G wie getestet, geimpft, genesen – oder gesund?

Gesunde Leute hatten in den Coronajahren einen schweren Stand. Irgendwie waren sie immer höchst verdächtig. Wie kann man es sich erlauben, in solchen Zeiten einfach gesund zu sein? Das ist doch völlig unsolidarisch! Natürlich durfte man frei von Beschwerden sein, aber dann wenigstens ordentlich positiv getestet und in Isolation bitte!

Dieser Text stammt aus meiner Satiresammlung «Corona-ABC». Bestellen kann man das Buch hier.

Im verzweifelten Kampf um die Volksgesundheit wurde interessanterweise die Gesundheit zur vernachlässigbaren Kategorie erklärt. Nur wer genesen, getestet oder idealerweise geimpft war, galt als wertvolles Mitglied der Gesellschaft, ausgestattet mit einem Zertifikat und berechtigt zur Teilnahme am sozialen Leben.

Wer sich fit wie ein Turnschuh fühlte, das aber nicht elektronisch oder auf Papier belegen konnte, galt als wandelnde Gefahr für Leib und Leben anderer. Erstmals in der Geschichte musste man sich schon fast dafür entschuldigen, wenn man sich gerade grossartig fühlte und keinen Anlass zu einer Untersuchung sah. 

Und so trabten Heerscharen von Leuten, die nicht mal ansatzweise in der Nähe eines einzelnen Husters waren, regelmässig in Testzentren, um sich den Beweis dafür zu sichern, dass sie keine Virenschleudern sind.

Wobei die besagten Tests das natürlich in keiner Weise sicherstellen konnten, aber darum ging es ja nie. Man wollte einfach in Restaurants oder Kulturstätten nur Leute, bei denen man sicher sein konnte, dass sie sich dem System unterworfen hatten. Ob sie andere anstecken konnten oder nicht, war nicht die Frage. Das Zertifikat war keine Massnahme für die Volksgesundheit, sondern eine Methode zur Einschüchterung und Spaltung.

Übrigens gab es in diesen zwei Jahren haufenweise Leute, die selbst ohne positiven Coronatest immer mal wieder kränkelten. Ziemlich erfolgreich wurde unser natürliches Immunsystem, dieses Wunderding, über einen langen Zeitraum ausgehebelt dank der Maskenpflicht.

Nach einer gewissen Zeit waren wir, weil nicht mehr dem natürlichen Stresstest der Natur ausgesetzt, ziemlich hilflose Opfer selbst der harmlosesten Viren. Das wurde meines Wissens nie als offizielles Ziel des Bundesamts für Gesundheit formuliert, aber wenn es eines war, wurde es erreicht.

Ziehen wir Bilanz: Aus lauter Sorge um die Gesundheit der Menschen wurde eben diese Gesundheit aktiv attackiert, gleichzeitig schob man gesunde Leute aufs Abstellgleis. Das ist eben einer dieser Fälle, in denen wie im Vorwort festgehalten die Realsatire die Satire überholt.

Zwei Jahre Corona haben dafür gesorgt, dass man sich heute krank fühlt, wenn man technisch gesehen gesund ist und umgekehrt. Die Angst, morgens aufzuwachen und einfach keinerlei Beschwerden zu verspüren, greift um sich. Denn dann kann irgendetwas nicht stimmen.