Wir haben in den letzten zwei Jahren kein Virus besiegt, weil es gar nichts zu besiegen gibt, wenn es um Viren geht. Wir haben niemals die Menschen effektiv geschützt, die es zu schützen galt, weil das nie im Fokus der Verantwortlichen war. Was wir stattdessen geschafft haben: Kerngesunde junge Leute in eine Psychose zu treiben. «20 Minuten» führt das wunderschön vor.

Geben wir einer Dame das Wort, die echte Probleme hat. Was könnte das wohl sein? Long Covid? An Corona verstorbene enge Verwandte? Nein, es ist viel profaner. Die Dame glaubt alles, was irgendwo steht. Sie hat furchtbare Angst davor, dass das Leben wieder weiter geht.

Und deshalb wendet sie sich hilfesuchend an die Community von «20 Minuten» und schreibt das hier:

Ganz ehrlich: In erster Linie tut mir die Frau leid. Sie braucht keine Community einer Gratiszeitung, sie braucht einen Therapeuten. Sehr, sehr dringend. Und damit mache ich mich keineswegs über ihr Schicksal lustig. Sie selbst trifft keine Schuld. Man hat ihr offensichtlich erfolgreich eingeredet, dass sie jeden Moment tot umfallen könnte, weil irgend jemand zu früh aus der Quarantäne kommt oder keine Maske trägt oder im selben Gebäude hustet. Sie ist Opfer einer Massenpsychose, die wir haben kommen sehen. Was genau soll denn entstehen ausser einer Massenpsychose, wenn selbsternannte Experten wöchentlich unter der Schirmherrschaft des Bundes im Livestream ihre Horrorprognosen absondern können? Man muss ein starker Charakter sein, um da zu sagen: «Danke, ohne mich, die nackten Zahlen sagen was anderes.» Diese Frau hier ist kein starker Charakter. Sie glaubt, was man ihr sagt. Aber das ist nicht ihr Fehler. Sie wurde systematisch zu der Person gemacht, die sie nun ist.

Und sie ist damit kaum allein. Wer Leserkommentare auf 20min.ch und blick.ch (ich empfehle es nur bei starkem Magen) konsumiert, sieht schnell: Die Panik ist weit ansteckender als Covid-19. Ich warte nach wie vor auf eine Infizierung, aber ich bin umgeben von Leuten, die fest überzeugt sind, dass wir uns bis zum St.Nimmerleinstag im Keller einschliessen müssen, um die Apokalypse zu überleben.

Darüber könnte man sich lustig machen. Es ist sogar ziemlich verführerisch. Aber eben: Es ist nicht die Schuld der Betroffenen. Eine unappetitliche Mischung aus überforderter Regierung, aus an einem Aufmerksamkeitsdefizit leidenden Experten und Medien, die einfach mitspielten, hat eine Atmosphäre geschaffen, in der es möglich ist, offen paranoid zu sein, ohne in den Fokus der psychiatrischen Dienste zu geraten.

Das wird uns weit länger beschäftigen als Covid-19. Das, was die Panikmache und die daraus konstruierten Massnahmen aus uns gemacht haben.