Eine Mehrheit des Nationalrats hat keine Lust, die anhaltende Übersterblichkeit in der Schweiz zu untersuchen. Als ob es etwas an einer Situation ändern würde, wenn man sich einfach die Augen zuhält. Aber immerhin weiss man nun, wen man nicht mehr wählen sollte.
In der Coronazeit hätten die Menschen gemäss Prognosen wie die Fliegen sterben sollen. Die Übersterblichkeit blieb aus, das Durchschnittsalter der Schweizer stieg. Erst nach der «heissen» Phase begann die Zahl an Verstorbenen pro Jahr die erwartete Ziffer zu übersteigen.
Abzuschätzen, wie viele Menschen in den nächsten 365 Tagen sterben werden, ist keine exakte Wissenschaft. Anhand der Erfahrungswerte und demografischer Daten ist üblicherweise zwar keine Punktlandung, aber doch eine gute Annäherung möglich. Oder besser: war möglich.
Im Jahr 2022 wurden über 6000 Todesfälle mehr verzeichnet, als es die Annahmen vorsehen. Das ist in den Dimensionen unseres Landes ein kleiner Erdrutsch. Dazu kommt nebenbei bemerkt eine massive Reduktion der Geburtenrate.
Würden wir in normalen Zeiten leben, müssten sich Behörden und Wissenschaft brennend für die Gründe interessieren. Man stellt allerdings keine Fragen, wenn die Antwort unangenehm ausfallen könnte. Das sieht auch der Nationalrat so. Der Berner Nationalrat Andreas Gafner von der kleinen Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) wollte die Übersterblichkeit untersucht wissen. Seine Motion sah das hier vor:
Der Bundesrat wird beauftragt, eine unabhängige, ausserparlamentarische Untersuchungskommission (APUK) einzusetzen, welche die Gründe der vom Bundesamt für Statistik (BFS) ausgewiesenen, auffällig hohen Übersterblichkeit im Jahr 2022 untersucht und der Eidgenössischen Bundesversammlung darüber Bericht erstattet. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob Zusammenhänge zwischen der Zunahme der Übersterblichkeit und der gestiegenen Impfquote gegen Covid-19 bestehen. Bei der Zusammensetzung der APUK muss gewährleistet werden, dass sie aus unabhängigen Fachpersonen (u.a. Epidemiologen, Krebs- und Herzspezialisten) besteht, die allein der wissenschaftlichen Wahrheit verpflichtet sind.
Das ist ein einfacher, nachvollziehbarer Auftrag, vor dem sich niemand fürchten muss, wenn alles sauber lief. Und zudem könnte eine solche Analyse wertvolle Resultate für die Zukunft liefern. Denn angeblich ging es ja stets um unsere Gesundheit während Corona. Wem etwas an dieser liegt, der sollte sichergehen, dass das Richtige gemacht wurde, damit Fehler künftig vrmieden werden können.
125 Mitglieder des Nationalrats sahen das anders. Sie lehnten die Motion ab. Wer das konkret war, das kann man hier einsehen. Kurz zusammengefasst: SVP und EDU wollten eine solche Untersuchungskommission, der Rest nicht.
Danke für Ihre freiwillige Unterstützung.
Der Bundesrat, welche Überraschung, ist auch nicht der Ansicht, dass man das unerklärliche grosse Sterben unter die Lupe nehmen sollte. Dessen Existenz streitet er nicht ab, wie auch. Aber, so verkündete Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP) im heiligen Ernst, von den rund 6300 Verstorbenen über der Prognose seien nur deren sechs der Impfung zuzuschreiben. Was für eine schön runde, sehr exakte Zahl. Wie genau sich das beziffern lässt!
Und es kommt noch besser. Wir erinnern uns, dass wir als Unmenschen bezeichnet wurden, wenn wir während Corona darauf hinwiesen, dass das Virus in erster Linie alte, vorerkrankte Menschen trifft. Das war eine wichtige Information, weil sie zeigte, dass man in erster Linie die Risikogruppen schützen sollte und nicht etwa Kinder und Junge einer experimentellen Pampe aussetzen sollte.
Ausserdem ist es in der besagten Risikogruppe mit Menschen, die nicht selten an diversen schweren Erkrankungen litten, ziemlich kühn, ein Virus für das Ableben verantwortlich zu machen. Aber uns wurde unterstellt, uns seien Tote egal, wenn sie ein gewisses Alter erreicht hätten.
Und was macht nun Baume-Schneider? Sie weist darauf hin, dass es sich bei den sechs Verstorbenen 2022 um Leute mit einem Durchschnittsalter zwischen 85 und 91 Jahren gehandelt habe. Geht es um Opfer der Impfung, darf man also auf das biblische Alter hinweisen und mit den Schultern zucken. Die SP-Bundesrätin nimmt die erfundene Zahl 6 und den Verweis auf das vorgerückte Alter als Anlass zur Aussage, damit sei klar, dass die Impfung nichts mit der Übersterblichkeit zu tun habe.
Man macht sich die Welt wieder so, wie sie einem gefällt. Was während Corona unaussprechlich war, ist nun die offizielle Lesart.
Wer sich der Untersuchung unerklärlicher Vorgänge verweigert, beweist nur eines: Er will nicht auf Dinge stossen, die nicht sein dürfen. Wer so sehr überzeugt ist von der Harmlosigkeit der Impfung, der hätte jetzt Gelegenheit gehabt, den Beweis dafür wissenschaftlich zu untermauern. Will man das nicht, überführt er sich indirekt selbst.

