Ein Gasttext hat mich erreicht, den ich der Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Frei lesbar, weil Wochenende ist (und ich ungern Geld nehme für fremde Texte…). Die Autorin ist Melanie Romer aus Mols.

Meine Kinder steigen nicht zu fremden Leuten ins Auto. Auch nicht dann, wenn sie mit einem Einhorn im Impfbus vor der Schule Halt machen.

Nein, ich bin keine Impfgegnerin. Ich bin überhaupt keine «Gegnerin», wohl aber eine eher kritische Zeitgenossin, die sich nichts an der Tür verkaufen lässt. Dass im aktuellen Zeitgeschehen nun so ziemlich alles eingetroffen ist, was auch ich unlängst als Verschwörungstheorie abgestempelt hätte, wirft weitere Fragen auf. Nie hätte ich mir beispielsweise träumen lassen, dass mir tatsächlich der Zutritt an die Zürcher Hochschule, an der ich aktuell studiere, ohne regelmässigen Gesundheitsnachweis verwehrt wird. Mit diesem Umstand gipfelt für mich der Missstand der aktuellen Politik, bei dem ich das Denken auf keinem Fall dem Staat oder dieser stets so übel gelaunten Task Force überlassen will.

So kam es dann auch, dass mich eines Nachts die Angst ereilte, dass der gefürchtete Impfbus vor der Schule in unserem schönen Dorf Halt machen würde. Bald ist die Impfung für Kinder zugelassen, dann werden auch die Jüngsten unter Druck geraten und immerhin habe ich drei davon. Nach einer kurzen Abwägung, ob das nun nicht doch zu viel «Teufel an die Wand gemalt» ist, entschloss ich mich, meiner zehnjährigen Tochter in einem Rollenspiel auf den Zahn zu fühlen.

«Stell dir vor, ein toller farbiger Bus mit lässigen Comics hält vor der Schule. Im Innern ist alles voller Süssigkeiten. Alle deine besten Freundinnen wollen da sofort hinein und drinnen hat es coole Flatscreens, Schminktische und sogar ein Einhorn gibt es da». Ich überlasse meiner Kleinen einen Moment, damit sie sich das Luftschloss so richtig ausmalen kann. Dann frage ich: «Möchtest du auch hineinkommen und mithelfen Leben zu retten?»

Meine Tochter schaut mich erwartungsvoll an. «Neeeiiin», sagt sie dann und kichert übermütig. Enttäuscht blicke ich sie an und übernehme die Rolle einer Ärztin. Mit ruhiger und vertrauenswürdiger Stimme erkläre ich: «Ich bin Frau Doktor Weltfrieden und ich weiss genau, dass du vielleicht denkst, warum muss ich mich pieksen lassen?» Das Wort Pieksen sage ich mit ganz heller Stimme, so dass es lustig klingt. «Aber weisst du, es gibt da ein heimtückisches Virus, das für ältere Menschen schlimm sein kann. Wir können den Weg des Virus unterbrechen, wenn wir uns impfen. Was meinst du, wäre deine Grossmutter nicht dankbar, wenn sie nicht mehr in Gefahr wäre?»

Die Kleine kippt den Kopf leicht zur Seite und meint: «Meine Grossmutter? Die ist geimpft und weil wir es nicht sind, hat sie schon seit Mai nicht mehr mit uns gesprochen». «Ach, das ist schlimm», sage ich in der Rolle der einfühlsamen Ärztin. «Aber vielleicht möchtest du deinen Opa schützen?» «Meinen Opa? Den muss man nicht beschützen. Der ist im Fall sehr stark. Zudem ist er doppelt geimpft, hat dann aber trotzdem dieses Corona eingefangen», debattiert sie und zieht misstrauisch ihre linke Augenbraue hoch.

Ich will gerade zum nächsten Argument ausholen, als sie abwinkt: «Mama, komm hör auf! Du weisst doch, dass ich im Kindergarten schon gelernt habe, dass mein Körper nur mir gehört und ich nicht zu fremden Leuten in ein Auto steige. Dazu gehören auch Busse. Und falls die Impftruppe tatsächlich mit einem Einhorn aufkreuzt, ist das ja auch ein klares Zeichen, dass hier etwas vorgegaukelt wird. Keine Angst Mama, ich bin nicht so eine wie die Gretel vor dem Lebkuchenhaus.»