Heute stelle ich eine wahre Twitterperle vor. Dort gibt es zwar viele Knallbonbons, aber selten vereinen sich alle menschlichen Verirrungen so deutlich in einer Person wie hier. Gesunden Menschenverstand auf «off» schalten, Popcorn holen und den real existierenden Wahnsinn geniessen.

Die Profilbeschreibungen auf Twitter verraten meist schon sehr viel über das, was einen gleich erwartet. Im Fall von Sakhaa Kadhour sieht das so aus:

🏳️‍⚧️

#loveislove, pronouns they/them/ens/em, non binary, #blacklivesmatter ☭, neurodivers, Klimaaktivist:in (vegan)

Das volle Programm, jeder einzelne Punkt für sich schon eine lebensfüllende Mission, aber Sakhaa Kadhour bringt locker alles unter einen Hut. Und mit welch geballtem Schwung! Ach ja, was ich beim Profil ausgespart habe, ist ihre Paypal-Adresse. Ich gehe nicht davon aus, dass viele meiner Leser nach der Lektüre hier gross Lust verspüren, eine milde Gabe zu machen.

Dabei hat sie noch gar nicht alles aufgezählt. Gender, BLM, Klima – und oben drauf kommt Corona. Kadhour ist glühende Verehrerin einer harten staatlichen Linie und der Impfung.

Mit diesem geballten Wissen und der wilden Bereitschaft, die Botschaft weiterzutragen, hat sie – oder er oder es, keine Ahnung, wie ich es richtig machen kann – auch bereits ein Buch geschrieben. Stolz publiziert er, sie, es das Cover. Doof nur: Einen Verlag hat sie noch nicht gefunden. Deshalb bittet sie darum, das Cover zu retweeten. Weil Verleger ja den ganzen Tag auf Twitter starren und nur darauf warten, dass man ihnen grosszügige Angebote macht, den nächsten Bestseller zu produzieren.

Und sonst so? Ich habe durch Sakhaa Kadhour den Begriff «Flinta» kennen gelernt. Wikipedia weiss noch nichts davon, aber hier, bitte:

Nachdem dem früheren LGBTQ gefühlt alle drei Tage ein neuer Buchstabe zugefügt wird, gibt es nun also zur Herstellung der kompletten Verwirrtheit auch noch Flinta. Wieso auch nicht, das Leben wäre sonst zu einfach.

Jedenfalls: Gemäss Kadhours Auslegung der Finta-Religion, pardon, Finta-Philosophie, ist jeder rechtsextrem, der nicht permanent gendert bei seinem Sprachgebrauch. Denn wer das nicht tut, der ist auch abseits der Tastatur begeistert davon, Frauen, Lesben und den ganzen Rest, bitte schaut selbst oben, zu unterdrücken. Indem ich weiter oben nur «Leser» geschrieben habe, bin ich nun also ein patriarchalischer Schweinehund.

Auf einen Tweet eines Massnahmenkritikers und Ungeimpften reagiert Kadhour so:

Ach so, Ungeimpfte spalten die Gesellschaft. Stimmt natürlich. Wenn sich alle impfen lassen würden, hätten wir eine Einheitsfront. Wobei das streng genommen natürlich auch so wäre, wenn sich niemand impfen lassen würde. Knacknuss.

Manchmal kommt er, sie, es auch an den Anschlag durch die Kombination aus ihren verschiedenen Missionen. So vertragen sich beispielsweise staatliche Coronatreue und Veganismus offenbar nicht immer gut, wie man hier lesen kann:

Mein Pflegekind ist geimpft und geboostert. Dank der Impfung hat es zwei spätere Coronainfektionen überlebt. Impfnebenwirkungen sind nicht aufgetreten, außer etwas Hautausschlag, der aber auch von einer Sojaallergie kommen kann.

Hier wäre also die Impfung aus Impfung und einem fetten Steak wohl ratsamer gewesen. Aber wer die Welt rettet, muss eben auch Opfer bringen.

Wer sich auch nach diesen Müsterchen noch durch das Kadhour’sche Universum lesen möchte: Bitte sehr, hier geht es lang. Was sich in solchen Fällen immer bewährt: Es als Satire nehmen und herzhaft lachen.

Ach ja, übrigens: Hat jemand das neckische kleine Hammer-und-Sichel-Symbol im Twitterprofil entdeckt? Das macht dieses Wesen nun schon fast wieder sympathisch. So herrlich nostalgisch veranlagt.