Es spielt keine Rolle mehr, wer wir sonst noch sind und was wir sonst noch tun. Entscheidend ist nur unsere Haltung in der Coronafrage. Der Fall Djokovic ist der massivste Beleg – aber nicht der einzige.

Früher gab es fast unüberwindbare ideologische Gräben. Links oder rechts, Autofahrer oder Ökoaktivist und so weiter. Trafen Leute verschiedener Pole aufeinander, wurde es meist schwierig. Schwierig, aber nicht unmöglich. Einem bestimmten Pol anzugehören, definierte einen zwar in einer bestimmten Frage. Aber nicht generell. Man konnte immer noch einen Jass klopfen mit einem AKW-Anhänger, wenn man es selbst anders sah. Nur beim Thema selbst musste man vorsichtig sein.

Das ist seit Corona anders. Nun ist man je nach Position des anderen einfach ein durchgehend unmöglicher Typ, wenn man auf der falschen Seite steht. Diese Haltung formt ein Gesamturteil über eine Person. Geimpft oder ungeimpft ist nicht einfach geimpft oder ungeimpft. Es ist gut oder böse.

Am besten sichtbar wird das im Fall von Novak Djokovic. Der hat natürlich schon vorher polarisiert, aber nun ist er endgültig für die einen der Heiland und für die anderen der Teufel. Das wäre ihm nie «gelungen» mit einem anderen Thema. Er hätte sich über den Krieg in Ex-Jugoslawien, die Frage von Drogen oder sonst etwas Kontroverses äussern können: Niemals wäre er so definitiv in einer Schublade gelandet. Gut, eine abfällige Aussage über Greta und den Klimawandel hätte allenfalls ähnliche Auswirkungen gehabt.

Wir sehnen uns danach, Leute einzuteilen. Beweggründe spielen dabei keine Rolle. Debatten führt man ohnehin nicht mehr. Die Positionierung in der Coronafrage erlaubt ein abschliessendes Urteil, und das über alle möglichen Lebensbereiche. Djokovic könnte morgen sagen, die Sonne gehe jeweils abends unter, und man würde ihm eine Verschwörungstheorie nachsagen. Er ist vogelfrei geworden. Und mit ihm natürlich viele andere, nur belegen die nicht seit Tagen die Schlagzeilen.

Das…