Laut einer Umfrage, über deren Zustandekommen man nichts Genaues weiss, befürworten 57 Prozent der Schweizer eine allgemeine Impfpflicht. Erstaunen kann das nicht: Die Vorarbeit war ja schliesslich hervorragend.

Eine Mehrheit der Leserinnen und Leser der Zeitungen des Verlags CH Media sei für die Impfpflicht für die Allgemeinheit, heisst es in der heutigen Ausgabe der Blätter. 57 Prozent sagen Ja, 36 Prozent Nein, der Rest ist «unentschlossen». Befragt wurden demnach über 1600 Personen, ob die Umfrage repräsentativ nach allen Regeln dieser Kunst durchgeführt wurde, steht leider nicht.

Aber das Ergebnis überrascht sowieso nicht weiter. Eine Impfpflicht ist zwar auf allen möglichen Ebenen kreuzfalsch und eines Rechtsstaats unwürdig, aber es ist eine denkbar einfache, klare Antwort. Und genau danach sehnen sich aktuell sehr viele Menschen, die das Hin und Her nicht mehr ertragen.

Massnahmen hier, Massnahmen dort, verzweifelte Impfkampagnen, ein plötzlich dringend nötiger Booster, Diskussionen über 2G statt 3G, eigene Verordnungen der Kantone, uneinheitliche Regelungen in den Schulen und so weiter: Wer nicht täglich am Ball ist, verliert schnell die Übersicht. Vor allem Geimpfte ertragen das nur noch schwer, denn nach ihrer eigenen Wahrnehmung haben sie ja ihren «Beitrag» geleistet und nun keine Lust mehr auf Einschränkungen oder nur schon Diskussionen. Da käme eine allgemeine Impfpflicht sehr gelegen, es gäbe keine Fragen mehr: Jeder muss, wer es nicht tut, wird bestraft.

Wie das konkret aussehen soll, ist offen. Es riecht schwer nach zusätzlicher Bürokratie, wenn der Impfstatus kontrolliert werden soll. Mal ganz abgesehen von den ethischen Fragen, die natürlich noch schwerer wiegen.

Aber eben. Die Leute wünschen sich Ruhe, andere Themen. Und das ruft nach klaren Regeln. Debatten sind mühsam. Vor allem, wenn – wie im Fall der Impfung, deren Wirksamkeit laufend …