(Bild: Marco Verch)

Es gibt, möglicherweise, einen Gott. Es gibt, ganz sicher, Regierungen und Verwaltungen und die Justiz. Es gibt, mancherorts, das Volk, das entscheidet. Aber über all dem steht ein einziger: Jan Böhmermann.

Wie unterscheidet man einen fachkundigen Experten von einem ahnungslosen, der sich nur so nennt? Man kann sich durch sein Werk lesen, Quervergleiche anstellen, sein Palmares abchecken. Alles ziemlich aufwändig. Einfacher ist es, Jan Böhmermann zu fragen. Wer ausser einem TV-Satiriker soll denn bitte beurteilen können, welche Expertise seriös ist oder nicht?

In einer Podiumsdiskussion von «Die Zeit», zu der Böhmermann – warum auch immer – eingeladen war als Gesprächsgast, erklärte dieser, auf wen man in der Coronafrage zu hören hat und auf wen nicht. Er legte sogar noch eine Schippe drauf und definierte, wen man zumindest in den Medien gar nicht erst sprechen lassen sollte. Zum Beispiel den deutschen Virologen Hendrik Streeck, den Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Seien wir offen und ehrlich: Was soll der bitte schön zu Viren zu sagen haben?

Stattdessen gibt es nur eine Auskunftsperson, die das Recht haben sollte, vor Kamera oder Notizblock frei zu sprechen: Christian Drosten. Beziehungsweise nein, es gibt natürlich noch andere, und zwar alle die, die dasselbe sagen wie Drosten.

Warum? Weil die Ahnung haben. Und die anderen nicht. Laut Böhmermann. Nun muss man aber, um beurteilen zu können, wer eine Ahnung hat und wer nicht, selbst eine Ahnung haben. Von Viren beispielsweise. Wieso die Böhmermann zu haben glaubt? Die Frage ist völlig falsch gestellt. Muss er nicht. Er muss nur für sich entscheiden, wer eine Ahnung hat, gewissermassen aus dem hohlen Bauch heraus. Vielleicht mag er Drostens Stimmlage eher als die von Streeck und anderen Kritikern der Coronapolitik. Oder Drostens Gesicht ist ihm sympathischer. Oder aber, ein bisschen wahrscheinlicher, Böhmermann folgt der Definition der Leute, die ihm Geld bezahlen dafür, dass er vor der Kamera Faxen macht und Pointen setzt, die ihm eine lustige R…