Ich bin zugegebenermassen ein Social-Media-Junkie und rede mir das schön mit der Tatsache, dass ich das auch beruflich nutze. Nie so richtig warm wurde ich allerdings mit Twitter. Derzeit bin ich mit Versuch Nummer 4 oder 5 unterwegs.

Müsste man Twitter geografisch verorten, wäre es vermutlich ein hippes Zürcher Quartier mit einer hohen Quote von Biolädeli, Shops für Veganer und Treffpunkten für LGBTQ-Austauschgruppen. Twitter ist die Kathedrale des Hohepriesters des Gutmenschentums (was nichts mit guten Menschen zu tun hat, aber das wissen meine Leser), und wer es dort mit gesundem Menschenverstand oder gar mit konservativen oder liberalen Denkansätzen versucht, erlebt, wie es ist, wenn man von einer Strassenwalze überrollt wird. Twitter ist das Medium, das technisch gesehen jedem Menschen das Recht einräumt, seine Meinung zu sagen, in der Praxis ist das nicht ratsam.

Twitter ist, in einem Wort, furchtbar. Es ist die digitalisierte Intoleranz. Es ist der Hort der Cancel Culture. Es ist der Hauptsitz einer moralisierenden Bürgerpolizei.

Das war nicht immer so. Am Anfang fand ich es recht spassig und war einigermassen fleissig und brachte es auf eine anständige Zahl von Followern. Irgendwann fehlte mir die Zeit, Statusmeldungen abzusondern, bei meiner Rückkehr sah ich, wie aus dem Marktplatz der freien Meinung ein Tummelfeld selbstgerechter Weltverbesserer geworden war, die keine Lust auf den Austausch von Argumenten hatten, sondern Leute, die etwas anders sehen, in Grund und Boden schrieben. Ich habe danach zwei oder drei Anläufe zu einem Comeback gemacht, jedes Mal von kurzer Natur.

Nun bin ich wieder zurück, und wer mir folgen möchte, bitte sehr: https://twitter.com/stefan_millius.

Dieses Mal ist es aber keine gedankenlose Rückkehr. Ich habe mich entschieden, Twitter konsequent für das zu nützen, was mir etwas bringt und den ganzen hässlichen Rest zu ignorieren. So werde ich mich nicht mehr auf Wortgefechte mit Unbewaffneten einlassen. Wie oft habe ich mir Mühe gegeben, inhaltlich auf mein Gegenüber einzugehen, nur um dann mit den üblichen Totschlagbegriffen eingedeckt zu werden. Es reicht auf Twitter, wenn man bei einer Klimadebatte eine schüchterne Frage stellt, um als Klimaleugner und von dort relativ schnell als Nazi bezeichnet zu werden. Nicht, dass es mich besonders stören würde, wenn geistig Minderbemittelte sich nicht anders zu helfen wissen, als mit völlig untauglichen Kategorien um sich zu werfen. Nur ist mir meine Zeit zu schade.

In diesem Sinn werfe ich nun der überkandidelten Meute gerne hin und wieder einen Knochen vor und ziehe mich dann wieder zurück und schaue aus Distanz zu, wie sie sich darüber hermachen und sich zwischen den einzelnen Bissen gegenseitig versichern, wie richtig sie doch liegen. Irgendwie spassig.

Ach ja, eines noch. Ich habe hier kürzlich einen Videoclip hochgeladen und prompt eine Reaktion einer Leserin erhalten, die sich beklagte, weil sie lieber liest. Was ich grundsätzlich in Zeiten des Videowahns übrigens auch sehr schön finde. Aber hin und wieder mag ich ganz einfach auch andere Medien nutzen. Daher füge ich das neue Video hier einfach an. So hat es etwas für jeden. Und, weils zum Thema, passt auch für jede. Und jedes.