Die Belegschaft eines Spitals zeigt in einem Video, wie viele Medikamente ein Coviderkrankter auf der Intensivstation täglich benötigt. Ganz schön dramatisch. Nur: Was soll das Ganze? Es trifft den Punkt nicht.

Wir alle können uns kaum vorstellen, was ein schwer kranker Mensch täglich zum reinen Überleben braucht. Vielleicht wollen wir das auch gar nicht. Wir blenden Krankheit und Tod gerne aus, das ist ein Schutzmechanismus. Würden wir uns täglich damit beschäftigen, dass wir irgendwann nicht mehr sind: Wir wären kaum lebensfähig.

Es macht durchaus Sinn, das Schicksal derer, die es schlechter getroffen hat, aufzuzeigen. Das könnte man bei vielen Krankheitsbildern machen. Wie Menschen den Krebs als Daueraufgabe bekämpfen, wie sie mehrmals wöchentlich an die Dialyse müssen und so weiter. Kann man machen. Leicht widerlich wird es aber, wenn das geschieht, um politisch Stimmung zu machen.

Und vor allem: Es geht völlig am Thema vorbei.

Niemand (oder so gut wie niemand) bestreitet, dass Covid-19 zu einer schweren Erkrankung führen kann. Von Einzelfällen abgesehen ist das so gut wie immer bei einer gewissen Disposition der Fall, sprich: Alter und Vorerkrankungen. Es sind die Vorbelasteten, die Angeschlagenen, die leiden. Das heisst nicht (und es ist ein Elend, dass man das offenbar immer betonen muss), dass deren Schicksal nichts zählt. Aber diese Tatsache gehört in eine Abwägung bei der Frage, wie man als ganze Gesellschaft damit umgeht. Das ist nicht unmenschlich, es ist ein Gebot der Verhältnismässigkeit.

Mit dem «Medikamentenreport», den ein Spital medial verbreitete, soll Stimmung gemacht werden für das Covidgesetz und natürlich für die Impfung; es ist ja kaum ein Zufall, dass er gerade jetzt erschienen ist. Nur gibt es da keinen Zusammenhang. Zahlen rund um den Globus belegen, dass eine hohe Impfquote die Verbreitung des Virus nicht stoppt. Das dauernd wiederholte Argument, wonach schwere Verläufe seltener werden, ist leicht p…