«Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt»: Fast jeder kennt das muntere Lied von Pippi Langstrumpf. Der Zürcher «Tagesanzeiger» trällert es auch gerne. Das Ergebnis sind verzerrende Schlagzeilen. Die, selbst wenn sie ganz nebenbei noch aufgelöst werden, ihren Zweck erfüllen. Neuestes Beispiel: Die SVP als angeblich sinkendes Schiff.

«Eine Welle von Austritten aus der SVP» titelt der «Tagesanzeiger» am Donnerstag, 9. September 2021 in der gedruckten Ausgabe. Berichtet wird darüber, dass viele Mitglieder aufgrund der Coronapolitik der Partei den Rücken kehren. Kronzeuge ist ein gewisser Karl Zweifel, Arzt und ehemaliger Zürcher Stadt- und Kantonsrat für die SVP. Die Ämter hat er sich gesamthaft gerade mal zweieinhalb Jahre angetan. Was eigentlich ein Affront ist für jeden, der ihn seinerzeit gewählt hat. Standfestigkeit sieht anders aus.

Aber unabhängig vom Einzelfall: Der «Tagi» betreibt mit diesem Titel «Design at the table»-Journalist: Eine einmal gefasste These will man möglichst durchpauken, abseits aller Fakten. Der Austritt von Zweifel und ein paar andere Wortmeldungen von Leuten, die aus der SVP ausgetreten sind, reicht, um eine «Welle» zu erzeugen, die den Eindruck aufkommen lassen soll, der Partei gehe es an die Substanz.

Nur ist das Gegenteil der Fall.

Konkret stehen den Austritten aufgrund der Kritik der SVP an der Coronapolitik des Bundes nämlich auch Neueintritte gegenüber. Und zwar unterm Strich mehr davon. Netto hat die SVP mit ihrem Kurs also zugelegt. Es gibt Leute, die mal das Parteibuch hatten, es dann abgaben und nun wieder gekommen sind. Sie scheinen beim linken «Tagesanzeiger» einfach weniger geeignet als Auskunftspersonen.

In der Onlineausgabe (hinter Bezahlschranke) rückt die Zeitung das Bild ein bisschen gerade, indem sie auf diesen Umstand hinweist, also ihre eigene Rechnung geradebiegt. Aber gedruckt ist gedruckt. Die «Welle von Austritten» ist eine völlig sinnfreie Aussage in einem Titel. Eine kleine Analogie. Würde ein Detaillist komplett auf vegetarische Produkte umstellen, daraufhin tausende von Kunden abspringen, aber noch ein paar tausend mehr Kunden neu dazukomme…