die grösste Einschränkung der Freiheit in der Geschichte des Landes, an der er sich beteiligt hat. Er ist stolz darauf, Teil von staatlicher Willkür gewesen zu sein. Das kann man alles gar nicht erfinden.
Aber Obacht: Wir sind noch nicht am Ende. Denn neben dem einen Satz, in dem der gute Mann zähneknirschend einräumt, etwas über- und etwas unterschätzt zu haben, wütet er in erster Linie in eine Richtung weiter. Ich hatte zwar zunächst Hoffnung angesichts der Bemerkung, «auch die Medien sollten ihre Rolle kritisch reflektieren». Aber er kommt nicht wie zu erwarten gewesen wäre auf die an Korruption grenzende Zusammenarbeit zwischen Redaktionen und Politik zu sprechen, nein, im Gegenteil.
Sein Vorwurf an die Medien ist dieser hier: Man habe zu häufig «lautstarken Exzentrikern eine Bühne» gegeben, schreibt er, «die viel Meinung, aber wenig Fachwissen aufwiesen.» Als Beispiel führt er Sucharit Bhakdi und dessen Impfkritik an, er behauptet, die Zahl der Nebenwirkungen sei «verschwindend gering» geblieben und kommt zum Schluss: «Solche Stimmen, liebe Medienschaffende, tragen nichts zur Debatte bei.»
Es gab keine Debatte. Dank Leuten wie ihm GAB es keine Debatte. Das war ja das ganze Problem. Und wer ist der Mann überhaupt, dass er definieren kann, welche Protagonisten zu einer Debatte etwas beitragen und welche nicht? Wenn uns die Coronazeit etwas lehrt, dann das: Wenn die Politik in Tateinheit mit den Medien regelt, wer das Wort bekommt und wer nicht, dann erleben wir es, wie sich eine Diktatur à la «Swiss Miniature» anfühlt – und wie schlecht das Resultat ist.
Wir wissen noch längst nicht, welche mittel- und langfristigen Auswirkungen die Gentherapie mittels mRNA hat. Wir wissen aber, dass Impfgeschädigte in zahllosen Fällen mit ihren Beschwerden nicht durchdrangen, weil Ärzte massenhaft Impfschäden konsequent ausschlossen und sie auf psychische Probleme schoben. Ich habe unzählige Gespräche mit Ärzten und Betroffenen geführt, die nahe legen, dass wir noch lange an den Nachwirkungen der «Impfung» zu beissen haben werden.
Ganz zu schweigen von der Frage, welche Qualifikation Kyriacou berechtigt, eine Koryphähe wie Bhakdi, der vor Corona unisono als solche gefeiert wurde, mit dem Prädikat «wenig Fachwissen» auszustatten. Der Mann war Professor für Medizinische Mikrobiologie, lieber Himmel. Und er soll nur über «viel Meinung» verfügen?
Bilanz: Andreas Kyriacou kritisiert die Medien ausgerechnet, weil sie – viel zu selten! – auch mal Impfkritikern das Wort gaben. Er verliert gleichzeitig kein Wort darüber, dass dieselben Medien monatelang von einer «95-prozentigen Wirksamkeit» oder einem «lebenslangen Schutz» fabulierten. Oder so lustige Dinge wie eine Verbesserung der Spermienqualität erfanden.
Das Problem in der Medienlandschaft war laut ihm also eine zu grosse Offenheit gegenüber Kritikern. Ernsthaft? Hat er unter einem Stein gelebt? Hat er nicht erlebt, wie die SRG und sämtliche grossen Zeitungsverlage über Jahre unablässig diese Kritiker diskreditiert und diffamiert haben? Wie sich die Macher des «Club» auf SRF rechtfertigen mussten, überhaupt mal einem Kritiker das Wort zu geben? Wie jeder noch so absurde und unbelegte Lobgesang auf Massnahmen und Impfung leierkastenmässig unter die Leute gebracht und jede zweifelnde Frage entweder totgeschwiegen oder totgetrampelt wurde?
Ich muss mal wieder zu meinem Lieblingsausdruck greifen: Was ich da lese, erinnert mich an Wahrnehmungsstörungen.
Der Beitrag im «Schweizer Monat» erschien im Dossier «Corona – und das grosse Schweigen danach» in der Juni-Ausgabe. Der Redaktion des übrigens hervorragend gemachten Magazins mache ich keinen Vorwurf. Sie lässt die freie Rede zu, und das ist richtig so. Ich habe – im Unterschied zur anderen Seite – kein Problem damit, mit konträren Ansichten konfrontiert zu werden. Wenn sie Hand und Fuss haben.
Andreas Kyriacou selbst hingegen hat sich selbst und seine Freidenker damit komplett demontiert. Das Generalversagen in der Coronazeit hat er bekräftigt mit einer Bilanz, die zeigt, dass er völlig uneinsichtig ist und heute noch längst widerlegten Legenden nachhängt.
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