Das Mediengesetz als Hilfe in höchster Not für darbende Verlagshäuser: Die Schweizer Bürger haben es gnadenlos versenkt. Wie dramatisch die Lage deshalb nun ist, führt Ringier gerade vor: Das Verlagshaus präsentiert das beste Geschäftsergebnis seit 2008.

Keine Frage, es gibt sicher eine Unmenge an kreativen Begründungen für das, was da Schwarz auf Weiss steht, es lässt sich alles immer irgendwie erklären, und das Mediengesetz wäre bestimmt dennoch unbedingt nötig gewesen. Unterm Strich bleibt aber die Tatsache, dass Ringier im vergangenen Jahr einen Cashflow aus dem operativen Geschäft vor Steuern von 124 Millionen Franken erreicht hat. Mehr als in jedem anderen Jahr nach 2008.

Nimmt man die erfindungsreichen Deutungen Direktbetroffener aus, heisst das: Der Firma geht es glänzend. Und jeder staatliche Franken, der via missratenes Mediengesetz in Ringier geflossen wäre, hätte nichts dazu getan, eine nicht vorhandene Not zu lindern, sondern einfach nur noch mehr Geld in ohnehin übervolle Kassen gespült.

Das ist nun nicht unbedingt überraschend. Schon vor der Abstimmung über das Mediengesetz konnte man wissen – wenn man es wissen wollte –, dass es den grossen Verlagshäusern in der Schweiz gut geht. Sie selbst gaben stets zu Protokoll, das liege aber vor allem an ihren anderen Geschäftstätigkeiten, der klassische journalistische Bereich darbe, was Abonnements und Werbeeinnahmen angehe – und brauche daher den Zustupf.

Das ist in etwa, wie wenn eine Bäckerei aufgrund ihrer hervorragenden Brotwaren floriert und dann den Staat zu Hilfe ruft, weil der zweite Zweig, die Tortenproduktion, gerade ein bisschen stagniert. Selbst wenn am Ende ein satter Gewinn resultiert: Müsste man nicht die Sache mit den Torten vom Steuerzahler stützen lassen? Denn dass etwas von den monumentalen Gewinnen aus dem Brotverkauf in die Tortensache fliesst, das ist natürlich ausgeschlossen, wo kämen wir da denn hin!

In der Praxis sind Brot und Torten natürlich nicht voneinander zu trennen. Beziehungsweise: Superrentable Onlinegeschäfte wie Autos, Immobilien, Versteigerungen usw. vom früheren Kerngeschäft, der Publizistik. Diese Dinge sind ineinander verzahnt. Wer heute auf ein Onlineprodukt von Ringier geht, wird auch mit dem ganzen Rest konfrontiert. Dann soll das bitte auch für die Ausgaben gelten. Mit dem einen gross Kasse machen, indem man es über die eigenen publizistischen Angebote pusht, für diese Angebote dann aber staatliche Hilfe beantragen, damit man sie weiterhin machen kann: Es ist grotesk, und glücklicherweise hat das eine Mehrheit der Stimmbürger rechtzeitig erkannt.

Jedenfalls muss niemand ein schlechtes Gewissen haben, der im Februar 2022 Nein dazu gesagt hat, auch wenn ihm suggeriert wurde, er beerdige damit die Medienvielfalt. Deren Erhalt liegt durchaus in den Händen der Leute, die diese Medien machen. Und sie haben die Mittel dazu. Wie wir jetzt gerade wieder sehen.