Die linke Hand weiss in der Coronapolitik nicht, was die rechte tut, und manchmal hat man das Gefühl, es gebe irgendwo sogar noch eine dritte Hand. Die neueste Debatte um den Wert der «Genesenen» zeigt das deutlich. Und auch hier wird wieder mit irreführenden Zahlen operiert.

Keine Lust auf die Impfung, aber Bock aufs Restaurant? Kein Problem, dafür gibt es Tests. Die sollen aber künftig kosten, das ist keine praktikable regelmässige Lösung im Alltag. Auch kein Problem, sofern man genesen ist, auch dann winkt ein Zertifikat. Nur darf der Genesenen-Status noch nicht lange zurückliegen, sonst beginnen die Probleme von vorn. Ein halbes Jahr lang ist man ein ungefährlicher Zeitgenosse laut den Behörden, danach wieder eine tickende Zeitbombe für die Umgebung.

Nun wird eine neue Debatte angestossen, in der man darüber diskutiert, ob Genesene nicht allenfalls doch ein volles Jahr unproblematisch sind. Wie man plötzlich darauf kommt, ist offen. Es ist ohnehin ein heilloses Wirrwarr, das nicht auf Evidenz, sondern auf Beliebigkeit basiert. Da draussen laufen viele Leute herum, die ohne Impfung mit Antigenen vollgepumpt sind, die aber kein Zertifikat erhalten – Erkrankung zu lange her, ätsch.

Was aber noch mehr aufstösst, sind die ominösen «2 Prozent», von denen aktuell die Rede ist.

Plötzlich räumen selbst die Panikmacher von gestern indirekt ein, dass bei einem Virus, das gekommen ist, um zu bleiben, die natürliche Herdenimmunität die stärkste Waffe ist. Der Schutz Genesener – die übrigens in den meisten Fällen gar nie krank waren, auch wenn sie das Virus hatten – scheint ausgeprägter als der von Geimpften. Gleichzeitig warnen andere trotz dieser Erkenntnis vor der natürlichen Herdenimmunität.

Urs Karrer, Vizepräsident der Task Force des Bundes, die sich ihre Aufgabe selbst zugeschanzt hat, sagt in 20min.ch, jeder oder jede infizierte Erwachsene habe durchschnittlich ein Risiko von ungefähr zwei Prozent, mit Covid im Spital zu landen, was das Gesundheitssystem belaste.

«Durchschnittlich» ist hier das Zauberwort. Wenn eine Hälfte der Weltbevölkerung übergewichtig und die andere Hälfte knapp vor dem Hungertod wäre, dann hätte diese Weltbevölkerung im Durchschnitt ein Idealgewicht. Das nützt nur weder den einen noch den anderen. Durchschnittswerte…