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QR was?

Unser Leben wird immer mehr bestimmt von Codes in kleinen Quadraten. Wer es lieber analog hat, steht auf verlorenem Posten. Ein Gastbeitrag von Alexander F. Stahel.

Ich gebe es gerne zu: Ich bin eine überzeugte Sofa-Kartoffel. Oder, um es auf neudeutsch zu sagen: ein Couch potato. Ein begeistertes Heimchen am Herd. Es braucht einiges, um mich zwischen meinen geliebten Büchern hervorzuholen, aus der Welt meiner Musik und von der weichen Nähe der besten aller Ehefrauen wegzulocken.

Und doch… Da ist diese Ankündigung unseres geschichtsträchtigen Hauptstädtchens, das diese Bezeichnung nur seiner Vergangenheit, nicht seiner Grösse zu verdanken hat. Eine Stadtführung mit einem mir bekannten ehemaligen Gymnasiallehrer und Hobbyhistoriker, einem sympathischen, eloquenten Mann. Da könnte ich doch – zumal die Wettervorhersage für den kommenden Freitag freundlich ist und zum Flanieren einlädt.

Also, nichts wie hin zum Telefon. Doch halt. Wo ist die Telefonnummer? Die E-Mail-Adresse? Nein: nur ein Quadrat, das dem Abbild eines Irrgarten ähnelt. «Bei Interesse scannen Sie bitte nebenstehenden QR-Code…» Ja wie denn? Womit denn? Und was dann? Ich möchte, bitte schön, mit einem Menschen kommunizieren, einem realen Wesen, per Telefon, E-Mail oder Briefpost.

Und so wird nichts aus meinem Ausflug am Freitagnachmittag, und ich lese dafür weiter in Thomas Manns opulentem Werk «Jakob und seine Brüder», einem handfesten Papierband mit bedruckten Seiten. Im Hintergrund läuft derweil kratzend Händels Wassermusik ab dem altmodischen Plattenspieler, den ich vor vielen Jahren auf dem Flohmarkt erstand.

Nicht nur unser Ausgehverhalten wird zunehmend von den ominösen Zeichnungen dominiert. Auch der Parkbusse der besten aller Ehefrauen liegt kein Einzahlungsschein, ja nicht einmal der Tatbestand des Vergehens bei, sondern nur dieses seltsame Quadrat. Und als ich neulich nach einer längeren Autofahrt meinen Hunger stillen wollte, fanden sich statt einer Appetit anregenden Speisekarte die unentzifferbaren Hieroglyphen auf dem Tisch des französischen Restaurants.

Selbst das zwielichte Gewerbe habe aufgerüstet, wie ich der Tagespresse entnehme, die davor warnt, unbesehen öffentliche Codes zu scannen, da diese von gewieften Gaunern mit unlauterer Gesinnung mit solchen überklebt würden, die zu ihren eigenen Bankkonti führten.

Nichtsdestotrotz fördert die Behörde den scheinbaren Fortschritt. Die kantonalen Angebote lassen sich immer öfter nur noch via QR-Code einsehen, und auch die Anbieter des öffentlichen Verkehrs setzen auf die Digitalisierung. Post und Bank haben ihre Einzahlungsscheine abgeschafft und durch elektronisch lesbare Codes ersetzt, und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die Preise in den Lebensmittelgeschäften nur noch per Handy gelesen werden können, was deren flexible Anpassung erleichtert.

Als digital weder versierter noch auch nur im geringsten interessierter Mensch fühle ich mich zunehmend von weiten Bereichen der Gesellschaft ausgeschlossen. Ja, auch ich besitze ein Mobiltelefon. Zum Kommunizieren, zum Fotografieren und um mir Musik anzuhören. Aber die Tatsache, dass es mir unaufgefordert Werbung für Dinge unterbreitet, über die ich mich gerade mit meiner Tochter unterhalten habe, ermuntert mich kaum, dieses mit persönlichen Aufgaben zu betrauen.

Ich wünsche mir daher Einsicht und Vernunft seitens der Behörden, den Älteren, Skeptischeren und technisch weniger Versierten wenigstens die Möglichkeit zu bieten, ihren Alltag weiterhin analog zu bewältigen. Ohne blind auf den vermeintlichen, trügerischen Fortschritt der Technik vertrauen zu müssen.

Denn ist es nicht am Ende die Aufgabe des Staates, jedem die Möglichkeit zu geben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und seinen Pflichten nachzukommen – ohne dafür zuerst ein technisches Gerät und die Kompetenz zu dessen Bedienung erwerben zu müssen?

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