Überraschung! – Oh, Moment, nein, doch nicht

Medienschaffende ticken zur Mehrheit links-grün. Diese Feststellung läuft in der Kategorie «Der Papst ist katholisch». Aber immerhin belegt das nun auch eine Studie. Das mit den Medien, nicht das mit dem Papst.

Die Zeitschrift «Schweizer Monat» stellt die entsprechende Studie fest, hier gibt es mehr darüber. Im Prinzip wurde damit nur festgestellt, was wir alle schon immer wussten. Wer jemals näher mit einer Redaktion zu tun hatte, weiss: Dort mag man nichts, was konservativ, liberal oder auch nur schon dem funktionierenden Markt zugewandt ist. Die Leute, die für uns die Welt beschreiben, sind wahre Gutmenschen (und nein, das ist nicht dasselbe wie «gute Menschen»), mag keine freie Wirtschaft, dafür umso mehr staatliche Einschränkungen und Bevormundung und jeden linksgrünen Hype, der via Twitter und Co. gerade hochkocht. Gender? Politische Korrektheit? Die Welt ist so schlecht wie nie zuvor? Bitte mehr davon.

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da Medien ja selbst Teil des verhassten freien Markts sind. Sie leben zum grössten Teil von Inseraten, und die stammen von Unternehmen, die sich anderen Werten als die Journalisten verschrieben haben. Aber wenn 99 Prozent der Medienprodukte diesen Zeitgeist ausströmen, haben eben auch Anzeigenkunden keine Wahl, sie müssen selbst in Zeitungen präsent sein, die Tag für Tag deutlich machen, dass sie das freie Unternehmertum nicht besonders schätzen, sondern lieber einen auf Sozialromantik machen.

Wer selbst mit Medien zu tun hat, weiss längst, was diese Studie «enthüllt». Auf den meisten Reaktionen ist es Suizid, sich als SVP-Wähler zu erkennen zu geben (und erst recht als SVP-Mitglied), aber eine Vergangenheit bei mit Steinen werfenden Links-Anarcho-Trupps ist eine Art Gütesiegel. Warum das so ist? Keine Ahnung. Es ist immer schwierig, etwas zu beurteilen, das einen selbst nicht betrifft.

Linksgrün ist das eine, aber letztlich geht daraus auch eine unglaubliche Staatsnähe und Staatsgläubigkeit hervor, wie gerade die Coronasituation zeigt. Die Medien verkaufen sich aktuell – im Kampf für die Mediensubventionierung, über die wir im Februar 2022 abstimmen – als Hüter der Unabhängigkeit. Unabhängig wovon? Von einer eigenen Meinung? Von Zivilcourage? Vom Einsatz für Grundrechte und Verfassung?

Es spricht überhaupt nichts gegen eine Haltung bei Medienschaffenden. Jeder Mensch hat die, das liegt in der DNA. Die Frage ist, ob diese Haltung hinderlich dabei ist, offen für andere Standpunkte zu sein. Der durchschnittliche Journalist kriegt spontan Pickel, wenn er den Namen Blocher hört, er wendet sich reflexartig gegen alles, das von rechts von der Mitte kommt, und alles, was links davon passiert, wärmt sein Herz.

Ich könnte aus dem Erfahrungsschatz der letzten 30 Jahre Dutzende von Anekdoten erzählen, die das belegen, sei es von Lokal- und Regionalzeitungen bis rauf zum Schweizer Fernsehen. Ich will niemanden von meiner Haltung überzeugen, aber es wäre schön, wenn diese wenigstens eine Chance hat. Es ist natürlich nicht so, dass SVP und Co. keinen Platz in den Medien erhalten, das zeigt jede Auswertung. Die Frage ist mehr, wie das geschieht. In aller Regel in Verbindung mit subtilen Anmoderationen, diffamierenden Zwischenbemerkungen oder einer verbalen Spitze im Off-Text. Da wäre totschweigen schon fast besser.

Grenzenlose Sympathie erfahren alle, die sich gegen den Klimawandel einsetzen oder für Ausländerrechte auf die Strasse gehen. Nichts gegen diese sicher hehren Engagements, aber wir sprechen hier von Medien, die permanent die Objektivität als höchstes Gut betonen. Da wirkt es schon seltsam, wenn gewisse Anliegen unverhohlen den Segen der Journalisten geniessen – und andere einfach «pfui» sind.

Ja, Journalisten ticken mehrheitlich linksgrün. Wir wussten es, nun haben wir eine neue Studie, die das belegt. Dagegen kann man wenig tun. Die Optionen: Eine eigene Zeitung gründen (das haben wir gemacht, es ist aber nicht ganz einfach) oder aber der Zeitung, die einen bisher begleitet hat, freundlich mitteilen, dass sich die Wege trennen. Gerüchtehalber passiert das aktuell recht oft. Aber vielleicht immer noch zu selten.