Die Toleranz zwischen den Menschen wird nicht gefährdet von Intoleranten, die andere nicht sein lassen, wie sie sein wollen. Sie wird bis zum Zerreissen gespannt von angeblich Toleranten, die ihre wilde Interpretation von Toleranz allen aufzwingen wollen bis zum bitteren Ende.
Ich war in der Schule miserabel in Biologie. Das hatte weniger mit mangelhaftem Verständnis für biologische Zusammenhänge zu tun, sondern mit der Tatsache, dass wir drei Viertel unserer Zeit damit verbrachten, verschiedene Gewächse zu sammeln, zu trocknen und in einem Ordner abgelegt als «Herbarium» zu präsentieren. Mein Ordner war ein lebender Organismus, weil ich mir fürs Trocknen zu wenig Zeit nahm. Und leider sieht für mich der gemeine Knöterich so aus wie jedes andere Unkraut, das spriesst.
Heute würde ich mit meinen Noten glänzen. Ich würde der Lehrkraft bei ihrer Interpretation der biologischen Naturgesetze einfach widersprechen und sagen, dass mein Glaubenssystem etwas anderes sagt. Sie würde sich hüten, mir zu widersprechen. Selbst wenn es um scheinbare Selbstverständlichkeiten wie XX- und XY-Chromosomen geht.
Mit welcher Selbstsicherheit jetzt gerade wieder in der Euphorie rund um den «Eurovision Song Contest» einem fiktiven dritten Geschlecht Nachdruck verliehen wird, mutet wie Satire vom Feinsten an. Direktes Opfer nach der Biologie ist übrigens die Sprache. Wie es klingt, wenn wir alle früher oder später gezwungen werden, geschlechtsgerecht zu sprechen, habe ich hier beschrieben (Beitrag ist nach dem Videoclip freigeschaltet).
In verblüffender Parallelität zu Themen wie Corona oder dem Krieg in der Ukraine kommt dabei diese Mechanik zum Einsatz: Hast du Zweifel daran, dass das, was gerade geschieht, richtig ist, dann bist du intolerant, grenzt andere Menschen aus, hast keinen Respekt vor ihnen und öffnest Tür und Tor zur Diskriminierung.
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Das ist vor allem deshalb der reine Irrsinn, weil die meisten Menschen, die sich gegen Zeitgeisterscheinungen wie die Nonbinarität wehren, Zeit ihres Lebens tolerant waren und nach dem Motto agierten: leben und leben lassen. Was geht es mich an, als was sich X oder Y identifiziert? Was er an Kleidern trägt, wen er liebt? Definitiv nicht meine Sache.
Es wird aber zu meiner Sache, wenn man mich zwingen will, erfundene Pronomen einzusetzen und öffentlich zu akzeptieren, dass jemand weder Frau noch Mann ist, sondern eine «Person». Verlangt man das von mir, respektiert man mich nicht, ist intolerant, grenzt mich aus und diskriminiert mich. Denn genau so wie es das Recht des Einzelnen ist, sich selbst zu definieren, ist es mein Recht, mich nicht an diese Definition zu halten. Wenn mein Nachbar morgen entscheidet, er sei die Reinkarnation von Jesus Christus, werde ich ihn dennoch weiterhin bei seinem Vornamen nennen, auf den er getauft wurde. Es sei denn natürlich, er verwandelt Wasser zu Wein, dann lasse ich mit mir reden, das wäre durchaus praktisch.
Was die Aktivistenszene rund um LGBTQ mit ihrem Verhalten erreicht, ist eine wachsende Intoleranz. Sie verändert auch Menschen, die früher vielleicht amüsiert, aber nicht feindselig auf das reagiert haben, was aus der gewachsenen «Norm» herausfällt. Denn «leben und leben lassen» gilt ausdrücklich nicht für diejenigen, die von zwei natürlichen Geschlechtern (und einer Sonderquote im Promillebereich) ausgehen. Sie sollen sich dem Zeitgeist gefälligst anpassen.
Das lässt die Wut wachsen. Menschen, die niemals auch nur daran dachten, andere zu verurteilen, sehen sich in die Rolle des Bösen versetzt, nur weil sie den unwissenschaftlichen Unsinn eines dritten Geschlechts – oder vielleicht noch 70 obendrauf – nicht aktiv mittragen.
Es wird immer Leute geben, die andere aufgrund ihrer Erscheinung oder ihrer persönlichen Entscheidung diskriminieren oder als «nicht normal» diskreditieren. Sie sind aber schwer in der Minderheit. Die Mehrheit da draussen will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hat keine Lust, den lieben langen Tag darüber nachzudenken, wie sie beim nächsten Apéro das Gegenüber anspricht, ohne eine Strafanzeige zu riskieren. Sie lässt andere machen und möchte selbst ebenfalls einfach machen.
Nemo Mettler ist ein biologischer Mann, der irgendwann – rein zufällig natürlich, als das Thema omnipräsent wurde – beschloss, kein Mann mehr zu sein, aber auch keine Frau, sondern eben einfach nichts, was das Geschlecht betrifft. Das ist sein gutes Recht, und er muss dieses nicht vom Verständnis oder Unverständnis anderer abhängig machen. Das Recht aller anderen ist es, diese Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen, sich aber die Freiheit zu bewahren, sich weiterhin an die Naturgesetze zu halten und Nemo als Mann zu betrachten und anzusprechen.
Es ist alles gar nicht so schwierig. Voraussetzung ist einfach, dass man den Begriff «Toleranz» nicht umdeutet. Tolerieren heisst ertragen und nicht mittragen.
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