Das Leben wird einfacher. Die alte Regel für die Winterreifen – Oktober bis Ostern – soll in Deutschland vielleicht schon bald auch für die Maskenpflicht gelten. Es geht offenbar eher ums Kreieren griffiger Marketinginstrumente als um Sinnhaftigkeit. Und solche Schlagzeilen zeigen: Die wollen langfristig weitermachen.

Wir haben Juni, und wir wissen jetzt schon: Der Herbst wird ganz fürchterlich. Vielleicht schon der Spätsommer. Oder einfach der Sommer. Was nächstes Jahr angeht, fehlt es noch an Prognosen, aber nicht an wenig subtilen Signalen. Die besagen: Natürlich beschäftigt uns Covid-19 auch 2023.

Die «O bis O»-Regel, über die in Deutschland diskutiert wird, ragt schon ziemlich weit ins Jahr 2023 rein: Bis zu Ostern. Denn von Oktober 2022 bis Ostern 2023 könnte bei unseren Nachbarn die Maske wieder Pflicht sein. Mal schnell für ein halbes Jahr wieder eine einschränkende Regelung implementieren: Das gibt Lauterbach und Co. nicht zu denken. Denn mangels aktueller Notlage im Gesundheitssystem, dessen Zustand man nur als völlig entspannt beschreiben kann, gilt es, den Teufel für die nähere Zukunft zu malen.

Bei solchen politischen Bestrebungen geht es immer öfter nicht mehr darum, per sofort irgendwelche Notdekrete zu erlassen, wie wir es 2020 und 2021 erlebt haben. Das Ziel ist stattdessen ein Persilschein für die Ewigkeit. Die Politik will einen Freipass, indem ihr das Recht eingeräumt wird, künftig nach Lust und Laune Massnahmen einzuführen. Es ist ja auch lästig, dauernd übers Parlament gehen zu müssen. Einzelne Ministerpräsidenten Deutschlands liessen bereits verlauten, am liebsten hätten sie völlig freie Hand, was Lockdowns und Co. angeht.

Das wäre nicht weiter alarmierend, wenn man sich darauf verlassen könnte, dass die Möglichkeit nur in Anspruch genommen wird, wenn es wirklich nötig ist. Wir wissen seit zwei Jahren, dass dem nicht so ist. enn es diesen besagten Freipass mal gibt, wird er auch genutzt werden, auch wenn die Regierungen natürlich behaupten, er diene nur dem Fall der Fälle. Es wird schon reichen, dass ein unterbeschäftigter Epidemiologe eine Ministudie aus Uganda auf Twitter postet, um Alarmstimmung und Aktionismus auszulösen.

Ironischerweise waren wir ja in westeuropäischen Gefilden stets stolz darauf, dass wir Demokratien haben und nicht einem Autokraten unterworfen sind. Kommt es dann drauf an, geben wir den Regierungen nur zu bereitwillig jedes noch so autokratische Instrument in die Hände. Wir wehren uns nicht mal mehr für den Erhalt demokratischer Rechte. Und weil wir auf demokratischem Weg darauf verzichten, können die Beschenkten stets sagen: Ihr wart ja einverstanden.

Wie ich schon lange sage: Das Problem sind nicht mal die Regierenden, sondern das Volk, das sich für nichts mehr interessiert und froh ist, wenn Verordnung an die Stelle von Eigenverantwortung tritt.