Vor genau einem Jahr campierte die «Klimajugend» frischfröhlich und tagelang unbehelligt auf dem Bundesplatz. Unbewilligt. Will man im Zentrum der Macht gegen die Coronamassnahmen demonstrieren, betritt man dann eine Art Kriegszone. Man könnte sich wundern. Aber man tut das längst nicht mehr.

Wer Gutes tut, darf auf Nachsicht hoffen, wenn er dabei Regeln bricht. Nur: Was ist «gut»? Und was «schlecht»? Das Strafgesetzbuch gibt Antworten, aber vieles spielt sich ausserhalb davon ab. Wo soll der Staat eingreifen, wenn Bürger ihren Unmut im öffentlichen Raum deklarieren? Immer eine Güterabwägung. Zumindest in einer Demokratie.

Schön also, dass wir jetzt wenigstens Gewissheit haben. Wer das Klima rettet, indem er den Bundesplatz besetzt und von dort aus versucht, demokratisch gewählte Parlamentarier zu bestimmten Entscheidungen zu nötigen, darf auf indirekte Unterstützung der Stadt Bern durch Wegschauen hoffen. Wer hingegen staatliche Massnahmen im Rahmen einer Gesundheitshysterie hinterfragt, trifft auf Wasserwerfer.

Als im September 2020 die «Klimajugend», eine Truppe selbstdeklarierter Alleswisser, die ultimative Forderungen stellt, den Bundesplatz zu einer Art Festivalstandort umfunktionierte mit Zeltstadt, Bühne und so weiter, liess die Stadt Bern das Treiben tagelang zu. Munter zapften die Aktivisten öffentliche Stromleitungen an (das Handy muss schliesslich weiter Saft haben), herangerannte Journalisten wurden mit dem vordefinierten Narrativ bedient, den Besetzern schlug allenthalben Verständnis und Sympathie entgegen. Irgendwann wurde der Platz dann geräumt. Später. Sehr viel später.

Eine unbewilligte Demonstration – man kann nun darüber diskutieren – ob eine solche überhaupt bewilligt werden muss, das führt sie ad absurdum – gegen die Coronamassnahmen in Bern hingegen erfordert massive Gegenschläge, und zwar in Echtzeit. Das Bundeshaus muss abgeriegelt werden, Wasserwerfer in Stellung gebracht, und Polizisten durften endlich mal ihre kriegsreife Montur überziehen. Das alles natürlich motiviert du…