In Kanada geschieht Bemerkenswertes. In unseren Breitengraden mochten die Medien aber nicht so richtig berichten über den Aufstand der Truckerfahrer, der nun wirklich nicht zu übersehen war. Schlagzeilen gibt es erst, wenn die Regierung durchgreifen will.

Kanada gilt als eine Art vernünftiges Amerika. Während in den USA eigentlich immer in irgendeiner Weise gerade ein Ausnahmezustand gilt, lebt man in Kanada friedlich und gemeinschaftlich vor sich hin. Corona hat diesen Unterschied einigermassen verwedelt. Auch die kanadische Regierung stürzte sich kopfüber in die allgemeine Hysterie und machte aus dem beliebten Auswanderungsland eine Art Knast.

Das wollte sich, sehr symbolträchtig, vor allem eine Gruppe von Leuten nicht länger bieten lassen, die für ihre Freiheitsliebe bekannt sind: Die Fernfahrer. Tausende Tracks haben sich in den vergangenen Tagen aus Richtung Westen Richtung Osten bewegt, von Alberta nach Quebec City. Dort wollen sie Präsenz markieren, um gegen die Einschränkungen, die dem Schutz vor Covid-19 dienen sollen, zu protestieren. Das Ganze mit vielen schönen Zwischenstopps. Im Moment geht vor allem in Ottawa die Post ab. Die Trucker sind gekommen, um zu bleiben, es war keine kurze Durchfahrt. Erst wenn die Massnahmen beendet seien, werde man die Strassen zum Parlament wieder frei machen, liessen die rollenden Demonstranten vermelden.

In Kanada selbst ist die Sache nicht zu übersehen, und wer mehr darüber erfahren wollte, fand jederzeit Bilder und Videos der Aktion. Dazu musste man aber ein kleines bisschen suchen. Leserinnen und Lesern in der Schweiz wurden die Informationen jedenfalls nicht einfach von selbst in den Newstopf gespült. Wie so oft zensierten sich die Medien gewissermassen selbst. Sobald Protestformen eine gewisse Dimension erreichen, müssen sie ausgeblendet werden. Es könnte hierzulande ja noch jemand getriggert werden.

Im Zentrum der Kritik der Trucker steht Justin Trudeau, Premierminister von Kanada. Er dreht wie viele seiner Amtskollegen rund um den Globus seit langem ziemlich am Rad. Es hilft natürlich nicht, dass er auch ausserhalb der Coronathematik nicht unbedingt wie eine Idealbesetzung wirkt. Aber immerhin hat er dafür gesorgt, dass der Truck-Konvoi nun auch bei uns vermehrt Thema ist. Weil er hart durchgreifen will. Der Protest an sich sollte totgeschwiegen werden, aber nun, da Trudeau den harten Hund spielt, würdigen auch unsere Medien die Angelegenheit. Er fordert Mehr Polizei, er will durchgreifen gegen die Blockierer und so weiter: Das kann man natürlich melden. Die totale Vernunft des Beschützers der kanadischen Volksgesundheit gegen diese bösen Lastwagenfahrer, die ja keine Ahnung haben gewissermassen.

Dort, wo nun berichtet wird, kommt wieder mal die gute alte Diffamierung zum Zug. Der deutsche «Tagesspiegel» nennt die Trucker «Querlenker». Was für ein wunderbares Wortspiel. Da hat der zuständige Blattmacher sicher selbst vor dem Bildschirm wild gekichert. So einfach macht man aus einer Aktion, an der sich Menschen aus gutem Grund beteiligen, lächerlich machen. Queer ist gut, quer ist böse. Man muss die Argumente nicht hinterfragen, die Motivation nicht beleuchten. Journalisten in dieser Zeit stecken ihre Energie lieber in die Kreation von Begriffen, die eine umgehende Schubladisierung ermöglichen. Und den Lesern das Denken abnehmen. Querlenker? Deppen. Weg damit. Schon wieder eine inhaltliche Auseinandersetzung erspart.

Wie bequem.