Ein lautmalerischer Begriff macht Karriere. Er lautet: «Piks». Das und nichts anderes ist laut allgemeiner Darstellung die Covid-19-Impfung. Man muss kein Impfgegner sein, um das für eine unzulässige Verharmlosung zu halten. Das Wort sollte verschwinden. Es ist schlicht nicht zutreffend für den Vorgang.

Das Coronavirus ist ganz furchtbar. Alles, was man gegen dieses tut, ist hingegen irgendwie niedlich. Zum Beispiel die Impfung. Die ist nur ein «Piks». Nicht mehr als das.

Aktuellstes Beispiel ist ein aufgeregter Beitrag auf nau.ch über «falsche» Impfempfehlungen auf einer Webseite.

Dort heisst es unter anderem in einem Absatz dieses:

«Nämlich zwei Piks gegen das Coronavirus bei möglichst vielen Menschen ab fünf Jahren, bei Schwangeren ab dem zweiten Trimester. Genesene sollten sich einen Piks bis spätestens drei Monate nach der Erkrankung abholen – nicht frühestens.»

Piks. Piks. Piks. Und man kann sich diesen «abholen». Das Leben ist so einfach.

Für mich ist es ein Piks, wenn mir eine freundliche Praxisassistentin Blut am Finger nimmt, weil sie nur ein paar Tropfen braucht. Das ist ein Piks. Eine Impfung oder eine Medikation via Spritze ist kein Piks. Denn nach dem Piks kommt was. Dem Körper wird nach dem Piks etwas zugeführt. So einfach ist es. Es spielt gar keine Rolle, ob man die Inhaltsstoffe für segensreich oder einen Fluch hält, eine Impfung ist kein reiner Piks. Basta und aus.

Fragen wir, das kann nie schaden, doch zuerst mal den Duden. Laut dem ist «Piks» so definiert:

«Ursprünglich lautmalend für einen kleinen, wenig schmerzhaften Einstich.»

Ein Einstich. Mehr nicht. Sobald etwas folgt, ist es mehr als ein Piks. Die Definition des Worts erschöpft sich im Einstich. Wer das Wort für etwas anderes verwendet, führt seine Leser ins Irre.

Ich bin kein Impfgegner. Das habe ich stets klar festgehalten. Ich bin sogar ein ausgesprochener Bewunderer des Impfkonzepts – was nicht alle Leute lustig finden, die meine Texte lesen. Ich bin selbst seit Kindesbeinen an gegen alles Mögliche geimpft, und als ich mich in die weite Welt aufmachte für einige Zeit, musste ich noch einige exotische Dinge nachholen. Kein Problem. Es wäre mir aber nie eingefallen, das als reinen «Piks» wahrzunehmen. Mir war sehr wohl bewusst, dass nach dem Einstich im Körper irgendetwas passiert. Ich bin ja in Südostasien oder wo auch immer kaum vor exotischen Krankheiten geschützt, weil mich in einem Labor in St.Gallen jemand einfach kurz gestochen hat und dann in die Kaffeepause verschwunden ist.

Ich weiss nicht, ob es Absicht der Kollegen bei nau.ch (und natürlich auch beim Tagblatt, beim Blick, bei 20min.ch usw.) ist oder einfach ein Reflex. Aber der Begriff «Piks» wird der Sache nicht gerecht. Ist eine Chemotherapie, die über einen Einstich in eine Vene beginnt, auc…