Man kann mit einer Regierung zufrieden oder nicht zufrieden sein, das liegt in der Natur der Sache. Nur eines sollte sie unbedingt sein: Verlässlich. Egal in welche Richtung. Was derzeit mit der Zertifikatspflicht geschieht, gleicht aber eher dem Gebaren einer Gang in einem Hinterhof: Undurchsichtig und trickreich.

3G ist schlimm genug. Die Idee, einen grossen Teil der Bevölkerung von gesellschaftlich-kulturellen Leben auszusperren, ist fürchterlich. Vor allem, wenn die Situation eine solche Massnahme nicht einmal ansatzweise hergibt.

Aber es sind ja eben nicht einmal drei G. Der Status «Genesen» ist reine Show. Das Haltbarkeitsdatum ist arg befristet, und es laufen vermutlich da draussen nicht viele Leute rum, die dank «Genesen» zum Zertifikat gekommen sind. Das ist ein reines pro-forma-Zugeständnis an Leute, die den Virus mal hatten, aber sie müssten gewissermassen permanent «nachladen» mit einer Ansteckung, und wer genau tut das – und wie soll man das machen?

Womit wir faktisch bei 2G sind. Aber eben nicht einmal das.

2G ist im Vormarsch, in Deutschland schon länger, in der Schweiz gibt es auch bereits Anlässe, die mit 2G operieren. Der Reduktion fällt aber nicht etwa der «Genesen-Status» zum Opfer, sondern der Status «Getestet». Das Kantonsspital Winterthur beispielsweise fordert für seinen «Zukunftstag», der sich an Kinder ab 12 Jahren richtet: Geimpft oder genesen. Faktisch also: Geimpft. Für Zwölfjährige. Begründung: Die Fehlerquote bei den Tests sei zu hoch. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

3G wird zu 2G und faktisch zu 1G, und damit sind wir bei der indirekten Impfpflicht. Einen Begriff, den der Bundesrat nie in den Mund nehmen würde, den er aber durch die Hintertür realisiert. Das ist unehrlich. Unethisch. Und noch einige «Un» mehr. Weil eine echte Impfpflicht bis hin zum Impfzwang politisch nicht umsetzbar ist, versteckt man sich hinter einem Regelwerk, das angeblich Alternativen zulässt, die aber nicht alltagstauglich sind. Vor allem …