Ende Woche wird dieser Blog hier zwei Monate alt sein. Zeit für eine erste Bestandesaufnahme – quantitativ und qualitativ. Um es vorwegzunehmen: Ich bin durchaus glücklich mit meinem neuen Werkzeug. Voraussetzung dafür ist allerdings die richtige Erwartungshaltung. Denn was ich wirklich gern hätte, ist mit einem Blog nicht zu schaffen.

Für mich stand beim Aufsetzen des Blogs fest, dass ich ihn unabhängig von der Zahl der Abonnenten betreiben werde. Ganz nach dem Motto: Wer dabei ist, soll Leistung kriegen, er oder sie kann ja nichts dafür, wenn es zu wenige andere tun. Allerdings stand ich nie vor dem Problem, mir darüber Gedanken machen zu müssen, ich durfte mit einer anständigen Zahl Leser starten, und diese Zahl wächst seither kontinuierlich – und nur sehr, sehr wenige springen ab. Dafür vielen Dank.

Allerdings geht es in meinem Fall ja nicht darum, einen Kanal zu haben, auf dem ich das tun kann. Mit «Die Ostschweiz» und dem «Nebelspalter», für die ich schreibe, habe ich das ja. Meine heimliche Hoffnung war es, durch einen etwas anderen Zugang zur aktuellen Materie darüber hinaus neue Leute zu erreichen. Denn das ist, ob sie es zugeben oder nicht, der Wunsch aller Schreibenden: Etwas zu bewirken mit ihren Worten.

Was das angeht, war ich glücklicherweise ziemlich realistisch. Und deshalb nun auch nicht besonders enttäuscht über die Erkenntnis, dass ein Blog nichts ändern.

Derzeit bedienen fast alle Journalisten eine bestimmte «Blase», deren Meinung gesetzt ist und die diese bestätigt erhalten möchten. Das ist bei mir nicht anders. Die meisten Abonnenten hier sind Kritiker der aktuellen Coronapolitik und sind beigetreten, weil sie diese Haltung bei mir in anderen Medien bereits mitbekommen haben. Sie wollen also quasi mehr vom Selben. Was natürlich völlig in Ordnung ist. Die Idee, es könne gelingen, darüber hinaus Unentschlossene oder Verunsicherte zu erreichen, ist aber wohl reine Fiktion. Wir leben in Zeiten, in denen die Leute nicht einmal mehr etwas lesen, wenn es aus einer Quelle kommt, die sie irgendwann mal abgehakt haben. Entsprechend bleibt meine Blase eine Blase. Der einzige Trost: Der anderen Seite geht es nicht anders.

Ein schönes Beispiel dafür gab es jüngst auf LinkedIn. «Die Ostschweiz» hatte den Gastkommentar eines St.Galler Anwalts publiziert, in der dieser beklagte, dass Behörden, die Demonstrationen b…