Ich werde ausnahmsweise mal wieder persönlich. Das, was mich vor fast 40 Jahren in den Journalismus getrieben hat, hat nichts zu tun mit dem, was heute unter diesem Etikett betrieben wird. Wer heute glaubt, «Journalist» zu sein, ist etwas ganz anderes – und weiss es einfach nicht.
Ich war 14 Jahre alt, als mich mein damaliger Geschichtslehrer am Gymnasium nach St.Gallen fuhr und mich dem dortigen Lokalredaktor der seinerzeitigen Tageszeitung «Die Ostschweiz» vorstellte. Ich würde gern schreiben, teilte ihm mein Lehrer mit, und der bewusste Redaktor – heute übrigens lustigerweise für die linke WoZ tätig – befand: «Kann er gerne, wenn er nicht viel kostet.»
Ich kostete wirklich nicht viel. Es waren 40 Rappen pro Zeitungszeile. Das war um 1986, man schrieb seine Texte auf vorgefertigten Bögen, die auf 35 Zeichen pro Zeile normiert waren, auf der Schreibmaschine. Durfte man ausnahmsweise mal 80 dieser Zeilen füllen, war man 32 Franken reicher. Was mit 14 Jahren ziemlich viel Geld ist.
Aber ums Geld ging es ja gar nie. Mir jedenfalls nicht. Hauptsache, mein Name stand in der Zeitung. Und ich durfte schreiben, was ich schreiben wollte.
Das durfte ich. Deshalb teilte ich der Welt im Teenager-Alter mit, wenn ich eine Kleintier-Veranstaltung für missglückt hielt oder die Abendunterhaltung des Turnvereins als Zumutung befand. Das konnte man damals straffrei tun. Ich habe mich damit weder bei Kaninchenzüchtern noch beim Turnvereinpräsidenten besonders beliebt gemacht, aber ich hatte stets das Gefühl, das sei auch nicht meine Aufgabe. Ganz im Gegenteil: Ein Journalist, den man mag, hat seinen Beruf verfehlt.
Das ist heute anders, Ich beneide keinen, der derzeit in diesen Beruf einsteigt. Denn es gibt so viele unüberwindbare Hürden. Jedenfalls, wenn man seine Aufgabe ernst nimmt.
Als ich begann zu schreiben, galt die Devise: Wenn einer Unsinn anstellt, dann schreib das bitte. Heute gilt eine andere Regel. Man definiert zuerst, wem man Unsinn unterstellen will und wer auf jeden Fall bitte hochgejubelt werden soll, egal, was er anstellt. Geht es beispielsweise ums Klima, muss einfach derjenige der Held sein, der es schützen will mit Verboten und Einschränkungen. Alle anderen sind verrückt und gefährlich. Geht es um die USA, musste in den letzten Monaten Kamala gut da stehen, auch wenn sie gerade sichtlich unter Einfluss diverser Alkoholika völlig unverständlichen Schwachsinn erzählte. Und wenn dir sonst gar nichts mehr einfällt, dann such bitte auf Instagram oder TikTok ein paar herzige Kätzchen, die etwas Ulkiges machen – das geht immer.
20-Jährige, die irgendwie in den Journalismus rutschen, kommen gar nicht mehr auf die Idee, dass das mit dem Klima auch ganz anders sein könnte, dass Kamala vielleicht keine taugliche Alternative gewesen wäre und dass Kätzchen wirklich sehr herzig sind, aber nichts mit Journalismus zu tun haben. Dem Nachwuchs wird ein sehr beschränkter Mikrokosmos als Spielwiese vorgesetzt. Tun sie nicht wie verlangt, müssen sie sich völlig neu orientieren – oder werden vielleicht Kommunikationsassistent bei einem unbedeutenden Unternehmen.
Sie können echten Journalismus unterstützen. Hier beispielsweise.
Journalismus 2024 hat nichts zu tun mit Journalismus 1986. Und auch nichts mit Journalismus 1992, als ich endlich von dieser Profession leben konnte.
Mir wurde noch vermittelt, dass ich alles misstrauisch beäugen soll, was die Leute tun, die an der Macht sind. Denn wozu soll Journalismus sonst da sein? Für mich galt die Devise: «Ich glaube gar nichts bis zum Beweis des Gegenteils.» Und heute? Da glauben Journalisten grundsätzlich denen, die das Sagen haben, sie verstehen sich als PR-Agentur von Regierungen, und sie halten daran sogar noch fest, wenn die bewussten Regierungen schon längst der Lüge überführt sind.
Was ist da genau passiert? Wann wurde aus der «vierten Gewalt» zur Kontrolle der Mächtigen eine Elite-Einheit zur Absicherung ihrer Macht? Warum hat man früher Journalistenpreise erhalten, wenn man Missstände aufdeckte, und heute wird man dafür geehrt, dass man den Missstand möglichst elegant verdeckt?
Je nach Zählweise gibt es in der Schweiz zwischen 15’000 und 20’000 Leute, die von sich selbst sagen, sie seien im Journalismus tätig. Man muss mir nun bitte erklären, was diese schiere Masse während Corona und seither genau getan hat. Haben sie aufgedeckt, dass Covid-19 nicht mal im Ansatz die Gefahr war, die man uns vermittelt hat? Dass die «Impfung» nichts von dem geschafft hat, was behauptet wurde? Dass Grund- und Freiheitsrechte wider besseres Wissen eingeschränkt wurden? Dass «die Wissenschaft» sich den politischen Vorgaben beugte und uns einfach angelogen hat?
Wie viele dieser 20’000 Leute haben sich interessiert für Sportler, die neuerdings einfach tot umfallen auf dem Feld? Wie viele sind der Erfindung «Long Covid» blind nachgerannt und hatten keine Lust, sich um die offensichtlichen Impfschäden zu kümmern?
Es tut mir von Herzen leid, aber wer sich derzeit auf Journalisten verlässt, ist verlassen. Wer glaubt, er werde unabhängig informiert, ist verloren. Wer der Illusion anhängt, es gebe eine «vierte Gewalt», der wird enttäuscht.
Es gibt unter rund 20’000 Journalisten vielleicht noch 100, die ihren Beruf ernst nehmen und ihn so verstehen, wie er einst gedacht war, und das ist eine optimistische Schätzung. Der Rest stellt sich bedingungslos in den Dienst des Staats, der uns seit Jahren hemmungslos anlügt.
Die Gründe dafür? Meine Güte, eigentlich fragt man da den Falschen. Ich gehe davon aus, dass ein schöner Teil der Betroffenen zu dumm ist, um offensichtliche Wahrheiten zu erkennen. Wären sie das nicht, hätten sie einen anständigen Beruf ergriffen. Ein anderer Teil hat keine Lust auf Konfrontation und macht einfach mit – was dem Ursprung dieses Berufs sowieso entgegensteht. Und dann gibt es auch noch die Leute, die einfach alles glauben, was ihnen die Umgebung erzählt. Auch sie sind furchtbar falsch in diesem Berufsfeld.
Dabei wäre es eigentlich ein sehr einfacher Job mit sehr simplen Voraussetzungen. Glaub nichts, was dir die Leute an der Macht erzählen, «follow the money», um die Interessen der Beteiligten zu erkennen, wehre dich gegen jede Einflussnahme deines Verlags, such nach der Wahrheit, bis es fucking wehtut und du um deine Anstellung fürchten musst – und DANN bist du wirklich ein Journalist.
Die Leute, die sich heute so nennen, lassen sich von Bundesrat und Bundesverwaltung diktieren, was sie sagen sollen. Und sie verschweigen alles, was dem widerspricht. Die Protokolle aus dem Robert-Koch-Institut, die belegen, dass wir immer recht hatten? Wir blenden sie einfach aus. Stattdessen schreiben wir jeden runter, der die Coronapolitik kritisiert hat.
Das ist Journalismus 2024. Aber bitte keine Missverständnisse: Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun.
Nur weiss ich aus verlässlicher Quelle, wie viele Medienkonsumenten das längst erkannt haben. Und sich mit Grauen abwenden von den angeblichen Journalisten, die nichts anderes tun, als zu Sklaven der Lügner zu werden. Entweder, weil sie das wollen. Oder weil es ihnen an Intelligenz fehlt, das zu erkennen.
Ich habe 20 Jahre lang junge Journalisten ausgebildet, und ich bin überzeugt, dass sie danach alle wussten, um was es in diesem Beruf geht. Nun liegt der Ball bedauerlicherweise anderswo. Und das Ergebnis ist alles Mögliche. Nur leider keine «Journalisten».
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