Drum prüfe, wer einen Beitrag positiv bewertet: Der Armeechef wird in die Mangel genommen, weil er ein Bild von Bundesrat Ueli Maurer im Dress der Trychler mit einem «Like» versehen hat. Völlig panisch spricht der Militär von einem Fehler. Wie peinlich kann es eigentlich noch werden?

Bild: Jean-Marc König / Telegram

Es gibt Dinge, von denen schwer abzuraten ist. Antisemitische oder rechtsradikale Beiträge in den sozialen Medien mit «Gefällt mir» zu Versehen beispielsweise. Vor allem, wenn man in einer exponierten Position ist. Linksradikal ist übrigens nicht so schlimm. Das ist in der Währung der Medien ziemliches Kleingeld.

Neu ist es nun aber auch schon ein moralisches Verbrechen, wenn man ein Bild mag, das Ueli Maurer im Trychlerhemd zeigt. Zwar sind die Trychler weder eine Terrororganisation noch vertreten sie Extremismus irgendwelcher Art. Aber weil sie Flagge zeigen für die Kritiker der Coronamassnahmen, sind sie für die meisten pfui. Und jeder, der sich irgendwie mit ihnen solidarisiert. Und jeder, der ein «Like» setzt, wenn sich jemand solidarisiert. Und irgendwann vermutlich auch jeder, der nur schon verwandt ist mit jemanden, der ein «Like» setzt, wenn… – Ich denken, Sie haben den Punkt bereits verstanden.

Und nun ist auch Thomas Süssli, der Chef der Schweizer Armee, pfui.

Was ist geschehen? Süssli war auf LinkedIn, diesem Stiefkind der sozialen Medien, sah Bundesrat Maurer im Trychleraufzug und setzte ein «Like» zum Beitrag. Der «Blick» thematisierte diese ungeheuerliche Handlung als Topstory, nachdem die Zeitung zuvor schon einen Tag lang den kurzen Tenüwechsel von Maurer durchgewalkt hatte, als stünden wir vor einer Staatskrise. Süssli und seine Stabstellen beeilten sich mit einer Erklärung. Der Armeechef habe das «Like» versehentlich ausgelöst. Das ist eigentlich durchaus glaubhaft, die Schweizer Armee und die Digitalisierung sind zwei verschiedene Planeten.

Schlimmer ist, dass sich Süssli überhaupt erklären musste. Ein Bundesrat hat eine gute Zeit mit einer Gruppe von Trychlern, alles bodenständige Leute, die sich für die Verfassung und die Grundrechte einsetzen und vermutlich auch ihre Steuern zahlen – und das soll ein Skandal sein? Manchmal wünscht man sich, die Schweiz würde in Korruption versinken, damit…