Zwei Professorinnen unterhalten sich nach einer Onlinevorlesung noch privat. Die Aufzeichnung läuft aber weiter, das Resultat wird öffentlich. Der Aufschrei ist gross, weil die beiden Damen nicht nur Nettes über die Studentenschaft gesagt haben. Gähn.

Wenn es einen Skandal gibt, dann den, dass die Professorinnen die Technik ganz offensichtlich nicht im Griff haben. Eine Onlinevorlesung wird natürlich aufgezeichnet für alle, die nicht dabei waren, das Ergebnis ist eine Wissensdatenbank. Mit dem Tratsch loszulegen, während die Kamera noch läuft: Ja, das ist peinlich. Passiert ist das Ganze übrigens an der Universität St.Gallen.

Ja, die Technik war der Klumpfuss. Und natürlich ist es etwas peinlich, sich bei einem als privat geplanten Gespräch zuhören zu lassen. Aber der ganze Rest? Der läuft unter «alles nur menschlich».

Nach jeder Sitzung, nach jedem Teamtreffen, nach jedem Anlass, bei dem mehrere Leute zusammenkommen, gibt es danach bilateral oder unter mehreren Leuten eine Auswertung der anderen Art: Wer hat sich total daneben benommen, wer hatte keinen blassen Schimmer vom Thema, wer ist eigentlich sowieso ganz unausstehlich? Wenn wir auf telepathische Weise laufend wüssten, wie irgendwo gerade über uns gesprochen wird, würden wir vermutlich alle tot umfallen. Der einzige Trost ist, dass wir das selbst auch mit anderen machen.

Nun konnte man das mal aus erster Hand mitverfolgen, doof gelaufen, aber eben: Passieren tut es sowieso. Die allgemeine Entrüstung richtet sich nicht auf die Tatsache, dass die Kamera lief, sondern dass die Dozentinnen Böse Dinge sagten. Reichlich naiv. Das hätten sie auch ohne Kamera getan.

Aber die Professorinnen hatten Pech. Sie haben sich in erster Linie über Studentinnen ausgelassen und deren Arbeitsweise negativ kommentiert. Es ging also um – Frauen. Und damit ist es automatisc…