Omikron: Vermutlich die Erlösung von all dem, was wir seit langem erleben, aber trotzdem immer noch einsetzbar als Panikinstrument. Inzwischen werden uns die Widersprüche stündlich geliefert in den Schlagzeilen. Aber das merkt ja längst keiner mehr.

Omikron ist das nächste grosse Ding. Damit soll auf ein Neues alles gerechtfertigt werden. Der gute Herr Drosten fabuliert bereits von 1G, um die «Welle» zu verhindern. Im selben Atemzug erklärt er, das sei wohl der Auftakt zur Entwicklung, nach der Covid-19 einfach ein ständiger Begleiter der Gesellschaft ist wie die gute alte Grippe. Zahlenmaterial aus Grossbritannien zeigt deutlich, wie entspannt wir die neue Variante sehen könnten oder sollten, ich habe dazu etwas geschrieben (Beitrag im Abo).

Es ist eine bewundernswerte Verrenkung der Medien. Sie müssen uns pflichtschuldig mitteilen, wie harmlos die Symptome bei Omikron sind und gleichzeitig das Angstlevel hochhalten. Eine ziemliche Herausforderung. Oder auch nicht. Die Leute kaufen einem ja inzwischen alles ab.

Die gut dokumentierten Effekte von Omikron sind diejenigen einer starken Erkältung. Ein treuer Begleiter der Wintermonate in den knapp 50 Jahren, in denen es mich gibt, und ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich auf dieser Grundlage jemals zur wandelnden öffentlichen Gefahr erklärt worden bin. Viren, die sich rasanter verbreiten, sind in aller Regel harmloser, wie der Immunologe Beda Stadler weiss und sagt. Also allen Grund, die Aufregung ein bisschen runterzufahren. Klar ist es weder lustig noch produktiv, wenn in der Tat in den nächsten paar Wochen eine grosse Zahl von Leuten mit Erkältungssymptomen bei der Arbeit ausfällt. Das Potenzial, die Intensivstationen zu füllen, scheint die neue Variante aber nicht zu haben. Darüber könnte man sich freuen. Aber nur, wenn man es nicht als seine Aufgabe sieht, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen.

Ich werde also, Irrtum vorbehalten, möglicherweise bald mal mehr Taschentücher brauchen. Und natürlich werde ich leiden, ich bin ein Mann, un…