Jeder will zu den «Guten» gehören

Die Demonstranten gegen «Rechts» bekommen schon lange vom Staat und den Medien, was sie wollen. Die Diktatur, vor der sie warnen, haben sie selbst bereits errichtet. Wir alle sind ihre Geiseln. Aber sie gebärden sich wie Widerstandskämpfer gegen eine übermächtig werdende Gefahr.

«Es tut mir so unendlich leid, dass wir das alle gerade durchmachen müssen.»

Das sagt Sofie Aspacher, 24, Künstlername «Soffie», vor der Kamera. Sie ist der deutsche Shootingstar der Musikszene. Ihr Song «Frühling» wurde zum fixen Begleiter der «Demonstrationen gegen Rechts», gegen die Hymne des «Widerstands» Widerstand wogegen? Ich komme gleich darauf zurück.

Der Text des Lieds? Wer den «Musenalp-Express» noch kennt (das tun nur ältere Semester), wird nostalgisch. Dort hat man solche «Werke» auch gefunden. Es ist eine Aneinanderreihung von romantischen Ideen, ein Schuss «Ein bisschen Frieden», verbunden mit einem politischen Manifest, wobei das Wort zu gross ist, einem Manifest liegt ja meist eine Idee zugrunde. Jedenfalls erinnern die Reimereien eher an eine 14- als eine 24-Jährige.

Aber was meint «Soffie» denn genau, wenn sie anspricht, was wir «gerade alles durchmachen» müssen? Was beklagt sie da?

Sie beklagt das Funktionieren der Demokratie. Sie beklagt, dass sich die Bürger in Umfragen und später in Wahlen wehren können, wenn ihre Regierung versagt. Sie beklagt, dass eine Partei dazu gewinnt, die sie nicht mag. Sie will die Demokratie retten mit einem Song, der die Demokratie kritisiert.

Das merkt sie selbst mit Garantie nicht, ebenso wenig ihre Fans. Das Denk- und Handlungsvermögen reicht gerade mal, um ein Transparent zu malen und auf die Strasse zu gehen. Gegen was denn wirklich, für was denn wirklich – sie haben keine Ahnung.

Unterstützen Sie die freie Rede, solange Sie noch dürfen. Mehr dazu hier.

Die Argumentationskette ist so einfach wie absurd. Da war doch mal der Faschismus, richtig? Der war schlimm, das darf es nie wieder geben. Wir sind uns einig.

Aber inzwischen haben wir ja ganz neue Ziele. Jetzt wollen wir, dass jede Form der persönlichen Freiheit abgeschafft wird, dass Minderjährige sich beim ersten inneren Durcheinander mit Hormonen mal schnell in was anderes verwandeln können, wir wollen Verbote, Verbote, Verbote, und wir möchten all die zum Schweigen bringen, die etwas dagegen haben.

Also machen wir aus den Kritikern doch einfach Faschisten. Da sagt einer was gegen die Coronamassnahmen? Faschist. Da findet jemand, der Klimaaktivismus nehme religiöse Züge an? Faschist. Da will jemand als Indianer an die Fasnacht gehen? Faschist. Da möchte jemand gern vertiefte Abklärungen, bevor ein 15-jähriges Mädchen zum Jungen wird und fünf Jahre später wenn möglich zurück? Faschist.

Der deutschen Regierung, einer historisch einmaligen Versagertruppe, kann gar nichts Besseres passieren. Wenn die Leute in den Wohnungen frieren oder sich keinen Kaffee mehr in einem Lokal leisten können, wächst der Unmut. Den muss man in eine neue Richtung lenken. Also spielt das Laientheater in Berlin weiter und fabuliert gleichzeitig von einem drohenden Umsturz von Rechts. Plötzlich sind alle, die finden, es laufe vielleicht nicht ganz ideal im Land, eben faschistische Umstürzler.

Es funktioniert ganz fabelhaft. Die Naivlinge ziehen auf die Strasse in voller Überzeugung, die Demokratie sei in Gefahr.

Das ist sie in der Tat, nur nicht von dieser Seite. Die Demokratie ist in Gefahr, wenn sich Regierungen, Journalisten und Social-Media-Unternehmer treffen, um zu besprechen, wie man jede öffentliche Widerrede ausschalten kann. Die Demokratie ist in Gefahr, wenn Regierungen versagen und ihre Kritiker auf organisierte Weise ausgeschaltet werden.

Die Verfassung müsse geschützt werden, sagt ein Wirtschaftsethiker von der Universität St.Gallen und findet es ganz grossartig, wie «das Volk» gegen rechte Parteien aufsteht. Auf der Verfassung herumgetrampelt haben in den letzten Jahren allerdings die Regierungsparteien, niemand sonst. Wer versucht hat, die Verfassung zu schützen, war aber, Überraschung, ein Faschist.

Es ist die totale Umkehr jeder Wahrheit, und es klappt. In der Schweiz wird eine neue kommunistische Partei gegründet, die ganz offen von einer Revolution spricht, die es brauche. Aber auf den Strassen wird nicht gegen sie, sondern gegen die stärkste Partei des Landes demonstriert, die seit Jahrzehnten aktiver Teil der Demokratie ist.

Wie das möglich wurde? In den Regierungen, in den Verwaltungen, in den Medien, in der Justiz und (besonders tragisch) in den Schulen sind Leute am Drücker, die dem Wahnsinn einen Weg ebnen. Der Kolumnist Guido Rodheudt nennt es ein System, «das sich seit der pubertären Eliterevolte der Achtundsechziger bis in unsere Tage konsequent etabliert hat.» Für sie sei das Gute gleichzusetzen mit allem Linken und «deswegen Pflichtprogramm».

Das Gute: Wir wollen alle Teil davon sein. Wenn uns also genügend Leute einreden, was denn dieses Gute sein soll, folgen wir ihnen. Blind und unkritisch. Wann ist letztmals eine Masse blind und unkritisch dem angeblich Richtigen gefolgt? – Exakt.

Wer sich dagegen stemmt, steht auf verlorenem Posten hat. Leute mit Kindern wissen, was ich meine. Sie kommen aus der Schule und sind aufmunitioniert mit der Botschaft des «Guten». Sie haben noch keine Ahnung, was rechts und links überhaupt ist, aber man hat ihnen erklärt, dass das eine ganz schlimm und das andere edel und gut ist.

Da wird der Nachwuchs für die Strasse gezüchtet, für Demonstrationen gegen die Demokratie im Namen der Demokratie. Und wer sich gegen diese Indoktrination der Kinder auflehnt, der bekommt von unseren Medien mit Garantie wieder dieses Siegel: Faschist.

Aber das wirklich Furchtbare ist, dass alles noch viel schlimmer ist als hier geschildert. Und die Ironie der Geschichte ist, dass wir vor einer rechten Diktatur gewarnt werden, während wir längst in einer linken Diktatur sitzen.

Jetzt Teil der Aktion «500×10» werden. Informationen gibt es hier.