Es ist die Paradedisziplin des Boulevardjournalismus: Such den Pöstler, der den Hund beisst, weil das Umgekehrte keinen Menschen interessiert. Finde das Andersartige, das Abartige. Dem «Blick» ist das mal wieder in Reinkultur gelungen.

Geruchs- und Geschmacksverlust wurde sehr früh als eine mögliche Auswirkung einer Covid-19-Erkrankung rapportiert. Das ist nicht besonders lustig. Im Tram mag es dann und wann praktisch sein, aber gerade für Geniesser bedeutet es einen ziemlichen Verlust an Lebensqualität. Das Gute daran: Es geht vorbei.

Im Fall von Stefanie Odianosen (Nomen est omen) allerdings nicht wie gewünscht. Sie hat ihren Geruchs- und Geschmacksinn wieder, aber alles riecht und schmeckt nach – Fäkalien. Erzählt uns jedenfalls die Frau via «Blick». Wie dieser auf die pulitzerpreisverdächtige Story kam, ist unbekannt. Da man es der Dame kaum ansieht, ist davon auszugehen, dass sie sich aus freien Stücken bei der Redaktion gemeldet hat. 15 Minuten Ruhm seien jedem gegönnt, selbst wenn sie damit bezahlt werden, dass der morgendliche Kaffee wie eine Kloake duftet.

Natürlich ist das ein bedauernswertes Schicksal, und es ist Frau Odianosen zu wünschen, dass der Zustand nicht lange anhält. Wenn ich da oben ein bisschen gefrotzelt habe, richtet sich das nicht gegen das Opfer der Angelegenheit, sondern gegen das Bestreben, jeden noch so exotischen Fall auszuschlachten.

Wir schlagen uns nun bald zwei Jahre mit der Angelegenheit herum, ich habe mich ziemlich reingekniet, aber bislang bin ich dem Phänomen mit dem Namen «Kakosmie» nie begegnet. Was ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf ist, dass es sich um einen ziemlich einsamen Ausreisser handelt. Kommt dazu, dass wir wie immer bei diesen Geschichten keine Ahnung haben, wie die medizinische Vorgeschichte der Betroffenen aussieht. Aber eigentlich egal, im Zweifelsfall war es bekanntlich immer Corona.

Stellen wir uns für einen Moment vor, ein Geimpfter, der nie erkrankt war, würde sich mit der Kakosmie herumplagen. Würden wir von der Impfung als möglichem Auslöser lesen? Unwahrscheinlich. Sehr unwahrscheinlich. Covid-19 ist ein bisschen wie das typische Mobbingopfer, das es in jeder Schulklasse gibt: Wenn was vorfällt, war es mit Garantie dieser Kerl, auch wenn man es nicht genau weiss.

Eigentlich könnte man applaudieren. Als ehemaliger Boulevardjournalist ist mir klar, dass die Story einer Dame, für die alle…