Ach nein, wirklich? Fallzahlen sind nicht das taugliche Instrument, um Covid-19 zu begleiten? Es gibt aussagekräftigere Tools? Gratulation zur Einsicht. Nach zwei verlorenen Jahren.

Es gab viele Leute, ich schliesse mich ein, die stets gesagt haben, dass es zur Bewältigung der Lage in erster Linie eine Kennziffer gibt: Die Belastung des Gesundheitswesens. Die Zahlen der Spitäler. Bis heute hat es die Schweiz nicht so wirklich auf die Reihe gekriegt, uns zu erklären, wie die eigentlich aussehen. Ausser natürlich generellen Alarmrufen. Das zieht sich bis heute, das Verhältnis zwischen Geimpften und Ungeimpften in den Spitälern ist völlig ungeklärt, was im Zweifelsfall einfach dazu dient, die Ungeimpften zu belasten.

Aber man hat lieber zwei Jahre lang täglich, zumindest werktags, «Fallzahlen» publiziert und von den zugewandten Medien verbreiten lassen. Nichtssagende Fallzahlen, geeignet nur, um Superlative ohne jeden Erkenntnisgewinn zu lancieren.

Nun, im neuen Jahr, setzt sich da und dort endlich die Einsicht durch: Fallzahlen sind untauglich.

Hätte man das vor einigen Wochen gesagt, wäre man ein «umstrittener Experte» gewesen. Nun schenkt sich sogar der «Blick» das diffamierende Adjektiv und spricht in der Tat von «Experten», die Zweifel äussern an den Fallzahlen. Offiziell wird das der veränderten Lage zugeschrieben: Omikron, das – vielleicht, allenfalls, möglicherweise – milder verlaufe als frühere Varianten, erlaube es, sich nun auf die effektiven Auswirkungen zu konzentrieren, also die Spitaleinweisungen, statt auf die Fallzahlen.

Das ist barer Unsinn. Man hätte das von Anfang an tun können. Hinter den Fallzahlen steckten stets unzählige unnötige Quaranten und Isolationen und eine verbreitete Panik, die niemandem etwas gebracht hat. Die Fallzahlen waren schon immer eine untaugliche Kategorie. Omikron sei Dank kann man sich nun aus der Sache rausschleichen…