Vielleicht habe ich einfach ein verqueres Bild der Demokratie. Möglicherweise liege ich kreuzfalsch. Es muss wohl so sein. Denn seit Jahren trichtert man uns ein: Wer die gerade Regierenden nicht bedingungslos unterstützt, beschädigt und gefährdet die Demokratie.
Ich bin vor wenigen Tagen Abonnent eines YouTube-Kanals namens «Clownwelt» geworden, klicke mich seither durch seine zahlreichen Videos und komme aus dem Kopfnicken kaum mehr raus. Was bedeutet, dass ich eine Gefahr bin und – würde ich in Deutschland leben– morgen früh um 6 Uhr die Polizei im Bademantel begrüssen müsste. Denn «Clownie», wie sich der YouTuber nennt, ist ein Feind der Demokratie.
«Clownwelt» beschäftigt sich mit der aktuellen Politik in Deutschland, die ein reichhaltiges Feld darstellt. Er widerlegt Behauptungen von Politikern und Journalisten und hinterfragt zentrale Themen wie die Migrationspolitik. Aus meiner Sicht sind das dringend nötige Selbstverständlichkeiten in einer freien Demokratie.
Aber geht es nach dem Pseudo-Satiriker Jan Böhmermann und der Zeitung «Die Zeit», ist eine kritische Haltung gegenüber der Regierungspolitik verfassungs- und demokratiefeindlich. In Kooperation betrieben diese beiden ein sogenanntes «Detoxxing»: Sie legten den Klarnamen von «Clownie» offen. Im Fall von Böhmermann war es eine von der Allgemeinheit via Zwangsgebühren finanzierte Aktion, da sie auf dem öffentlich-rechtlichen ZDF stattfand.
Wer mehr dazu wissen will, soll sich die Fakten bitte direkt beim betroffenen YouTuber holen und nicht das ZDF oder «Die Zeit» mit einem Klick belohnen – hier ist die Reaktion von «Clownie».
Ich will an dieser Stelle (noch) nicht auf das eigentliche Detoxxing eingehen, weil das eine ziemlich grosse Baustelle ist. Was mich gerade vor allem umtreibt, ist die Unverfrorenheit, mit der Journalisten eine völlig neue Begriffs-Matrix basteln. Christian Fuchs von «Die Zeit» schreibt zu dem konkreten Fall das Folgende auf die Frage, warum man nicht noch mehr Details über «Clownie» publiziert habe:
«Auch Feinde der Demokratie haben das Recht auf Privatsphäre.»
Der Mann ist ja richtig gnädig! Ich nehme mir dennoch die Freiheit, einige Anmerkungen zu machen:
- Die bewusste Privatsphäre, auf die der Mann angeblich ein Recht gehabt hätte, wurde im Rahmen der Kooperation von Böhmermann und «Die Zeit» komplett aufgehoben. Sein Klarname ist bekannt, bis zum Wohnort sind es wenige Klicks.
- Die Absicht dahinter ist unmissverständlich: Der zur Schau gestellte Mann soll Existenz und Ruf verlieren, bis er nichts mehr hat?
- Wer genau ist hier ein «Feind der Demokratie»? Ein YouTuber, der dafür ist, dass illegale Migranten aus Deutschland abgeschoben werden?
- Ich befürchte, Deutschland könnte bald vor einer ziemlich irren Situation stehen: Eine Mehrheit der Bevölkerung, die nach dieser Definition «Feinde der Demokratie» sind.
- Was macht man dann? Die Kritiker ausbürgern und ausschaffen?
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Die lockere Art, wie Journalisten mal eben Begriffe wie «rechtsextrem» oder «demokratiefeindlich» auf alles stempeln, was sich nicht bedingungslos hinter die Politik der letzten Jahre stellt, ist zwar nicht neu, aber immer wieder faszinierend. Es ist, als hätten Wörter ihre Bedeutung verloren. Man kann nun in der Form eines veritablen «Bullshit-Bingos» einfach bei jeder Meinung, die einem nicht passt, solche Etiketten verwenden. Wenn das der Stammtisch tut: meinetwegen. Wenn es Journalisten grosser Medienhäuser tun: Sonst geht’s gut?
Ich habe nach Sichtung eines Dutzend Videos keine einzige als rechtsextrem einzustufende Äusserung bei «Clownswelt» gehört. Es ist eher ein bisschen so, als wäre die alte CSU von Franz-Josef Strauss wieder auferstanden und würde ein bisschen gesunden Menschenverstand über eine verwirrte Gesellschaft streuen. Es sind Positionen, die in früheren Zeiten bürgerlich-konservative Parteien ganz selbstverständlich transportierten. Dass man sie nun als «rechtsextrem» bezeichnet, hat eher damit zu tun, dass sich die Pole völlig verschoben haben. Wenn das einstige «Linksextrem» inzwischen in der Mitte verankert wurde, wirkt alles andere sehr rasch extrem rechts.
Was ich zum Brüllen lustig finde: Wie man «Clownie» zum Vorwurf macht, sich hinter einem Kunstnamen zu verstecken und seinen Klarnamen nicht öffentlich zu machen, wie das doch in einer Demokratie üblich sein sollte. Dabei ist das üble Detoxxing des gebührenfinanzierten Scharlatans Jan Böhmermann der beste Beweis dafür, dass kritischen Menschen gar nichts anderes übrig bleibt. Denn diese werden gejagt wie die Hexen einst. Warum genau sollte man sich selbst brav einem System ausliefern, dass es auf die Vernichtung von Widerspruch angelegt hat?
«Clownswelt» auf YouTube hatte vor der Böhmermann-Sendung rund 220’000 Abonnenten. Bei der Niederschrift dieser Zeilen bewegt sich die Zahl Richtung 350’000, und das Ende der Fahnenstange dürfte noch nicht erreicht sein. Eine grandiose Marketingaktion für den Mann, den man zerstören wollte.
Ich gönne «Clownie» jeden neuen Abonnenten und rufe gezielt dazu auf, diesen einen Klick zu machen. Das spült dank Werbeeinblendungen Geld in seine Kasse, die er braucht, um seinen Beitrag zu einer funktionierenden Demokratie zu leisten. Und um sich abzusichern gegen die wahren Feinde der Demokratie: Jan Böhmermann, «Die Zeit» und viele andere.
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