Sie wollen keine Klarheit. Weil sie diese fürchten.

Dass Politik und Medien keine Aufarbeitung der Coronazeit wünschen, ist klar. Sie würden schlecht wegkommen. Selten hat das aber jemand so zugegeben wie eine mehrfach preisgekrönte Medizinethikerin.

Vielleicht beginnt man am besten beim Original. Es sind nur knapp 40 Sekunden, die sprechen aber Bände.

Die Dame, die da spricht, heisst Alena Buyx. Sie ist Medizinethikerin, lehrt an Hochschulen und wurde wurde 2021 mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt, und zwar «für ihren Einsatz für den gesellschaftlichen Zusammenhalt während der Coronakrise».

Ja, der Videoausschnitt klingt wirklich stark nach einem bedingungslosen Einsatz für den «gesellschaftlichen Zusammenhalt».

Ich antworte der Dame hier mal, auch wenn sie nicht darum gebeten hat:

  • Dass es ein «tiefes Bedürfnis» nach der Suche nach Schuldigen aus der Coronazeit gibt, hat vielleicht damit zu tun, dass es tatsächlich eine Schuld gibt und Leute, die sie zu verantworten haben.
  • Warum befürchtet Buyx, dass mit einer Aufarbeitung «Zweifel gesät» werden könnten? Zweifel sind nichts Schlechtes. Dank ihnen kann man falsche Handlungen erkennen und ihnen eine Absage erteilen. Oder wenigstens im Nachhinein zugunsten der Zukunft verstehen, was falsch gelaufen ist.
  • Diese «Geschichten, die man im Moment hört» über gleichgeschaltete Medien, die falsch berichtet haben, sind nun mal eben einfach wahr. Worin liegt die Gefahr für die Demokratie, sie weiterhin zu erzählen? Was könnte passieren? Dass wir bessere Medien bekommen? Gott bewahre!

Dass die Ethikerin findet, das müsse man «vermeiden», spricht Bände. Es geht ihr nicht um die Wahrheit. Es geht ihr darum, dass die Wahrheit Zweifel säen könnte (berechtigte Zweifel!), dass das Weltbild einiger Leute ins Wanken gerät, dass sie beispielsweise in Zukunft andere Parteien wählen oder sich für andere Medien entscheiden.

Wenn Alena Buyx in all dem eine Gefahr erkennt, muss sie sich die Frage gefallen lassen, was das bitte noch mit ihrem Fachgebiet, der Ethik, zu tun hat. Sie agiert eher wie eine Politikerin oder wie die Sprecherin eines Medienhauses.

Die Sorge der Dame ist durchaus auch auf einen Selbsterhaltungstrieb zurückzuführen. Sie hat damals mitgemacht und müsste sich ebenfalls Fragen gefallen lassen, wenn man die Coronazeit endlich mal systematisch aufdröseln und die Frage beantworten würde, wer wann was gesagt und gemacht hat auf der Grundlage welches Wissensstandes.

Regierungen wollen, dass die Menschen nicht zweifeln. Dass sie alles bedingungslos glauben. Regierungen wollen, dass auch später niemand nachfragt. Im vorliegenden Fall wollen auch die meisten Medien dasselbe. Warum? Weil sie wider besseres Wissen gehandelt und in einer Mischung aus Hirnwäsche, Zuckerbrot und Peitsche eine Mehrheit in die Richtung geführt haben, die sie sich wünschten. Auf Kosten von Grund- und Freiheitsrechten, von Existenzen, von psychischer und physischer Gesundheit.

Wer nicht will, dass Zweifel gesät werden an der Politik der Vergangenheit, der macht sich zum Knecht dieser Politik. Was das mit einem ethischen Verhalten zu tun haben soll, muss die Dame für sich selbst entscheiden. Man braucht aber ziemlich viele Kniffe, um zu diesem Schluss zu kommen. Oder einfach ein fehlendes Gewissen.

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Bild oben: Wikimedia.