Wussten Sie schon, dass ich schuld bin am Elend und Tod vieler Menschen? Und dass mir gleichzeitig wildfremde Leute die Restaurantrechnung bezahlen? Verrückte Zeiten.

«Immer nur kritisieren. Was würden SIE denn tun, um das Problem zu lösen?» Dieser Satz, so oder ähnlich, findet sich in den meisten der kritischen oder ablehnenden Zuschriften, die ich erhalte. Meine Antwort fällt sinngemäss immer gleich aus: Ich wüsste nicht, warum ich die Lösung zu einem Problem bringen muss, das ich nicht für so dramatisch halte wie mein Gegenüber. Sonst könnte man mich auch fragen, wie ich den Klimawandel zu überwinden gedenke. Sorry, ich bin der falsche Ansprechpartner. Ich sage, was ich NICHT tun würde. Und ich stehe nicht in der Pflicht, mit konstruktiven Lösungen auf Krisen zu reagieren, die andere Leute konstruieren.

Was mir aber bewusst wird: Es gibt inzwischen nur noch Schwarz und Weiss, die Grautöne sind verschwunden. Auf Twitter (wo ich selbst nicht mehr aktiv bin) existiert inzwischen ein Parodie-Account auf meinen Namen. Was für ein Adelsschlag. Gleichzeitig mache ich im Alltag die umgekehrte Erfahrung. Im Herbst sass ich mit den Kindern in einer Gartenbeiz (wo auch sonst bitte), und irgendwelche wildfremden Leute kamen an den Tisch und übernahmen unsere Rechnung. Touristen von irgendwo, nicht mal Einheimische. Sie hatten das dringende Bedürfnis, mir so zu danken. Aus einem kleinen Laden wurde ich kürzlich mit voller Tasche und ohne Bezahlung verabschiedet. Gegenwehr war zwecklos.

Wenn man Menschen berührt, stösst man andere ab. Das ist immer so. Liebe auf der einen Seite erzeugt Hass auf der anderen. Die Alternative dazu heisst Gleichgültigkeit. Das ist für mich die furchtbarste Variante. Will ich dereinst sterben im Wissen, dass ich Gleichgültigkeit produziert habe? Das würde bedeuten, nicht stattgefunden…