«Spritzen und Zertifikat (…) weisen uns den Weg zurück in die Normalität.» Dieser Satz stammt aus einer der grössten Zeitungen der Schweiz. Es ist nur ein Beispiel von vielen: Begriffe wie Freiheit und Normalität werden pervertiert – im Namen der staatlichen Mission, weitergetragen von Medien, die sich Geld vom Staat erhoffen.

Es passiert immer häufiger: Die Darstellung der Lage und Behauptungen darüber, was nun zu tun wäre, sind so seltsam, so verdreht, so nicht nachvollziehbar, dass ich für einen kurzen Moment nicht einmal in der Lage bin, mit Worten darauf zu reagieren. Es herrscht das Gefühl vor: Wie kann jemand auf so etwas kommen, und wie kann er es im heiligen Ernst vortragen? Wie kann man aus etwas völlig Verrücktem eine Art Naturgesetz machen? Wie kann man behaupten, etwas, das längst entzaubert ist, sei der Weg in die «Normalität»?

Aber dieser kurze Moment geht vorüber. Dann sind die Worte wieder da.

In den sozialen Medien posieren Leute derzeit gern mit dem Sticker «I trust science. I am vaccinated.» Das versinnbildlicht, was man uns seit Monaten bei vielen offenbar erfolgreich zu vermitteln versucht: Auf der einen Seite die Wissenschaft, die völlig zu Recht vor einer tödlichen Seuche warnt und die Impfung als einzigen Weg daraus propagiert, auf der anderen Seite «Aluhüte» und «Verschwörungstheoretiker», die sich einfach den Fakten verschliessen.

Das Problem ist nur: Seit langem, aber in jüngster Zeit immer deutlicher, wird klar, dass in Wahrheit die Vertreter der Wissenschaft alle Regeln der Wissenschaft missachten und alles wirklich Wissenschaftliche ausblenden oder verschweigen – und die echten Erkenntnisse der Wissenschaft immer stärker für die zweite Gruppe sprechen. Nur leider wird das nie transparent gemacht.

Das jüngste Beispiel stammt mal wieder von Christian Dorer, Chefredaktor der «Blick»- Gruppe. Wir haben Mitte Oktober, bis zur Abstimmung übers Covid-Gesetz dauert es noch einige Wochen. Wenn man das, was gleich kommt, liest, fragt man sich unwillkürlich: Wie verzerrt wird es wohl noch bis kurz vor dem Finale?

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Christian Dorer schreibt im Grunde nichts Neues in seinem jüngsten Kommentar. Sein Ansatzpunkt ist: Das Ja-Lager müsse sich nun endlich lauter zu Wort melden, weil die Gegner des Gesetzes so aktiv sind. Dabei geht er davon aus, als Ja-Sager die reine Logik zu vertreten, aber jetzt müsse man diese einfach endlich offensiv aussprechen.

Was er wirklich meint (wenn er das Geschriebene nicht wirklich glaubt, was nicht zu hoffen ist): Nun müssen offensichtliche Unwahrheiten mit noch mehr Mitteln der Propaganda, von Steuerzahlern finanziert, unter die Leute gebracht werden. Mit aller Gewalt, gegen jeden gesunden Menschenverstand und gegen alle Fakten. Denn bei aller Freundlichkeit, mit den Mitteln der Wahrheit kann ein Ja zum Covid-Gesetz nicht vermittelt werden.

Der Chefredaktor der «Blick»-Gruppe sagt unter anderem das hier:

«Gäbe es keine Impfung, sässen wir vermutlich alle immer wieder im Lockdown. Spritzen und Zertifikat hingegen weisen uns den Weg zurück in die Normalität.»

Dass man sich nach den letzten Monaten überhaupt noch die Mühe geben muss, das zu zerlegen, ist bedauerlich, es gäbe weit Besseres zu tun in dieser Welt. Aber bitte. Wenigstens bis Ende November dürfen wir nicht nachlassen. Eine kleine Auswahl von Punkten reicht dafür.

Erstens: Man kann nicht ernsthaft von «Normalität» sprechen, wenn Menschen einen QR-Code vorzeigen müssen, um in ein Restaurant, in den Zoo, ein Museum oder einen Freizeitpark zu kommen. Und wenn gleichzeitig anderen Menschen dasselbe vorenthalten wird, weil sie eines der simpelsten Grundrechte in Anspruch nehmen: Das Recht auf den eigenen Körper. Wer nun argumentiert, man müsse sich ja nicht impfen lassen, Tests seien die Alternative: Wir alle wissen, dass diese Alternative zum einen nicht langfristig praktikabel und finanzierbar ist und zum anderen schleichend abgeschafft wird. Wozu sonst sollte der Bund eine Impfoffensive in diesem Ausmass führen?

Zweitens: Die frühere «Normalität» wurde uns vom Staat weggenommen, basierend auf der Panikmache vor einem Virus, das über 99 Prozent von uns weitgehend unbehelligt lässt. Nun ernsthaft zu behaupten, man müsse eben die neue Forderung desselben Staates erfüllen – die Impfung –, um wieder normal leben zu können, ist die reine Perversion. Wenn jemand mein Kind entführt und eine Million Franken als Lösegeld fordert, ich bezahle und mein Kinder wieder bekomme, ist damit «Normalität» hergestellt? Alles gut auf der Titanic? Kann man das danach abhaken?

Drittens: Ja, vielleicht gäbe es ohne Zertifikat in der Tat wieder einen Lockdown, aber nicht, weil er nötig ist (der Nutzen von Lockdowns ist längst wiederlegt), sondern weil man uns unablässig mit sinnlosen, zermürbenden Massnahmen in die «richtige Richtung» drängen will. Das ist staatlich verordnet und nicht der Gesundheit geschuldet. Es ging nie um die Gesundheit, keine Sekunde lang. Lockdowns sind die Keule, damit uns das Zertifikat als Peitsche besser schmeckt. Es gibt weder für das eine noch das andere eine Rechtfertigung. Ein Staat, der ohne jede Veranlassung die Wirtschaft, das gesellschaftliche Leben und die Psyche des Einzelnen schädigt und dann einen Weg aus dem Problem vorschreiben will, das er selbst verursacht hat, ist ein verantwortungsloser Staat.

Viertens: Es gibt seit einigen Tagen eine Studie von Kapazitäten der Harvard-Universität, die zeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der Impfquote und der Verbreitung des Virus gibt. Wer mehr impft, beseitigt das Virus damit nicht besser als andere. Punkt, basta, aus, die Fakten liegen auf dem Tisch: Die Impfung dämmt das Virus nicht ein. Aber der Bundesrat, gerade wieder vom «Blick» sekundiert, behauptet unverdrossen, die Impfung sei der Weg aus der Pandemie. Die Massenmedien versuchen nicht einmal, diese Studie zu widerlegen, sie ignorieren sie einfach. Sollte je die Rede darauf kommen, wird es heissen: «Ja, klar, das Virus grassiert weiter, aber die Impfung hilft gegen schwere Verläufe.» Aber zum einen ist auch diese Aussage höchst zweifelhaft, weil völlig intransparent erhoben wird, wer wirklich von schwerer Krankheit betroffen ist. Und zum anderen hat ja jeder, der sich vor einem schweren Verlauf fürchtet, die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Das Ziel der völlig überkandidelten Impfkampagne hingegen ist die angebliche Immunisierung, die wir angesichts der Harvard-Studie so schlicht nicht erreichen werden (und vermutlich gar nie).

Fünftens: Leute wie Christian Dorer interpretieren offenbar nicht nur Begriffe wie «Freiheit» und «Normalität» anders als ich, sondern auch das Wort «Leben» an sich. Dorer schreibt: «Um den sicheren, gut organisierten Alltag fortzuführen und unkompliziert ins Ausland zu reisen, aber auch, um nach Herzenslust zu protestieren, braucht die Schweiz an diesem Tag ein Ja.» Ich und viele andere wollen keinen «sicheren, gut organisierten Alltag», an dem nur die Menschen teilnehmen können, die Berset und Co. für würdig dafür halten, wir wollen eine Gleichbehandlung aller Menschen in diesem Land. Und wenn Dorer ernsthaft eine Lanze für Demonstranten bricht, wird es vollends unglaubwürdig. Seit Monaten tut seine Zeitung alles, um die Leute zu diskreditieren, die auf die Strasse gehen, um die Verfassung zu schützen.

Natürlich ist mit diesen fünf Punkten noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Aber es ist für den Moment das Ende dieser Ausführungen. Denn sie reichen, um eines zu belegen: Die grossen Verlage schützen die pure Unwissenschaftlichkeit. Ohne mit der Wimper zu zucken erzählen sie das Märchen von der Impfung als Ausweg aus der Krise. Das ist widerlegt, und zwar nicht erst, seit Harvard gesprochen hat, aber jetzt erst recht.

Bundesrat und Bundesamt für Gesundheit sind in Wahrheit nur an einem interessiert: Der Durchimpfung möglichst der ganzen Schweiz. Aber nicht, weil das die Volksgesundheit schützt, sondern weil – ja, warum eigentlich? Sparen wir uns die Frage für später auf, es ist ohnehin ermüdend, die Irrationalität anderer Leute erklären zu müssen.

Sicher ist nur, dass nichts von dem, was geschieht, das rechtfertigt, was der Staat durchsetzen will. Medien, die das transportieren, was längst widerlegt ist, wissen es entweder nicht besser oder aber tun es bewusst. Zu befürchten ist letzteres. Vor allem beim «Blick». Dessen Chef Marc Walder und Bundesrat Alain Berset sind ziemlich beste Freunde. Das hilft, wenn man als Bundesrat eine Politik verbreiten muss, die fern von Gut und Böse ist.