Da hat einer so richtig Freude. «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer befindet sich am WEF und erhielt dort Einlass zu Mark Zuckerbergs «Metaverse». Davor und danach gabs reichlich zu futtern. Zwischen Häppchen und Wein wird natürlich jeder Anflug von kritischem Nachdenken erstickt. Was ja auch das Ziel der WEF-Veranstalter ist, wenn sie Medienschaffende einladen.

Niedergeschlagen? Traurig? Deprimiert? Dann sollte man sich diesen Videoclip geben. Irgendwo mittendrin kommt nämlich ein richtiger Stimmungsaufheller: Ein Mann mittleren Alters, der sein Glück selbst nicht fassen kann.

So viel Begeisterung habe ich nicht mal erlebt, als vor einigen Wochen zwei junge Kätzchen bei meinen Kindern einzogen. Im Gegenteil, der bewusste Mann toppt die Reaktion meiner Mädchen locker. Aber es ist nicht nur Freude, nein, auch sichtbarer Stolz. Denn er gehört jetzt richtig dazu!

Die Rede ist von Christian Dorer, dem Chefredaktor des «Blick». Der hält sich aktuell standesgemäss am WEF auf. Dort sind übrigens auch die «grössten Experten der Welt» versammelt, wie Dorer weiss.

Möglicherweise hat er sich ja in der Tür geirrt. Das «World Economic Forum» ist in erster Linie ein Stelldichein der Mächtigen, das der Vernetzung dient, es ist kein Wissenschaftskongress. Natürlich gibt es auch Leute aus allen möglichen Fachbereichen. Aber ernsthaft zu behaupten, nur die «grössten Experten» hätten eine Einladung erhalten, und wer nicht dort ist, der ist maximal die Nummer 2, das muss man sich selbst schon sehr eifrig einreden, bis es klappt.

Aber das nur nebenbei, nun zum Wichtigen. Zum Beispiel: Dorer wurde von einer Grossbank zum Frühstück eingeladen (der Inserateverkauf bei Ringier jubelt schon mal), wo die Anwesenden alle 15 Minuten den Platz wechseln mussten, damit es auch niemandem mit dem Tischnachbarn langweilig wird, pardon, damit sich das illustre Völkchen ein bisschen durchmischt.

Ich persönlich müsste nicht jede Viertelstunde mit der Kaffeetasse in der Hand zu einem neuen Platz geschickt werden. Doch selbst das scheint dem «Blick»-Chefredaktor irgendwie gefallen zu haben, immerhin traf er dort auf den CEO der Bank, den Verwaltungsratspräsidenten und Geschäftsleitungsmitglieder, wie er uns wissen lässt. Leute auf seiner Augenhöhe eben!

Doch danach nähern wir uns dem Höhepunkt der Erzählung. Beziehungsweise Christian Dorer tut das, wie ein Blick in sein Gesicht verrät. Er erzählt, wie er sich ins «Metaverse» begeben durfte, die jüngste Schöpfung von Mark Zuckerbergs Firma «Meta», unter der unter anderem Facebook läuft. Das Metaverse ist eine Art Kombination aus realer und digitaler Welt, in die man dank einer speziellen Brille eintaucht.

Gamer kennen so etwas schon lange, es ist inzwischen einfach ein bisschen weiter fortgeschritten. Hört man Dorer zu, hat man aber das Gefühl, er sei soeben über den Heiligen Gral gestolpert und gleich daneben lag die seit Jahrtausenden verschollene Bundeslade und bei dieser Gelegenheit habe er zudem auch noch Atlantis entdeckt.

Begeisterungsfreude ist ja etwas sehr Sympathisches. Weniger sympathisch ist es, mitanzusehen, wie ein Chefredaktor eines Grossverlags sich von einem Frühstück mit Bankern und einem kurzen Ausflug in eine virtuelle Welt derart verzücken und einlullen lässt, dass er mit Garantie nicht im Traum auf die Idee kommen wird, das WEF und seine Macher auch nur für eine Sekunde kritisch zu hinterfragen.

Der «Blick» ist regelrecht «embedded» in Davos. Wir dürfen uns also auf weitere hurrakreischende Berichterstattungen freuen.