Deutschland beginnt, an der Grundversorgung herumzuschrauben. Italien macht die Impfung zur Voraussetzung, arbeiten zu dürfen. Beides hätte sich kaum jemand je vorstellen können. Beides geht ruckzuck. Und vor den Augen aller.

Das Bundesland Hessen ist so frei: Es erlaubt Supermärkten, die 2G-Regel einzuführen. Da der Genesenen-Status in der Praxis kaum eine Rolle spielt, heisst das: Grundversorger dürfen ihr Angebot auf geimpfte Personen beschränken, wenn sie Lust haben. Es ist keine Vorgabe der Regierung, nur die «Erlaubnis». Aber im Zusammenspiel mit der offiziellen Coronapolitik ist die Botschaft mehr als deutlich: Ihr könnt, wenn ihr wollt, also macht bitte auch, wozu sollten wir es Euch denn sonst erlauben?

Das ist an Ernsthaftigkeit kaum mehr zu überbieten. Menschen, die sich keinen Impfstoff zufügen lassen wollen, zu verunmöglichen, sich mit Gütern des täglichen Bedarfs einzudecken, ist ein unentschuldbares Vergehen. Wenn der erste Supermarkt einsteigt, ziehen die nächsten mit. Der Druck auf den Tante-Emma-Laden im Quartier, so es die denn überhaupt noch gibt, steigt danach ins Unermessliche. Irgendwann wird 2G in der Grundversorgung die gefühlte neue Normalität sein, und die Bahn ist frei für weiteren Wahnsinn.

In Italien stehen derweil Millionen Menschen seit einigen Tagen vor der Entscheidung: Impfen oder verarmen. Wer nicht geimpft oder getestet ist, darf nicht mehr am Arbeitsplatz erscheinen – geschweige denn erhält er oder sie Lohn. Gleichzeitig, welch ein Zufall, werden die Tests kostenpflichtig. Niemand kann es sich leisten, sich dauernd den Bürostuhl freizutesten. Es bleibt nur die Impfung. Aber das Wort Impfpflicht will man auch in Italien ni…